Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Kunst, Ausstellungen, Architektur

3746 Presseschau-Absätze - Seite 6 von 375

Efeu - Die Kulturrundschau vom 26.03.2026 - Kunst

Klara Lidén, 2007/2026; Foto: Frank Sperling.

Beate Scheder (taz) kann kaum glauben, dass mit "Kunstwerke" im KW Institute for Contemporary Art erst jetzt eine Überblicksschau zum Werk der schwedischen Künstlerin Klara Lidén zustande gekommen ist, gelinge es der Fotografin doch seit zwanzig Jahren mit Witz und Wehmut Orte zu zeigen, die wir sonst kaum wahrnehmen: "Sie steigt mit der Kamera in die Seine ab. Oder in Gullys, unter den Teppich, in einen Papierkorb oder einen Kühlschrank. Und das Umnutzen, wenn die Künstlerin urbanes Inventar in die Kunst überführt. Vom 'Un-building' spricht sie dann selbst. Mülleimer. Baustellendurchgänge für Fußgänger:innen. Straßenleuchten. Leicht manipuliert dann oft. Eine Apothekenleuchte ohne das A. Ein Bushaltestellenschild ohne Text. Billboards, die nichts mehr anzeigen. Bis man sich beim Betrachten fragt, was das eigentlich für eine merkwürdige Welt ist, die wir uns da gebaut haben. Lidén stellt sie aus, führt sie vor, baut sie um."

"Tirailleurs" wurden die für die französische Armee oft unter Zwang rekrutierten schwarzen Soldaten aus den Kolonien genannt, weiß Nicola Kuhn (Tsp) - und erst langsam beginnt man sich in Frankreich, aber auch in Deutschland für sie zu interessieren, wie aktuell die Ausstellung "Vom Kanonenfutter zur Avantgarde" im Berliner HKW zeigt. Und: "Kanonenfutter sind afrikanische Soldaten geblieben, wie eine Recherche des Dresdner Videokünstlers Mario Pfeifer eindrucksvoll demonstriert. Er traf zwei Rekruten aus Kamerun, die für die russische Armee angeworben wurden, um in der Ukraine zu kämpfen. Bei der Unterzeichnung ihres Vertrags wussten die beiden Männer davon nichts und hofften stattdessen wie 150 Jahre zuvor ihre Landsleute auf gute Bezahlung, wie sie anonymisiert in Pfeifers Film erzählen. Außerdem stellten ihnen die Anwerber Aufenthaltsgenehmigungen, Ausbildungsplätze für die Kinder und Jobs für die Ehefrauen in Aussicht. Nichts stimmte davon. Nachdem sie desertieren konnten, leben sie heute traumatisiert fern der Familie."

Besprochen werden außerdem eine sechzig Jahre umfassende "Leistungsschau" zum Fotorealismus im Museum Frieder Burda in Baden-Baden (FAZ) und die Constantin-Brancusi-Ausstellung in der Berliner Neuen Nationalgalerie (Zeit, mehr hier).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 25.03.2026 - Kunst

Alps - Grönland. Alles wird anders, © Julian Jonas Schmitt

Unabsichtlich hochaktuell ist die Ausstellung "Grönland. Alles wird anders" geraten, die im Berner Alpinen Museum der Schweiz aka Alps, zu sehen ist. Wie Frank Keil in der taz berichtet, wurde die Ausstellung bereits letzten Herbst eröffnet, als Trumps Pläne, die Insel zu annektieren, noch nicht in aller Munde war. Die Schau ermöglicht vielfältige Einblicke in das dünn besiedelte Land, besonders begeistert ist Keil von großflächigen Doppel-Videoprojektionen, in denen grönländische Gegensätze aufeinanderprallen: "Links warten die einen stoisch im Schneesturm auf den Bus; rechts tanzen die anderen zu einem eigensinnigen Mix aus Rock und Hip-Hop, den ein junger Mann mit Wollmütze in dem überfüllten Klub namens 'Kristinemut' über sie hinwegschallen lässt. (...) Mal fliegt man mit im Helikopter über vereiste Ödnis, dann wieder schaut man in eine steril-glänzende Shoppingmall der Hauptstadt Nuuk. Beide Welten wirken verwandt seltsam."

Ingeborg Ruthe gedenkt in der BlZ dem verstorbenen Berliner Maler Matthias Koeppel. Annegret Erhard gibt in der Welt durch, dass eine Zeichnung Hans Baldur Griens in Frankreich zum nationalen Schatz erklärt wurde.

