Einst schrieb der britisch-guyanische Maler
Frank Bowling an John Berger, er wolle "nur sein Volk malen: Schwarze". Zum Glück orientierte er sich aber bald an einem Verständnis von Kunst als reiner Ästhetik,
erkennt Ben Eastham (
Guardian) in der Ausstellung "Seeking the Sublime" im
Fitzwilliam Museum in Cambridge. Denn Freiheit fand Bowling erst im
abstrakten Expressionismus, auch wenn das Politische in seinen Werken blieb, wie etwa das Bild "Lenoraseas" von 1976 zeigt: "Diese Anordnung von Farbe und Form bietet mehr als nur ihre wunderbar ansprechenden optischen Effekte. Da ist zunächst die physische Oberfläche des Gemäldes, eine gebirgige
Landschaft aus Graten, Ebenen und Tälern, die durch den Farbauftrag entstanden ist. Dann ist da der Titel, der (unter anderem) auf das Dorf
Lenora in Guyana anspielt, wo der Essequibo-Fluss in den Atlantik mündet. Das heißt, es handelt sich sowohl um ein abstraktes Gemälde als auch um eine Flussdarstellung. ... Es ist ein Zeugnis persönlicher und
gesellschaftlicher Geschichte, da dieser Fluss in das Gewässer mündet, das der Künstler und seine Vorfahren unter anderen Umständen durchquerten."
Sophie Jung kann sich in der
taz nur
wundern:
Iran,
Saudi-
Arabien,
Katar und
Russland sind mit Pavillons auf der
Biennale in Venedig zum Teil in den Giardini vertreten,
Israel rückt indes ins Abseits ins Arsenale. Und nun soll auch die südafrikanische Künstlerin
Gabrielle Goliath ihr umstrittenes Performance-und Filmprojekt "Elegy" zeitgleich zur Biennale in der Chiesa di Sant'Antonin zeigen: "Goliath hätte eigentlich den
Pavillon Südafrikas bespielen sollen. Der bleibt nun aber leer, nachdem Südafrikas Kulturminister Gayton McKenzie 'Elegy' abgesagt hatte. Es sei '
höchst spaltend', tritt es doch in die ideologisch umkämpfte Deutung des Gazakriegs ein. Goliath erzählt darin unter anderem von zwei Nama-Frauen, die von deutschen Kolonialisten ermordet wurden, und sie zieht eine Parallele zu der palästinensischen Dichterin
Hiba Abu Nada, die im Oktober 2023 bei einem israelischen Luftangriff in Chan Junis umgekommen ist." Goliath war juristisch erfolglos gegen die Entscheidung McKenzies vorgegangen, nun wird sie "Elegy" abseits der Biennale zeigen.
Hintergründe
lieferte Philip Oltermann bereits am Mittwoch im
Guardian. So distanzierte sich McKenzie von der Position der vorherigen Regierung Südafrikas, die 2023
Klage gegen Israel wegen Völkermords einreichte: "McKenzie sprach sich jedoch weiterhin für den israelischen Staat aus und sagte der Zeitung
Daily Maverick: 'Dort findet kein Völkermord statt.'" Der Krieg in Gaza werde in Goliaths Werk zwar nicht direkt thematisiert, so Oltermann. Aber die Künstlerin verweist in einer kuratorischen Erklärung auf "ein Gespenst des Völkermords" und spricht von "Tausenden von Frauen, Kindern und Zivilisten, die in Gaza getötet wurden". Der südafrikanische Pavillon bleibt indes nun leer.
Weitere Artikel: Von Krise keine Spur - der
Kunstmarkt boomt, bemerkt Philipp Meier in der
NZZ auf der Art Basel in Hongkong. Schon kurz nach Eröffnung waren viele bedeutende Werke, etwa von Picasso, Tracey Emin oder Louise Bourgeois verkauft. Im
taz-
Gespräch mit Pauline Cruse kündigt
Alhena Caicedo, seit 2022 Direktorin des Kolumbianischen Instituts für Anthropologie und Geschichte, an, die
San-
Augustin-
Statuen, die durch den Ethnologen
Konrad Theodor Preuss nach Deutschland geschafft wurden und heute im Ethnologischen Museum in Berlin lagern, zurück
nach Kolumbien zu holen.
Besprochen wird außerdem eine Ausstellung im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle an der Saale, die die
Schamanin von Bad Dürrenberg zeigt: Es handelt sich um die Überreste einer Frau, die in der Mittelsteinzeit vor etwa 9000 Jahren zeigt und den Ursprüngen des Schamanismus nachgeht (
FAZ, SZ).