Yoko Tawada erzählt von einer "Loreley", die sich im Fluss irrt und an der Elbe landet, in Hamburg in den 80er Jahren. Die Identitäten der Figuren in diesem Text sind fließend, zwischen Mann und Frau, Hetero und Homo, Kindheit und Erwachsene-Sein.
Jede Öffnung in der Landschaft entpuppt sich als ein Durchgang zu einer anderen Welt: Der Keller in einer Kneipe führt in die islamische Welt, ein botanischer Garten zum Theater, die Elbe zum Rhein, ein Foto im Zimmer nach Tibet ... Dieser Text ist wie Wasser, fließender und freier als Prosa, aber doch ein erzähltes Werk, keine Lyrik.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 23.06.2017
Dieses Buch ist ganz anders als der gerade unter dem Titel "Akzentfrei" erschienene Gedichtband der deutsch-japanischen Autorin Yoko Tawada, meint Rezensent Burkhard Müller. Die vierzehn hier versammelten Geschichten sind länger und doch bewundernswert leicht und "federnd", fährt der Kritiker fort, der staunt, wie Tawada der Gefahr des "Bedeutungsschwangeren" entgeht. Müller streift hier mit der Autorin durch Hamburg, liest amüsiert, wie sie in einem Stück über einen in die Büsche pinkelnden Mann Gender-Fragen erörtert und kleine Boshaftigkeiten in ihren Texten unterbringt. Dass Tawada gelegentlich den Kalauer streift, nimmt der Rezensent ihr nicht übel.
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