Besprochen werden "Tracey Emin. A Second Life" in der Londoner Tate Modern (FAZ), "Monets Küste: Die Entdeckung von Etretat" im Frankfurter Städel (SZ), eine Peter Hujar und Liz Deschenes 
gewidmete Ausstellung im Berliner Gropius Bau (monopol), die Geschichtsschau "Der Holocaust. Was wussten die Deutschen?" in Topographie des Terrors, Berlin (Tagesspiegel), "Brancusi" in der Berliner Neuen Nationalgalerie (SZ, Welt) und "Canaletto & Bellotto" im Kunsthistorischen Museum Wien (Standard).
Stichwörter: Grönland, Alps Museum Bern

Efeu - Die Kulturrundschau vom 24.03.2026 - Kunst

Carel Fabritius: Der Distelfink, 1654. (Bild: gemeinfrei, Quelle)

Nicht so ganz zufrieden ist Kai Spanke (FAZ) nach dem Besuch der Ausstellung "Birds" im Mauritshuis in Den Haag. Die Auswahl der Exponate wirkt auf ihn ein wenig zu willkürlich, "ein leicht verdauliches, mitunter überraschendes Allerlei". Ein paar Highlights sind aber definitiv dabei. Die "Sensation" ist Carel Fabritius' Ölgemälde "Der Distelfink" aus dem Jahr 1654, das man vom Cover von Donna Tartts gleichnamigem Roman kennt: "Der Vogel - wegen seiner roten Maske und der Vorliebe für Disteln dient er auf Marienbildnissen und Kreuzigungsszenen oft als Symbol für die Passion Christi - sitzt auf einer Stange und trägt eine Kette am Fuß. Er ist in Untersicht dargestellt, und Fabritius hat seine Gestalt exakt erfasst. Das ist keine Selbstverständlichkeit, bis heute sind nicht viele Künstler in der Lage, das Verhältnis von Form und Größe bei Vogelillustrationen genau zu treffen."

In der taz reagiert Yelizaveta Landenberger auf einen Artikel von Zeit-Kritiker Hanno Rauterberg (unser Resümee) über die Teilnahme Russlands an der Biennale in Venedig. Rauterberg hatte argumentiert, dass man in der Konsequenz auch Ländern wie China oder Saudi-Arabien die Teilnahme verweigern müsse. Außerdem bestünde die Möglichkeit, dass Künstler den Pavillon für subversive Staatskritik nutzten. Schön wär's, entgegnet Landenberger, angesichts des Versuchs, ein Musikfestival im russischen Pavillon zu inszenieren: "Mitwirken werden 38 MusikerInnen aus verschiedenen Regionen Russlands sowie aus Argentinien, Brasilien, Mali und Mexiko. Durch die Begegnung verschiedener Kulturen will das Projekt laut Beschreibung 'einen Raum für Dialog und Austausch schaffen und das Gefühl einer internationalen Gemeinschaft stärken'. Wahrhaft zynisch in Zeiten, da der Kreml einen imperialen Angriffskrieg führt und zugleich überproportional viele Angehörige indigener Völker und Minderheiten Russlands an der Front verheizt."

Besprochen wird die Brancusi-Ausstellung in der Neuen Nationalgalerie in Berlin (SZ), die Ausstellung "The Screen" im Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe und die Ausstellung "Anna Barham: 'delirious mantra' im Badischen Kunstverein (beides taz).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 23.03.2026 - Kunst

In der Ausstellung "Persistence of Vision" im Gropius Bau erblickt Tagesspiegel-Kritiker Jens Hinrichsen Fotografien zweier großer Amerikaner, Peter Hujar und Liz Deschenes. Während letztere mit ganz reduzierter Technik monochrome Flächen erzeugt, "ist alles 'Porträt' bei Hujar. Kein Motiv rangiert über einem anderen. Aktbilder, Bildnisse von Celebrities und Unbekannten, Tierfotos oder Bilder von Ruinen hängen wie zufällig kombiniert Seite an Seite - vorzugsweise im Raster, eine Präsentationsform, die auf Hujar selbst zurückgeht. Doch sein egalitärer Blick hat mit Andy Warhols 'All is pretty'-Nivellierung nichts zu tun: Jedes Wesen, jedes Ding besaß für Hujar eine einzigartige Essenz, die es fotografisch einzufangen galt."

