Aus dem Kroatischen von Klaus Detlef Olof. Eine ganz persönliche Familiengeschichte, bevölkert von Helden, Drückebergern und Lebenskünstlern in Zeiten von Krieg und Liebe. Die Urgroßmutter brennt mit einem fahrenden Schauspieler durch. Ein Großvater flieht vor der Oktoberrevolution von St. Petersburg nach Paris, der andere gerät als österreichisch-ungarischer Soldat in russische Gefangenschaft. Die "halbjüdische" Mutter überlebt dank eines katholischen Gebetbuchs in der Tasche den Zweiten Weltkrieg. Ferić lässt schillernde Charaktere die Bühne des Weltgeschehens im 20. Jahrhundert betreten, von Russland über Frankreich nach Ägypten und Kroatien. Den Schrecken, das Leid verflicht er mit berührenden Liebesgeschichten und eigenen pubertären Wirrungen. Ironisch und ergreifend, mit markanten Episoden und irrwitzigen Dialogen, ein Ereignis von europäischer Dimension.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.04.2023
Viel gestorben wird auf diesem Streifzug durch das zwanzigste Jahrhundert, auf den sich Rezensent Jörg Plath mit Zoran Ferićs neuem Roman begibt. Der Autor entwirft in der ersten Hälfte des Romans die Geschichte seiner Ahnen als "schrill-farbiges Mosaik der Totentänze", so der Kritiker, um dann, nachdem es kaum ein Vorfahre in die zweite Hälfte des Buches geschafft hat, autobiografisch weiterzuerzählen. Das hat seinen Reiz, findet Plath, überhaupt gefällt ihm Ferićs schwarzer Humor und seine "pointierte" Erzählweise. Die inhaltlichen Lücken in der Geschichte nehmen dem Roman allerdings einiges von seiner Kraft, bedauert Plath, der am Ende doch ein klein wenig enttäuscht zurückbleibt.
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