Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Literatur

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 20.02.2020 - Literatur

Besprochen werden unter anderem Ottessa Moshfeghs "Heimweh nach einer anderen Welt" (taz), Cihan Acars "Hawaii" (SZ), Michael Kumpfmüllers "Ach, Virginia" (Standard) und Sasha Filipenkos "Rote Kreuze" (FAZ).

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 19.02.2020 - Literatur

"Der Tod ist mir verhältnismäßig gleichgültig, ich glaube nicht an den Tod, jedenfalls nicht an einen mich betreffenden Tod. Und den Lesern ist es vermutlich gleichgültig, was ich glaube. Es hat also keinen Sinn, sich über den Tod Gedanken zu machen." So zitiert der Schriftsteller Michael Lentz in der FAZ aus Ror Wolfs "Raoul Tranchirers Notizen aus dem zerschnetzelten Leben". Jetzt ist der Schriftsteller gestorben. Als "Wirklichkeitsfabrik" bezeichnet Lentz Wolfs Collage-Verfahren einer "Bild- und Text- als Weltproduktion. Wirklichkeit wird hier mit den Mitteln der Collage in Text und Bild hergestellt. ... Seine Erzählwelten machen das Kontingente, den Zufall, das Unwahrscheinliche, aber auch das völlig Belanglose zum Fundament einer imaginären Seins- als Lese-, Seh- und Hörerfahrung."

Er war "ein Virtuose des In-den-Text-Stolperns, des Nichtanfangens, des Zögerns, des Retardierens gewesen, zugleich aber ein Genie des Beginnens, des geradezu auftrumpfenden, fanfarenhaften Anfangs", schreibt Martin Krumbholz in seinem NZZ-Nachruf auf den verstorbenen Schriftsteller, der zwar als experimentell galt, aber keineswegs unlesbar ist: Er "spielte mit vorgefundenen Materialien, setzte sie neu zusammen, collagierte und schlug dabei die hellsten Funken aus ihnen." Für Hilmar Klute von der SZ war Wolf schlicht "der Zeremonienmeister eines literarischen Katastrophen-Spektakels".

Weitere Nachrufe schreiben Gregor Dotzauer (Tagesspiegel), Hans-Jürgen Linke (FR), André Hatting (Dlf Kultur) und Björn Hayer (ZeitOnline). Außerdem hat der WDR Ror Wolfs erstes Hörspiel "Der erste Chinese am Fenster" von 1971 online gestellt. Beim Dlf Kultur finden wir Ror Wolfs O-Ton-Hörspiel "Bananen-Heinz" aus den 80ern. Der BR hält Wolfs Fußballhörspiel "Das langsame Erschlaffen der Kräfte" bereit.

Besprochen werden unter anderem Wencke Mühleisens Buch "Du lebst ja auch für deine Überzeugung" über ihre Auseinandersetzungen mit ihrem Nazi-Vater und ihre Zeit in der Otto-Muehl-Kommune (Standard), Abbas Khiders "Palast der Miserablen" (Tagesspiegel), Hanns Zischlers "Der zerrissene Brief" (FR), Michael Donkors "Halt" (NZZ), Thomas Jaedickes und Jörg Maillets Comic "RRWB" über ein Westberlin, in dem die Studentenrevolte von 1968 die Macht übernommen hat (Tagesspiegel), Pascal Merciers "Das Gewicht der Worte" (NZZ), Abraham B. Yehoshuas "Der Tunnel" (SZ) und Svetlana Lavochkinas "Puschkins Erben" (FAZ).
Stichwörter: Wolf, Ror

Efeu - Die Kulturrundschau vom 18.02.2020 - Literatur

Das Literarische Quartett ist ohnehin nur noch ein "Geisterschiff" seiner selbst, kommentiert Johannes Franzen auf 54books.de, was soll man den alten Kahn da noch unter alleiniger Führung Thea Dorns weitersegeln lassen? Schon die "Exhumierung" vor wenigen Jahren rund um Volker Weidermann war für ihn kein Vergnügen, sondern stellte lediglich ein unangenehmes Hauen und Stechen dar, geboren aus einer nostalgischen Erinnerung an eine frühere Sendung, die ihrerseits schon als nostalgische Veranstaltung den "Ausdruck der Unsicherheit über den Status von Literatur in Zeiten der Medienkonkurrenz" darstellte: "Ein 'Literaturpapst' wie Reich-Ranicki trat ja bereits als Karikatur eines Gatekeepers auf." Heute "stellt sich die Frage, ob das Produktionsbudget für eine solche Sendung nicht anderweitig besser investiert wäre, für ein neues Programm, jünger, diverser, innovativer."