Besprochen werden: Die Ausstellungen "Monets Küste" im Frankfurter Städel (Monopol), "Tracey Emin - A Second Life" im Tate Modern in London (NZZ) und "Gustave Courbet. Realist und Rebell" im Leopold-Museum Wien (FAZ).
Stichwörter: Hujar, Peter, Deschenes, Liz

Efeu - Die Kulturrundschau vom 21.03.2026 - Kunst

Die "Medien haben Banksy auf ihrem eigenen Altar geopfert", bedauert Philipp Meier in der NZZ. Durch die Enttarnung seiner Identität "sind jetzt alle bestohlen: die Banksy-Fans, die ihren mythischen Helden verlieren, aber auch die Banksy-Sammler, deren Werken nun eine Wertverminderung droht. Und letztlich selbst die Medien. Denn Banksy war vor allem auch eines ihrer Lieblingskinder." Und die Konsequenzen für den Künstler selbst? Banksy Anwalt forderte Reuters auf, den Bericht (mehr hier) nicht zu publizieren, lesen wir: "Er verletze die Privatsphäre seines Mandanten. Seine Enttarnung könne eine ernsthafte Gefahr darstellen, meinte Stephens. Banksy sei seit Jahren 'besessenem, bedrohlichem und extremistischem Verhalten' ausgesetzt."

"Banksy schien die Quadratur des Kreises gelungen zu sein. Er vereinte Subversion mit Massenzuspruch und Finanzelitengeschmack und musste nie persönlich dafür herhalten", kommentiert in der FAZ Ursula Scheer. Was wird nun weiter passieren? "Ein nicht mehr anonymer Banksy könnte Urheberrechte geltend machen, aber auch wegen Beleidigung oder Vandalismus belangt werden", gibt Scheer zu bedenken. Seiner Beliebtheit wird die Enttarnung allerdings nicht schaden, meint sie.

In der Welt kommentiert Boris Pofalla den Streit um die Rektorin der Düsseldorfer Kunstakademie Donatella Fioretti, die eine Veranstaltung mit der palästinensischen Künstlerin Basma al-Sharif plante (mehr hier), die nach Protesten unter Ausschluss der Öffenltichkeit stattfand. Für Pofalla liegt das Versäumnis der Rektorin vor allem darin, sich nicht entschieden gegen Basma al Sharifs im Netz geteilten, israelfeindlichen Positionen gestellt zu haben: "Bemerkenswert an den Statements der Akademie ist ja, dass sie in keiner Weise konkret auf die öffentlich erhobenen Vorwürfe eingehen. Der übliche Disclaimer ('Für Antisemitismus gibt es an der Kunstakademie Düsseldorf keinen Platz') erledigt die Diskussion mit einem müden, summarischen Wischen, als wolle man ein lästiges Insekt vertreiben."

Weitere Artikel: In der FR erinnert Arno Widmann an die Eröffnung der Berliner Nationalgalerie vor 150 Jahren. In der FAZ unterhält sich Bettina Wohlfarth mit den Galeristen Martin Moeller-Pisani und Florian Sundheimer, die im bald stattfindenden Pariser Salon du Dessin ausstellen werden. Auf den "Bilder-und Zeiten"-Seiten der FAZ schreibt Michael Hametner zum Leben und Werk des deutschen Malers Sighard Gille. Besprochen werden die Ausstellung "Kunst um 1800. Eine Ausstellung über Ausstellungen" in der Hamburger Kunsthalle (FAZ) und die Ausstellung "Brancusi" in der Neuen Nationalgalerie in Berlin (taz).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 20.03.2026 - Kunst

Im Frühjahr 1948 veranstaltete Willem de Kooning seine erste Einzelausstellung in der New Yorker Charles Egan Gallery, sie sorgte für seinen Durchbruch. Zwölf jener Werke, die de Koonings Weg zu einem der wichtigsten abstrakten Expressionisten begründeten, zeigt nun das Princeton University Art Museum unter dem Titel "The Breakthrough Years", freut sich Veronica Esposito im Guardian: So sind Schlüsselwerke wie "Black Friday" und "Dark Pond" zu sehen: "Die Farbpalette der Schau ist auffallend reduziert; Schwarz- und Beigetöne dominieren, durchsetzt mit vereinzelten Farbtupfern, wie dem leuchtenden Gelb in 'Secretary' und dem betörenden Ocker in 'Gansevoort Street'. Die geschwungenen Linien des Künstlers tanzen in kontrollierter Ekstase über die Leinwände, und sein präziser Einsatz von Schattierungen macht viele dieser Werke zu wahren Festen des Negativraums."

