Für den
Freitag unterhält sich Katja Kullmann mit der
Kulturwissenschaftlerin Barbara Vinken, die sich in ihrem
neuen Buch kulturphilosophisch mit dem Phänomen der
Mode auseinandersetzt. Über einen Literaturnobelpreis für eine Modelinie würde man sich nach Lektüre des Gespächs nicht wundern: Vinken plädiert jedenfalls dafür, Mode "auch ästhetisch zu betrachten. Man kann Textilien tatsächlich genauso
lesen wie Texte. Kleider haben eine historische Mehrschichtigkeit, sie spielen mit Zitaten. Manieristisch im Gegensatz zu klassisch zum Beispiel: Ein Stil ist immer eine Weltsicht. Genau wie die Literatur arbeitet die Mode mit einem vorgegebenen Vokabular, hängt von Gemeinplätzen ab - um diese zu unterlaufen,
als Kommentar in Kleidern über Kleider. Nehmen Sie die Geschlechterrollen: Die wurden immer über Kleidung angeboten. ... Ein gutes Kleidungsstück oder eine gute Kollektion hat ein ähnliches
Raffinement wie ein Gedicht."
Und: Im
Interview mit der
FAZ erklärt Toby Bateman, Geschäftsführer des Onlinehändlers
Mr. Porter, warum inzwischen
auch Männer gern online Kleidung kaufen: "Männer
wollen verstehen, was sie da kaufen. Das können wir als Website viel konsequenter erklären als ein Laden in der Fußgängerzone. Wenn da ein guter Verkäufer steht: super. Aber in neun von zehn Fällen wird wohl eher
die Teilzeitkraft arbeiten, die selbst nicht weiß, warum dieses Hemd von Zegna 300 Euro kostet."