Außerdem: Der SWR meldet, dass der Schriftsteller Ror Wolf gestorben ist. Besprochen werden unter anderem Frank Witzels "Uneigentliche Verzweiflung. Metaphysisches Tagebuch I" (Zeit), Katya Apekinas Debütroman "Je tiefer das Wasser" (FR), Hanns Zischlers "Der zerrissene Brief" (NZZ), Koleka Putumas "Kollektive Amnesie" (NZZ), Hinrich von Haarens "Blaues Reich. Winterstadt" (taz), Hans Magnus Enzensbergers Gedichtband "Wirrwarr" (SZ) und Peter Handkes "Das zweite Schwert" (FAZ, mehr dazu hier).

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 17.02.2020 - Literatur

Für die NZZ porträtiert Jörg Scheller den Schriftsteller Selim Özdogan, der sich "für Freiheit im nichttrivialen Sinne" engagiert und gerade seinen Kriminalroman "Der die Träume hört" veröffentlicht hat: "Identitätspolitik sieht er skeptisch, das Migrationsliteratur-Label lehnt der türkischstämmige Kölner für sich ab."

Besprochen werden unter anderem Peter Handkes "Das zweite Schwert" (Tagesspiegel), Nicole Flatterys Erzählband "Zeig ihnen, wie man Spaß hat" (Tagesspiegel), Heinz Strunks "Nach Notat zu Bett. Heinz Strunks Intimschatulle" (Standard), Ulrike Winkler-Hermadens "Lily und Jack" (Standard), Tanya Tagaqs "Eisfuchs" (FR), Dominik Bartas "Vom Land" (ZeitOnline), Colm Tóibíns "Haus der Namen" (SZ) und neue Hörbücher, darunter eine Hörspielbearbeitung von Robert Seethalers Roman "Ein ganzes Leben" mit Peter Matić (FAZ).

In der online nachgereichten Frankfurter Anthologie schreibt Hans Christoph Buch über Rudolf Hagelstanges "Venezianisches Credo":

"Denn was geschieht, ist maßlos. Und Entsetzen
wölkt wie Gewitter über jedem Nacken.
..."
Stichwörter: Özdogan, Selim

Efeu - Die Kulturrundschau vom 15.02.2020 - Literatur

Nach dem Rückzug von Volker Weidermann wird Thea Dorn das "Literarische Quartett" im ZDF künftig alleine, mit drei je Sendung wechselnden Gästen, bestreiten. Den Weg, den Weidermann bereits eingeschlagen hatte - weg vom Großkritikertum des alten Sendeformats rund um Marcel Reich-Ranicki -, werde man konsequent weiterführen, verrät die Autorin im SZ-Interview: Zwar wolle man auch Kritiker nicht grundsätzlich vor der Studiotüre stehen lassen, "aber das neue Orientierungsbild ist für uns nicht die Kritikerrunde, sondern eher, etwas bescheiden ausgedrückt, der Lesekreis oder, etwas mondäner ausgedrückt, der Salon. ... Reich-Ranicki oder Karasek waren patriarchale Autoritäten, die im alten patriarchalen System funktionierten. Das geht heute im Guten wie im Schlechten nicht mehr. Diese Autoritäten werden infrage gestellt. Es gibt sehr kluge Kundenrezensionen bei den Online-Buchhändlern. Jemand, der so etwas schreibt, lässt sich nicht mehr vom Literaturpapst sagen: Ich Papst, du keine Ahnung!" Dieser Strukturwandel der literarischen Öffentlichkeit habe auch mit dem schwindenden Platz für Literaturkritik in den Feuilletons zu tun, meint Dorn. Claudius Seidl widerspricht dem auf Twitter ganz energisch:



Außerdem: Sylvia Staude spricht in der FR mit Else Laudan vom Ariadne-Verlag, der ausschließlich Krimi-Autorinnen verlegt. Für die SZ ist Alex Rühle auf den Spuren des Hölderlin-Jahrs durchs Land hinterher gereist. Außerdem bringt die Literarische Welt einen Auszug aus Peter-André Alts Buch über erste Sätze der Weltliteratur.

