Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Design und Mode

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 23.09.2016 - Design

Designer haben heute keine radikalen Ideen mehr, behaupten die amerikanischen Kuratoren der Istanbul Design Biennale 2016, Beatriz Colomina und Mark Wigley, im Interview mit Dezeen. "Man muss sich nur die meisten Design-Ausstellungen und Biennalen ansehen, meint Wigley. 'Sie gleichen Verkaufsschauen', sagt er. 'Biennalen versichern der Welt heute nur noch, dass alles okay ist und es immer weiter Design gibt, aber sie laden nicht mehr zum Denken ein.' Als Antwort hat das Ehepaar die Istanbul Design Biennale, die nächsten Monat startet, als 'einen Angriff auf gutes Design' geplant. Sie wollen die Arbeit von Wissenschaftlern, Historikern, Archäologen und Künstlern präsentieren um herauszufinden, ob Design als Industrie nicht ehrgeiziger sein könnte."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 21.09.2016 - Design

Viel Britishness hat Jennifer Wiebking in der FAZ auf der Londoner Modenwoche gesehen. Schuluniformen, militärisches Khaki, College-Schals bei Mulberry oder Paul Smith: "Die schönste Kollektion zeigt in dieser Woche Christopher Kane. Auch er nimmt sich der britischen Kulturgeschichte an, dem 'Make Do and Mend', das Britinnen während des Zweiten Weltkriegs und danach ermutigte, das modisch Beste aus ihrer Situation zu machen, indem sie aus alten Stoffen neue Kleider nähten. Die Pelze sehen so wild aus, als wären sie vom Straßenrand aufgesammelt, die Stofflappen hängen mit Nieten zusammen, und an den Füßen tragen die Models mit Glitzersteinen besetzte Crocs. Kane setzt seinen Stil in jeder Saison neu um und entwickelt sich doch weiter." (Foto: Christopher Kane Collection.)

Efeu - Die Kulturrundschau vom 08.09.2016 - Design


Fatima Oumharch und Zahra Bouychou vor ihren Teppichen. Foto: Serge Anton

In der marokkanischen Wüste entwerfen Berberinnen seit den achtziger Jahren die erstaunlichsten Teppiche: modern und individuell, lernt NZZ-Kritiker Philip Meier in einer Ausstellung im Zürcher Museum Bellerive: "Mit unglaublich kreativer Power erschufen die Frauen aus einem traditionellen Handwerk ein ganz neues gestalterisches Universum. Seitdem versetzen die farbenfrohen Decken und Kissen die erdfarbenen und gedämpften Interieurs der Häuser in bunte Schwingung ... Da explodieren Teppiche förmlich in sehr unkonventionellen Formen und Farbtönen. Muster des Schachbretts, eines Spiels, das bei den Berbern verbrietet ist, liegen zugrunde, sodann auch Buchstaben des Berber-Alphabets. Gitterstrukturen zur Abwehr von Geistern schweben als frei gestellte Rhomben in farbigem Grund. Der individuelle Ausdruck dieser Gewebe und Knüpfarbeiten ist enorm."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 07.09.2016 - Design


Objekt "Arcobaleno", Anzolo Fuga für A.Ve.M., c. 1956, Vase "Siderale", c. 1952, Flavio Poli für Seguso Vetri d'Arte, Foto: Anna Seibel

Gabriele Detterer freut sich sehr, dass die Museen wieder Muranoglas in ihr Programm aufgenommen haben. Die Ausstellung in der Münchner Pinakothek der Moderne zeige sehr schön die Kunstfertigkeit der venezianischen Glasproduktion, deren Ruf durch die Massenproduktion arg gelitten habe: "Glasklar oder opak, monochrom oder vielfarbig, Naturformen stilisierend oder minimalistisch abstrakt - die in der Pinakothek ausgestellten Objekte spiegeln Stilrichtungen der bildenden Kunst des 20. Jahrhunderts wider. Würden sich die grün-gelben Farbkreise der Vase Siderale von Flavio Poli drehen, wäre dieses 1952 entstandene Gefäß ein Objekt früher kinetischer Kunst, während die im gleichen Jahr entstandene Vase Olaf von Dino Martens die Stilrichtung Informel mit Elementen der Op-Art kombiniert. Die Meisterschaft schlichter Ästhetik verkörpern die Millerighe-Vasen, die Aureliano Toso 1954 entwarf und dabei die historische Technik des Fadenglases neu, aber reduziert einsetzte."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 31.08.2016 - Design