Das Kollektiv Art Not Genocide Alliance (ANGA) fordert in einem offenen Brief an Präsident Pietrangelo Buttafuoco Israel von der Biennale in Venedig auszuschließen, unterzeichnet wurde der Brief von 183 Künstlern, Kuratoren und Mitarbeitern. "Zionistische Kräfte töten, inhaftieren und verfolgen palästinensische Künstler und Kulturschaffende, zerstören Museen, Archive, Kulturzentren, Schulen, Universitäten, Bibliotheken, Galerien sowie historische Gebäude und Denkmäler vollständig und schlachten Künstler, Musiker, Dichter und Schriftsteller ab", zitiert Gesine Borcherdt in der Welt fassungslos: "Es ist verblüffend, dass Vertreter der internationalen Kunstszene ihre Namen unter Formulierungen setzen, die bewusst an die Sprache historischer Verfolgungsnarrative erinnern, speziell das der Juden durch die Nazis - und dieses zugleich verschieben." Mehr noch: "Zugleich unterzeichneten den Brief auch Künstler aus Katar und Saudi-Arabien - Staaten, deren Regime Kritiker einschüchtern, inhaftieren und hinrichten. Deren Pavillons sind also ok, und die darin ausgestellte regimetreue Kunst auch?"

In der FAZ verteidigt Hubert Spiegel die Rektorin der Düsseldorfer Kunstakademie Donatella Fioretti, die sich gegen Vorwürfe verteidigen muss, eine studentische Veranstaltung mit der palästinensischen Künstlerin Basma al-Sharif, die im Netz mit antisemitischen Sprüchen aufgefallen war, zugelassen und dabei die Öffentlichkeit ausgeschlossen zu haben (unsere Resümees). Das mag Spiegel unsympathisch sein, aber die Wissenschaftsfreiheit erlaube auch das: "'Dismantle it', hat Sharif in einem ihrer Anstoß erregenden Beiträge geschrieben. Gemeint ist: Zerlegt, zerstört Israel. Der antisemitische Gehalt ihrer Äußerungen ist also unzweifelhaft. Kein Zweifel besteht auch daran, dass Donatella Fioretti Fehler unterlaufen sind. Aber ist beides zusammen Grund genug, die Freiheit der Wissenschaft infrage zu stellen?" Grund für eine Entlassung ist das jedenfalls nicht, findet Spiegel. Weitere Hintergründe liefert Daniel Kothenschulte bei Monopol.

Besprochen werden außerdem die Ausstellung "You see what I might think and the pipes hear what the others see" mit Werken von Ferdinand Dölberg in der Galerie Anton Janizewski in Berlin (taz), die Ausstellungen "Daido Moriyama. Retrospektive" und "Michelle Piergoelam. Across the Water" im Foto Arsenal in Wien (FAZ) und die große Leonora-Carrington-Schau im Pariser Musée du Luxembourg (monopol, mehr hier).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 19.03.2026 - Kunst

Installationsansicht von "When the Water Turns to Wind" im Portikus Frankfurt. Foto: Wolfgang Günzel

Nachdenklich kommt Theresa Weise (taz) aus der Ausstellung "When the Water Turns to Wind" im Portikus in Frankfurt. Dort werden Videoarbeiten der usbekischen Künstlerin Saodat Ismailova gezeigt, in denen sie sich mit dem Aralsee auseinandersetzt. Einst einer der größten Seen der Erde, ist er heute zu neunzig Prozent ausgetrocknet, weil seine Zuflüsse durch die sowjetische und russische Baumwollindustrie umgeleitet wurden, erinnert die Kritikerin, die sich von Ismailova wie in einem schwankenden Boot über den Aralsee geleitet fühlt: "Mal mit einer subtilen, mal mit einer ohrenbetäubenden Geräuschkulisse hört man Vogelgezwitscher, Windpfeifen oder Radio. Ismailova wechselt die Anordnung und Blickrichtung der Kamerafahrt von rechts nach links, von oben nach unten und vice versa. (...) Ismailova gelingt es, dem oft abstrakt verhandelten Thema des Klimawandels eine spürbare emotionale Dimension zu verleihen. Ihre Bilder sind poetisch, die Natur erscheint darauf als berauschend schön. Wenn etwa auf der Projektion an der Decke ein Sonnenuntergang über dem glitzerndem Wasser des Aralsees auftaucht, der Horizont pfirsichfarben."

