Raf Simons wird neuer Chefdesigner von Calvin Klein, berichtet Jennifer Wiebking in der FAZ. Besprochen werden drei Ausstellungen im Lausanner Designmuseum Mudac (NZZ).
Gut gelaunt berichtet Tazlerin Brigitte Werneburg vom Modenachwuchs-Wettbewerb International Talent Support in Triest. Besprochen wird ein Band über Zürcher Modewelten (NZZ).
Anlässlich einer Ausstellung im Berliner Schwulen-Museum denkt Tilman Krause in der Welt über den Dandy in der Zeit der Internetplattformen, Blogs und Chatcommunitys nach und stellt fest: "Die überzeugendsten Dandys leben jetzt im Kongo. ... Im Hauptberuf arbeiten sie als Müllkutscher, Taxichauffeure oder Handwerker im urbanen Dschungel von Brazzaville. Aber am Wochenende, da drehen sie richtig auf, feiern Schönheitswettbewerbe, machen Musik, frei nach dem Vorbild des schwarzen Urdandys Miles Davis, und tanzen. Sie haben eben begriffen: Dandy sein ist nur eine von den sozialen Rollen, die der moderne Mensch sich anzueignen hat. Worauf es ankommt, ist heute eben nicht mehr, ein geschlossenes Ich zu haben und zu kultivieren, sei es als Dandy, Bürger, Bohemien oder Proletarier, sondern sich als Rollenspieler zu bewegen."
Entwurf einer Jacke für den Bentley-Fahrer. Foto: Blog Davide Taub
Es ist in Indien nicht unüblich (und auch nicht so teuer), sich einen Anzug maßschneidern zu lassen. Aber einen Anzug aus der Savile Row nachnähen? Der Schriftsteller Akhil Sharma war so besessen von den etwa 8.000 Dollar teuren Anzügen Davide Taubs, Cutter beim Londoner Herrenschneider Gieves & Hawkes (hier Taubs eigenes Blog), dass er nachfragte. Taub gab nicht nur sein Einverständnis, erzählt Sharma schwer beeindruckt im New Yorker, sondern bot sogar eine seiner Jacken für den kopierenden Schneider zum Auseinandernehmen an: "Ein interessanter Aspekt der Savile Row ist die absolute Überzeugung der Leute, die dort arbeiten, dass ihre Arbeit wirklich anders und besser ist als das, was andere tun. Überprüfungen scheinen ihnen willkommen zu sein ... Taub meinte, dass ein Kleidungsstück von Gieves & Hawkes auseinandergenommen, aber nie wieder in dieselbe Passform zusammengesetzt werden kann. Viele Entscheidungen, die beim Nähen getroffen werden - wie eng der Stoff zusammengeheftet wird, in welchem Winkel die Nadel eingestochen wird - hinterlassen keine Spuren, man sieht nur das Ergebnis."
Taub hat in seinem Entwurf oben die Taschen für den Fahrer schräg auf Brusthöhe verlegt, so dass er im Sitzen bequem zum Beispiel nach seinem Handy greifen kann. Noch besser wäre es natürlich, man bräuchte überhaupt keine Taschen, weil man alle Informationen auf der Haut trägt. E-Skin ist das neue Zauberwort, erzählt der Forscher Luca Santarelli in The Conversation. "Forscher entwickeln gerade flexible, biegsame und dehnbare elektronische Schaltkreise, die direkt auf die Haut appliziert werden. Sie können Ihre Haut in einen Touchscreen verwandeln, aber auch Empfindungen ausschalten, etwa bei schweren Verbrennungen oder Problemen mit dem Nervensystem." Das sähe dann so aus:
Außerdem: Fundstücke aus der Zeit, als Jugendkultur noch smart, sharp und stylish war: Vintage Everydaybringt eine tolle Strecke mit Mods aus den 60ern.
Pierre Paulin: Sessel No. 577, 1967. Centre Pompidou. Foto: Bertrand Prévost, SAIF.
In der FAZschreibt Niklas Maak über den französischen Designer Pierre Paulin, dem das Centre Pompidou eine große Ausstellung widmet. Insbesondere Paulins Umdeutungen des Sitzens üben einen enormen Reiz auf den Kritiker aus: "Die Übergänge zwischen Sitzen und Liegen, Sofa und Bett wurden so fließend, dass man nur noch von Sitzlandschaften sprechen konnte. Der Umbruch vom calvinistisch verklemmten Wiederaufbauklima zum Hedonismus der ersten Wirtschaftswunderwelt bildet sich geradezu überdeutlich in den Unterschieden zwischen den Traumsofas der fünfziger und denen der sechziger und siebziger Jahre ab. Paulins superweiche Quell- und Lungerwelten, die ihre Insassen in ein sofortiges Komfortkoma versetzen und nur mit schrillsten Signalfarben wach halten konnten, waren Teil einer der größten ästhetischen Selbstneuerfindungen Frankreichs."
Vor 70 Jahren hat Louis Réard der Öffentlichkeit den Bikini präsentiert. Für Gerhard Matzig Anlass zur Süffisanz. In der SZ erklärt er, was den Bikini mit der gotischen Kathedrale eint: "Beide Architekturen verdanken sich moderner Tragwerkslehre: der Leichtbauweise. Bei der gotischen Kathedrale geht es darum, die Wandflächen und Gewölbemassen auf ein Minimum zu reduzieren, um möglichst viel Göttliches, zum Beispiel Sonne, hinein zu lassen. Dies zur Feier der Schöpfung. Beim Bikini geht es darum, die Stoffmassen zur Bedeckung der Gewölbe auf ein Minimum zu reduzieren, um möglichst viel Göttliches, zum Beispiel sonnenbraune Haut, hinaus zu lassen. Dies zur Feier wenn nicht der Schöpfung, so doch ihrer Geschöpfe, die nicht mehr im Paradies, bisweilen aber im Freibad leben."
In der Volksbühne diskutierte eine Konferenz über die Skinny Jeans, deren lange Trendphase sich auch langsam ihrem Ende entgegen neigt, wie Elisabeth Wagner in der tazberichtet: "Eine Hose, die in den 50er, 60er Jahren des 20. Jahrhunderts als popkulturelles Zeichen der Unangepasstheit galt, ist zum Werkzeug der Beschämung geworden. Im Sinne der Leistungsgesellschaft ist das ein Aufstieg. Die Hose wird zum Fitnesstool, nach Elastan-Anteilen und Schwierigkeitsgraden gestaffelt. ... Die Skinny Jeans droht zum Claqueur, zur geheimnislosen Opportunistin an der Seite eines narzisstisch-feudalenIchs zu werden."
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