"Transparent, klar, elegant": Ingo Arend staunt in der taz über die filigranen, detaillierten Arbeiten des Glasdesigners Tapio Wirkkala, die derzeit in einer großen Schau in Leipzig zu sehen sind: "Wirkkala näherte sich dem Werkstoff Kunstglas als Bildhauer mit Gespür für expressive Effekte und dem Interesse an der Natur. ... Die biomorphen Formen, die er bevorzugte, hatte schon der Architekt Alvar Aalto zum Markenkern der skandinavischen Antwort auf den Bauhaus-Funktionalismus gemacht. Unter Wirkkala gewann das, was Fachleute die 'Organische Moderne' nennen, seine sichtbarste Gestalt." (Tapio Wirkkalas Chantarelle, 1947, für Ittala)

Efeu - Die Kulturrundschau vom 27.08.2016 - Design

Für die FR liest Carmen Böker den neuen Ikea-Katalog, dem "mollig warme Mitmenschlichkeit entströmt. ... Sogar ein Mensch, der nun wiederum wie ein Double von Bushido aussieht (allerdings viel freundlicher und ohne Tätowierungen), wird in diesem humanen Geiste in die Mitte genommen."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 26.08.2016 - Design

Im ZeitMagazin erinnert Estelle Marandon an die eben verstorbene Modedesignerin Sonia Rykiel: Sie hatte "eine genauso unverkennbare Silhouette wie die von Karl Lagerfeld. Und eine nicht minder starke Handschrift. Ihre bunt gestreiften Pullover kennen vermutlich selbst die größten Modelaien. Denn Sonia Rykiel hat den Strick auf den Laufsteg gebracht. ... Ihr erstes Stück wurde sofort ein Klassiker: ein kurzer, fein gestrickter und eng anliegender Pullover mit langen Ärmeln. Eine absolute Sensation, in einer Zeit, in der Pullover meist unförmig gestrickt und insofern eher Männersache waren."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 23.08.2016 - Design

Im New York Times Style Magazine erinnert Alexander Fury an die "Incroyables", Söhne und Töchter der Eliten, die alles andere als Revolutionäre, aber mit ihrer extravaganten Kleidung doch echte Punks des 18. Jahrhunderts waren. Sie lebten gefährlich, denn nach der französischen Revolution galt jede Unterstützung von Tyrannei und Royalismus als Verbrechen, so Fury: "Sie missachteten vorsätzlich alle Regeln, gingen so weit, in einer eigenen Sprachform den Buchstaben "R" wegzulassen, da er an die Revolution erinnerte. Das so ausgesprochene 'Inc'oyable' hatte eine gesunde Portion Galgenhumor. Häufig kämmten sie ihr Haar nach vorn und rasierten den Nacken so, als ob ein Fallbeil darüber gefallen wäre. Man sagt, sie organisierten Opferbälle, wo das weibliche Äquivalent der Incroyablen, die Merveilleuses, transparente Kleidung trug, die an Unterwäsche erinnerte und rote Bändchen um ihre Kehlen, die eine Enthauptung suggerierten." (Bild: Incroyables et Merveilleuses auf Frankenthaler Porzellan, ursprünglicher Stich von Carle Vernet)

Efeu - Die Kulturrundschau vom 20.08.2016 - Design

Im Tagesspiegel gratuliert Rolf Brockschmidt dem Möbeldesigner Peter Maly zum 80. Geburtstag. Brigitte Werneburg bespricht in der taz Anja Meyerroses "bemerkenswerte" Studie "Herren im Anzug".
Stichwörter: Maly, Peter, Möbeldesign

Efeu - Die Kulturrundschau vom 10.08.2016 - Design

Die Ausstellung "Chic!" des Hessischen Landesmuseums in Darmstadt verlässt sich ein wenig zu sehr, auf den Seltenheitswert ihrer kostbaren Exponate, bei denen es sich um Wämser und Schuhe aus dem 17. Jahrhundert handelt, bedauert Andrea Diener in der FAZ: "Die Kleidung spielt so deutlich die Hauptrolle, dass die Gesellschaft, das politische und soziologische Klima, in das sie ja eingebettet ist, in den Hintergrund tritt. Warum begannen irgendwann alle, Soldatenröcke zu tragen? Wie teuer war ein Gewand, wer leistete es sich, wer trug es zu welchen Anlässen? Wie viele Stücke besaßen Bürger in der Regel? Wer sind diese Leute auf den Gemälden überhaupt, und welche Rolle spielten sie?" (Bild: Wams, vermutlich Köln, 1610-1620, Hessisches Landesmuseum Darmstadt)

Außerdem: In der taz sinniert Brigitte Werneburg in Stau und Sommerloch über neue Automobillacke.