Besprochen werden außerdem die große Leonora Carrington-Ausstellung im Musée du Luxembourg in Paris (Welt) und die Ausstellung "Picasso. Raíces Bíblicas" in der Kathedrale von Burgos (FAZ).
Stichwörter: Aralsee, Usbekistan, Klimawandel

Efeu - Die Kulturrundschau vom 18.03.2026 - Kunst

Gustave Courbet - Die Woge. © Städel Museum

Eine tolle Ausstellung schaut sich FAZler Stefan Trinks im Frankfurter Städel an. Wobei deren Titel "Monets Küste. Die Entdeckung von Etretat" schon ein bisschen Etikettenschwindel ist: Monet hat die nordfranzösische Bucht mit der elefantenartig anmutenden Felsnadel, um die sich hier alles dreht, zwar in der Tat mehrmals gemalt, aber er war keineswegs der einzige und auch nicht der erste. Unter den vielen Etretat-Bildern, die die Frankfurter Ausstellung versammelt, hebt Trinks unter anderem ein Wellen-Bild Gustave Courbets hervor: "Das Momenthafte einer anrollenden Riesenwelle versteinert Courbet zu gemalter Bildhauerei; die Bootswinden sowie die Menschen lässt er fort und betont dadurch die Aura der Verlassenheit. Sein geologisches Interesse an den Felsen zelebriert er, wenn er Etretat wie eine dunkle Aneinanderreihung von menschenartig prähistorischen Menhiren verlebendigt porträtiert." Für die FR bespricht Lisa Berins die Schau.

Ein "Glanzstück an Ausstellungsarchitektur, Kunsterlebnis, Raumerfahrung" ist die Ausstellung "Brancusi", jubelt Nicola Kuhn im Tagesspiegel. Die erste dem titelgebenden rumänisch-französischen Bildhauer gewidmete Schau seit vierzig Jahren ist in der Berliner Neuen Nationalgalerie zu sehen und zeichnet die Genese eines Werkes nach, das Abstraktionstendenzen in der Skulptur entscheidend voran brachte: "Von der 'Schlafenden Muse' ausgehend kann der Besucher sukzessive die Verdichtung des menschlichen Kopfes auf das Wesentliche verfolgen. Die Reihe beginnt mit einer 'Schlafenden' aus Marmor von 1908, die noch Brancusis Zeit im Atelier von Rodin verrät, und endet ein Vierteljahrhundert später bei einem völlig geglätteten Stein aus Onyx, der nur noch eiförmig ist. Den Untertitel 'Skulptur für Blinde' richtete Brancusi an seine Kritiker, die darin nur einen überdimensionalen Kiesel erkennen wollten."

Eifrig kommentiert wird die womögliche Enttarnung Banksys durch die Nachrichtenagentur Reuters (siehe hier). Nikolaus Bernau ist im Tagesspiegel not amused. Denn, findet er, "eine liberale Gesellschaft, die die Rechte des Individuums auf Selbstbestimmung auch nur ansatzweise ernst nimmt, muss akzeptieren, wie eine Person sich selbst benennt, solange niemand durch die Wahrung der Anonymität Schaden erleidet. Zumal, wenn die Anonymität zum Werk gehört: Wir wissen doch, wie der Künstler des brillanten Bildes heißt, das in der Ukraine einen in einer Ruine Duschenden zeigt: Banksy." Jakob Biazza hält in der SZ dagegen und meint: Wenn jemand mit dem Pfund seiner Anonymität derart wuchert wie Banksy das tut, gehört die Möglichkeit der Enttarnung zum Spiel: "Weil das öffentliche Interesse an Banksy in der Hauptsache in seiner möglichen Enttarnung besteht, besteht ein öffentliches Interesse daran, ihn zu enttarnen. Das ist das Spiel. Wer mitspielen will, unterwirft sich den Regeln. Oder findet Wege, die Regeln einmal mehr zu ändern. Bislang ist ihm das ja noch erstaunlich oft gelungen." Für die Presse kommentiert Karl Gaulhofer.

