1: Stimme eines Vogels oder das Problem der Fremdheit 2: Schrift einer Schildkröte oder das Problem der Übersetzung 3: Gesicht eines Fisches oder das Problem der Verwandlung
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 17.06.2000
Hans-Peter Kunisch bespricht in seiner Rezension zwei Bände von Yoko Tawada: "Opium für Ovid" und "Verwandlungen" (beide Konkursbuchverlag). Die Autorin wurde 1960 in Tokio geboren, seit 1982 lebt sie in Hamburg und ist als Schriftstellerin sowohl in Japan als auch in Deutschland literaturpreisgekrönt, schreibt Kunisch. Das Urteil, das der ihr wohlgewogene Rezensent - nach einigen Reminiszenzen und Überlegungen zum Thema changierender Identitäten - über die beiden neuen Bände fällt, ist geteilt: die nach den Ovidschen Metamorphosen und der Tradition japanischer "Kopfkissenbücher" strukturierten 22 Erzählungen über 22 Hamburgerinnen in "Opium für Ovid" haben ihm weniger gefallen. Den "Einzelstücken" des Erzählungsbandes, in denen die jeweilige Protagonistin "mal zart, mal direkter" mit den Ovidschen Metamorphosen verknüpft wird, gesteht er zwar auch den Zauber ihres "intelligenten" und "wunderbar leichten" Schreibens zu. Den Versuch, sie allesamt auch noch untereinander zu verbinden, findet er jedoch beschwerlich und "überkonstruiert".
In "Verwandlungen", den Texten der Tübinger Poetik-Vorlesungen, hat Kunisch dagegen die von ihr erwarteten "überraschenden Oberflächen und Tiefen" wiedergefunden. Am Ende der Besprechung steht ein langes Zitat, das gegen alle Kritik beweisen soll: ?Manchen Schriftstellern genügen zwei Sätze, und sie haben mehr gesagt, als andere auf dreihundert Seiten?. Und zu denen will er die Autorin trotz alledem weiterhin gezählt wissen!
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