Die kleine Ling ist gerade mal neun Jahre alt, als die Kulturrevolution erste Schatten auf das Leben ihrer Familie wirft, und zwar in Gestalt des Genossen Li, der in ihrer schönen Wohnung einquartiert wird. Während Genosse Li immer mehr an Macht gewinnt und Kampf- und Kritiksitzungen auf dem Hof einberuft, wird Lings Vater, ein westlich ausgebildeter Chirurg am Krankenhaus der großen Stadt Wuhan, als "Bourgeois" verhöhnt, zum Hausmeister degradiert und schließlich abgeholt - ob in ein Umerziehungslager oder ein Gefängnis, weiß niemand. Ling muss nun für ihre von Angst gelähmte Mutter mitsorgen, sich gegen Spott und Anfeindungen zur Wehr setzen und das tägliche Essen organisieren …
Dieser überwiegend autobiografische Roman aus der Zeit der Kulturrevolution in China ist auch die Geschichte eines Mädchens, das in einer äußerst schwierigen Zeit von einem behüteten Kind zu einer kämpferischen und starken Jugendlichen heranwächst und dabei nie ihren Gerechtigkeitssinn verliert.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 09.10.2018
Rezensentin Verena Hoenig vermisst die kritische Note an den gegenwärtigen Verhältnissen in China in Ying Chang Compestines autobiografischer Geschichte über die dunkle Zeit der Kulturrevolution. Über die Schikanen, die Gewalt und auch über die Träume der Menschen zwischen 1966 und 1976 berichtet die Autorin anhand ihrer jungen Heldin plastisch und drastisch, räumt Hoenig ein. Der im Buchanhang geäußerte Stolz der Autorin über Chinas heutige Wirtschaftsmacht scheint der Rezensentin allerdings zu unkritisch, angesichts einer wieder zunehmend autoritär auftretenden chinesischen Regierung.
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