Besprochen werden unter anderem Peter Handkes "Das zweite Schwert" (Dlf Kultur, SZ, Standard), Regina Porters "Die Reisenden" (Intellectures), Aris Fioretos' "Nelly B.s Herz" (FR), Bov Bjergs "Serpentinen" (taz), Robert E. Lerners Biografie über Ernst Kantorowicz (Literarische Welt) und Tine Høegs "Neue Reisende" (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 14.02.2020 - Literatur

Im Dlf Kultur spricht Hanns Zischler über seinen Debütroman "Der zerrissene Brief". Besprochen werden unter anderem die Wiederveröffentlichung von Erich Kubys "Rosemarie. Des deutschen Wunders liebstes Kind" aus dem Jahr 1958 (SZ), Jan Costin Wagners Krimi "Sommer bei Nacht" über einen Ermittler, der im pädophilen Milieu ermittelt, aber selber pädophile Neigungen aufweist (FR), Christoph Emanuel Dejungs "Emil Oprecht. Verleger der Exilautoren" (NZZ) und weitere neue neue Sachbücher, darunter die Briefe des Historikers Fritz Hartung (FAZ).

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 13.02.2020 - Literatur

Gerrit Bartels zeigt im Tagesspiegel kein Verständnis für (von einigen Verlagen ohnehin nicht erfüllte) Forderungen, Romane mit historischem Bezug auch zu entsprechend runden Stichtagen wie 30 Jahre Mauerfall zu veröffentlichen: "Die Fixiertheit auf Jubiläen, auf Jahrestage ist bisweilen von Übel", denn der Nutzen ist überschaubar. Doch im schlechtesten Fall "befördern Jubiläen das Vergessen, dann nämlich, wenn sie wieder vorbei sind. Nur sind Wenderomane nicht deshalb schlechter oder gar überflüssig, weil sie 24, 28 oder 32 Jahre nach der Wende veröffentlicht werden. Erinnerung kennt keine festen Termine."

Weiteres: Für die taz war Jan Jekal in der Berliner Kulturbrauerei, wo Bov Bjerg seinen neuen Roman "Serpentinen" vorstellte. Magda Birkmann liest für 54books.de in den Tagebüchern von Marie Bashkirtseff. Für die SZ wirft Carolin Gasteiger anlässlich von Greta Gerwigs aktueller Kinoverfilmung von Louisa May Alcotts "Little Women" (mehr dazu hier und dort) nochmal einen Blick in die literarische Vorlage.

Besprochen werden unter anderem Mircea Cărtărescus "Solenoid" (Tell-Review), Aris Fioretos' "Nelly B.s Herz" (Dlfkultur), David Albaharis "Heute ist Mittwoch" (SZ) und Alban Nikolai Herbsts Erzählband "Wölfinnen" (FAZ).
Stichwörter: Historische Romane

Efeu - Die Kulturrundschau vom 12.02.2020 - Literatur

Für die FAZ hat Sandra Kegel Ingeborg Bachmanns Bruder Heinz Bachmann und die Bachmann-Biografin Andrea Stoll zum großen Gespräch über die Schriftstellerin und deren Relevanz heute an einen Tisch gesetzt. Für Stoll war Bachmann eine Anitpodin zum Realismus, für den in der deutschsprachigen Nachkriegsliteratur Frisch, Böll, Grass und Andersch standen: "So hat Bachmann nie gedacht. Für sie war die Realität bloß Ausgangsmaterial, das sie motivisch verdichtete und konzentrierte, um zu einer präziseren Wirklichkeit zu gelangen. Das Reale hat sie kompositorisch bearbeitet, in den großen Romanmanuskripten ebenso wie in ihrer Lyrik. ... Bachmann war geprägt durch die Stimmenvielfalt Kärntens. Die vielen Sprachen und Mentalitäten dort lehrten sie früh, dass es immer mehr gibt als nur eine Perspektive, um Wirklichkeit zu erfassen. Das hat sie immun gemacht gegen Faschismus und nationalen Kleingeist."

Weitere Artikel: Die Nominierten für den Preis der Leipziger Buchmesse wurden bekannt gegeben - und Mladen Gladic erwartet im Freitag das übliche Kommentatorenspiel: "Na, denn mal losdiskutiert, kritisiert, ergänzt, verworfen!" Der Schriftsteller Alain Claude Sulzer blickt in der NZZ wehmütig zurück auf die Zeit, als die gesichtslosen Stimme der Telefonauskunft noch die Herausgabe von Wissen verwalteten - eine "ehrwürdige Einrichtung" von "Gottähnlichkeit". Im Tagesspiegel stellt Peter von Becker einige Neuveröffentlichungen zum Hölderlin-Jahr vor. In der SZ gratuliert Daniela Strigl dem Schriftsteller, bildenden Künstler und Musiker Gerhard Rühm zum 90. Geburtstag. Christian Schlüter (FR), Lars von Törne (Tagesspiegel) und Christoph Haas (SZ) schreiben Nachrufe auf die Comiczeichnerin Claire Bretécher.

