Albrecht Dürer ist das unbestrittene Genie der nordischen Renaissance, ein Visionär, der sich nicht auf ein einzelnes Medium beschränkte. Ob Malerei oder Druckgrafik, Zeichnung oder Kunsttheorie - sie alle beherrschte er mit überwältigendem Sachverstand. Zu Lebzeiten berühmt für seine Porträts von Patriziern und Adeligen, war es Dürer, der mit seinen brillanten Zeichnungen und Aquarellen die einfache Skizze in eine eigenständige Kunstform verwandelte. Werke wie der Feldhase sind Wunder der Beobachtung. Sie fangen das Leben mit einer Präzision und Empfindsamkeit ein, die bis heute begeistern. Die Reichsstadt Nürnberg, die damals ihre Blütezeit erlebte, war Dürers Zuhause. Doch seine Reisen brachten ihn in Berührung mit dem Humanismus der Renaissance, den Farben Venedigs und den Idealen der klassischen Schönheit. All diese Einflüsse sog er auf und interpretierte sie mit der Präzision des Nordeuropäers neu. Zwischen Altarbildern und Porträts, Umgebungsstudien und gewagten Experimenten zeigt sich ein Künstler seiner Zeit, der zugleich seiner Zeit voraus war, ein Neuerer, dessen Blick auch heute noch aktuell erscheint.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 15.12.2025
Rezensent Philipp Meier blättert im sieben Kilo schweren Band mit Albrecht Dürers Gemälden, Zeichnungen und Druckgrafiken und staunt: Wie lebensecht und detailtreu sind die "Seelenporträts" von Kinderköpfen und Patrizierhäuptern! Aber auch das Selbstporträt von 1500 oder der berühmte Hase lassen Meier in Ehrfurcht erstarren. Die Schwerpunktsetzung der Monografie auf malerischem und zeichnerischem Werk leuchtet Meier ein. Die chronologische Anlage führt ihn durch das mächtige Werk des Nürnberger Meisters.
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