Weiteres: Die Akademie der Künste protestiert gegen die Halbierung der Preissumme beim Kunstpreis Berlin, berichtet der Tagesspiegel. Mehr dazu auf monopol. Sophie Jung besucht für die taz derweil eine Diskussionsveranstaltung zu Sponsoring und Kunstförderung in der Neuen Nationalgalerie. Niklas Maak ruft in der FAZ dem Kunstsammler Egidio Marzona nach, auf monopol gedenkt Bernhard Schulz Marzona. Markus Woeller schreibt in der Welt über die Gefährdung der Art Dubai durch iranische Raketen. Besprochen wird die Schau "Wie geht's? Die Ausstellung über mentale Gesundheit" im Deutschen Hygiene-Museum Dresden (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 17.03.2026 - Kunst

Félicien Rops, Le Bouge à matelots 1875, Collection de la Fédération Wallonie-Bruxelles, en dépot au Musée Félicie Rops, Namur


Gesellschaftskritik und Pornografie sieht NZZ-Kritiker Philipp Meier auf interessante Weise vereint in den Karikaturen des französischen Illustrators Félicien Rops, die das Kunsthaus Zürich in der Ausstellung "Laboratorium der Lüste" zeigt. Im Paris des 19. Jahrhunderts wurde Prostitution zum "Massenphänomen" und Rops bevorzugte Modelle waren eben jene "Damen der Halbwelt", die begehrt und gleichzeitig verachtet wurden. Rops widmet sich seinen Modellen mit Empathie und Verachtung für die Freier: "Nie stellte Rops seine Modelle auf abschätzige Weise dar. Ob herausgeputzt in den Pariser Straßen und Gassen, ob in den Armen von Matrosen in den Spelunken, ob nackt posierend auf den Canapés der einschlägigen Salons: Immer treten seine Dirnen selbstbewusst und mit Würde in Erscheinung.(...) Die Kunden der Prostituierten verspottete Félicien Rops in einer Reihe von Arbeiten mit dem Sujet der Femme fatale. Da lässt eine 'Dame mit Marionette' den Mann als Opfer der Verführung wie einen kleinen Hampelmann tanzen. Eine andere 'Dame auf dem Veloziped' lenkt ein erigiertes Fahrrad-Glied."

Weitere Artikel: SZ und FR melden, dass die Identität von Banksy nun angeblich enthüllt ist: Robin Gunningham aus Bristol soll es sein, der das Carlton Arms Hotel leitete, das Künstlern im Gegenzug für die Gestaltung eines Zimmers Unterkunft bot. Christiane Meixner schreibt im Tagesspiegel den Nachruf auf den Avantgarde-Sammler Egidio Marzona, der mit 82 Jahren verstorben ist. Besprochen wird die Ausstellung "Herkules - Held und Antiheld" in der Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 16.03.2026 - Kunst

In Giulia Andreanis Bildern im Hamburger Bahnhof entdeckt taz-Kritiker Tom Mustroph Künstlerinnen wie Georgia O'Keeffe oder Leda Rafanelli in einem neuen Licht - beziehungsweise in einer neuen Farbe, die Andreani für fast alle Bilder verwendet: "Sie benutzt dafür vorwiegend einen Farbton, das sogenannte Paynesgrau. Es ist eine Mischfarbe, einst vom britischen Landschaftsmaler William Payne für schöne Wolkentöne aus den Komponenten Ultramarin, Schwarz und Siena entwickelt. Je nach Untergrund sticht mal mehr das Blau, der Rotton oder eben das Schwarz heraus. Stets aber mutet dem Pinselstrich etwas Geisterhaftes und Mystisches an. Und so erinnert Andreanis Maltechnik denn auch an alchimistische Praktiken und Experimente mit Fixierlösungen, bei denen Schemen, Silhouetten und komplette Figuren hervorgezaubert werden."

Weitere Artikel: Das Museum Hamburger Bahnhof hat am Samstag eine Fundraising-Gala unter dem Titel "A Night in Berlin" veranstaltet, man wolle die Finanzen für künftige Ausstellungen etwas aufbessern, weiß Birgit Rieger im Tagesspiegel. Auf der Gala wurde die palästinensische Künstlerin Mona Hatoum mit dem Lifetime Achievement Award geehrt, Ingeborg Ruthe berichtet für die Berliner Zeitung von der Preisverleihung. An der Stuttgarter Merz-Akademie wird Barbara Yelin die erste deutsche Comic-Professorin, meldet Lars von Törne im Tagesspiegel.

Besprochen werden: Die Ausstellungen "Gustave Courbet. Realist und Rebell", im Leopold Museum in Wien (Monopol) und "Schöne neue Arbeitswelt" im LVR-Landesmuseum in Bonn (FAZ).