Besprochen werden Monika Helfers "Die Bagage" (NZZ), Josef Haslingers "Mein Fall" (Freitag, Tagesspiegel), Christian Barons "Ein Mann seiner Klasse" (NZZ), Eva Weissweilers Buch über die Ehe von Dora und Walter Benjamin (Dlf Kultur), Lars Gustafssons Nachlassroman "Dr. Weiss' letzter Auftrag" (Dlf Kultur), Elisabeth Klars "Himmelwärts" (FR) und Thomas Mullens Krimi "Weißes Feuer" (Intellectures).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 11.02.2020 - Literatur

Besprochen werden Valeria Luisellis "Archiv der verlorenen Kinder" (Standard), Ottessa Moshfeghs "Heimweh nach einer anderen Welt" (Dlf Kultur), Andrei Platonows "Die glückliche Moskwa" (NZZ), George Orwells erstmals auf Deutsch vorliegender Essay "Über Nationalismus" (Freitag), Shigeru Mizukis wiederveröffentlichter Manga-Klassiker "Tante NonNon" (Tagesspiegel), Didier Eribons "Betrachtungen zur Schwulenfrage" (SZ) und Julia Cimafiejevas Gedichtband "Zirkus" (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 10.02.2020 - Literatur

Der Standard bringt eine große Reisereportage des Schriftstellers Robert Prosser aus dem Libanon. Er berichtet von seiner Begegnung mit Rami, seinem Fahrer, der in Boston Musik studiert hatte, in Texas als Übersetzer tätig war und Prosser von Mahler vorschwärmt. "Als wir zu unserer Unterkunft fuhren, waren auf den Straßen einzig Soldaten zu sehen. Sie patrouillierten an Kreuzungen oder bewachten Kasernen, lehnten an Geschützfahrzeugen. Viel Armee, bemerkte ich. Rami winkte ab. Das Militär ist nicht wichtig, sagt er, sondern die Hisbollah. Sie sei der wahre Staat. Mächtig, da vom Iran unterstützt. Viele wünschten sich einen Krieg zwischen den USA und dem Iran, da das ein Ende der Hisbollah bedeute. ... Seit der Teilnahme am Syrienkrieg schwindet der Nimbus als Guerillabewegung, der der Hisbollah in der arabischen Welt anhaftet. Vorher stimmte die ideologische Positionierung als Gegenpol zu Israel, die Allianz mit Assad jedoch bedingt ein Dilemma: Wie kann man rechtfertigen, in Syrien gegen andere Muslime zu kämpfen?"

Außerdem: Im Guardian hält es Kenan Malik in der Debatte um die amerikanische Autorin Jeanine Cummins, die sich herausnahm, über mexikanische Migranten zu schreiben, mit Zadie Smith: Die Vorstellung, man dürfe nur noch über Menschen schreiben, die einem in Hautfarbe, Geschlecht, Herkunft und politischer Überzeugung gleich sind, beleidigt jede Intelligenz: "Let us not create gated cultures in which only those of the right identity have permission to use their imaginations." Für das ZeitMagazin hat Khuê Phạm ein großes Gespräch mit der zwischen Nigeria und den USA pendelnden Schriftstellerin Chimamanda Ngozi Adichie geführt. Robert Stockhammer (Freitag) und Andreas Isenschmid (Zeit) gratulieren J.M. Coetzee zum 80. Geburtstag, den der Schriftsteller gestern feiern konnte.

Besprochen werden Marion Messinas "Fehlstart" (taz, Tagesspiegel), Sigrid Nunez' "Der Freund" (Zeit), Thomas Brussigs "Die Verwandelten" (Tagesspiegel), David Nicholls' "Sweet Sorrow" (Dlf Kultur), Alex Falkners "Silberflut" (Tagesspiegel), Michael Borchards Buch über David Ben-Gurion und Konrad Adenauer (Dlf Kultur) und Monika Helfers "Die Bagage" (SZ).

In der online nachgereichten Frankfurter Anthologie schreibt Mathias Mayer über Albrecht Haushofers "Fidelio":

"Ein Kerker. Einer, der das Böse will.
Ein Todgeweihter. Kämpfend, eine Frau.
..."