Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Literatur

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 27.08.2026 - Literatur

Péter Nádas, 2017 auf der Frankfurter Buchmesse (Bild: Heike Huslage-Koch, CC BY-SA 4.0)

Die Literaturkritik trauert um den ungarischen Schriftsteller Péter Nádas. Er galt als ewiger Literaturnobelpreiskandidat, schreibt Tilman Krause in der Welt. Anders als seine beiden Landsmänner Imre Kertész und László Krasznahorkai, mit denen er sich als Jude, Überlebender zweier Dikaturen und Repressionen durch Zensur einen ähnlichen biografischen Erfahrungsraum teilt, hat er die begehrte Auszeichnung aber nie erhalten. "Wie sie hat er sich in Romanen, Erzählungen und Essays die Schrecken des 20. Jahrhunderts von der Seele geschrieben." Doch zeigt sich zu den beiden literarisch "ein gravierender Unterschied. Das ist das Schwelgerisch-spätbürgerliche an Nádas' Prosa, der tief faszinierte Rückgriff auf die 'Welt von gestern', will sagen die Zeit vor den großen politischen Erschütterungen des 20. Jahrhunderts. ... Seine beiden Hauptwerke, das 'Buch der Erinnerung' von 1985 und die 'Parallelgeschichten' [hier unser Vorgeblättert] von 2005 bieten sich als seelenverwandte Übergipfelungen von Marcel Proust und Thomas Mann dar." Nádas "beschreibt das Auseinanderfallen des bürgerlichen Ichs in eine physisch-triebhafte Existenz und in das durch moralische Vorstellungen und kulturelle Erziehung geprägte zivilisierte Sein".

Seine großen Romane "sind Meilensteine europäischer Literatur und so albtraumhaft und grausam schön wie das Leben des 1942 in Budapest geborenen Sohnes jüdischer Kommunisten Péter Nádas", schreibt Iris Radisch in der Zeit. "Sein literarischer Weg durch das Chaos seiner Zeit war atemberaubend, seine Sprache von makelloser Gewandtheit. Man könnte ihn einen modernen Klassiker nennen, denn seine Prosa war in klassischer Weise schön, wenn sie nicht zugleich so durchtrieben gewesen wäre, so sublim und hypnotisierend in ihrer Fähigkeit, die makellosen Erzähloberflächen zu durchbrechen und den Blick in die Abgründe zu ziehen."

Nádas war "der große Erzähler der europäischen Literatur, gehörte zur Welt des Kosmopolitismus in der ungarischen Kultur die in Opposition stand zum Nationalismus von Viktor Orbáns", schreibt Lothar Müller in der SZ. "Aber es gehörte zur Großherzigkeit seines Werks, dass es wie Budapest und Berlin das Dorf in sich aufnahm und den Wildbirnenbaum, die Hügel und Höhenzüge der Landschaft, die ihn umgab." Was sich in den Archiven findet, verlebendigte er "mit den Mitteln der Literatur". Nádas' "Empfindlichkeit gegenüber der Welt (...) war der Zauberstab, mit dem er diese Verlebendigung bewirkte". Weitere Nachrufe schreiben Ronald Pohl (Standard), Andreas Platthaus (FAZ), Gerrit Bartels (Tsp) und Wilhelm Droste (NZZ), der auch im Gespräch mit Dlf Kultur an Nádas erinnert.

Besprochen werden unter anderem neue Polizeiromane von Val McDermid und Michael Connelly (FR), Valeria Gordeevs "Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden Hülle" (Zeit) und Caroline Wahls "1999 Meter über dem Meer" (FAZ). Mehr dazu in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 26.08.2026 - Literatur

Michael Hesse spricht in der FR mit der Übersetzerin Anita Raja, die für ihre zahlreichen Übertragungen deutscher Klassiker ins Italienische nun mit der Goethe-Medaille ausgezeichet wurde. Die Buchhändlerin Luciana Ferrando gibt in der taz Einblick mit was für Kundentypen sie es in ihrem Berufsalltag so zu tun hat.

Besprochen werden unter anderem Christian Buckards "Café Babylon. Berlin, Romanisches Café, 1913-1933" (Welt, unsere Leseprobe), Ingo Schulzes "Das Wasser im August" (FR), Gustav Seibts "Ein Sommer mit Goethe" (Standard), Radka Denemarkovás "Schokoladenblut" (FR), Ulrich Schneiders Memoir "Mutti, komma ans Fenster" (FR) und Monchis "Jenseits der Brandmauer - Über mein Leben in der ostdeutschen Provinz" (Welt), Neige Sinnos "La Realidad - Ort der Frauen" (NZZ), Michael Köhlmeiers "Mein privates Glück" (SZ) und Åsne Seierstads "Der Krieg ist anderswo. Russland von innen" (FAZ). Mehr dazu in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 25.08.2026 - Literatur

Im Tagesspiegel sprechen Gerrit Bartels und Moritz Honert mit Sophie Rois unter anderem über Ingeborg Bachmann, aus deren Erzählung "Probleme, Probleme" die Schauspielerin am kommenden Samstag beim Kalit-Festival lesen wird. "Die Geschichte kommt so leicht und flauschig daher. Es geht um Beatrix, eine junge Frau im Wien der Sechzigerjahre. Sie hat kein Interesse an Selbstverwirklichung und keines an Sex. ... In einer anspruchsvollen deutschen Fernsehproduktion wäre das natürlich die Geschichte einer depressiven jungen Frau. Der widmet man sich dann mit empathischer Herablassung, und empfiehlt erst mal eine Therapie. Während Ingeborg Bachmann mit ihrer unendlichen künstlerischen Intelligenz, Begabung und Hellsichtigkeit das Porträt dieser Frau erzählt als radikale Verweigerung gegenüber der unerträglichen Realität. Als eine legitime philosophische Haltung."

Janka Zündorf begibt sich für die FAZ in Selbstaussagen und überlieferten Artefakten auf Spurensuche nach Thomas Manns Verhältnis zur Populärkultur, das sich in einer zerstreuten Neigung zu "Hundezeitschriften, Trickfilme, Krimis, dann und wann Boulevardstoffe" zeigte. All dies "kam seinem Blick für das Komische entgegen, amüsierte und unterhielt ihn. Gewiss besaß sie auch kompensatorische Dimension, zumal in der Exilzeit. ... Humorvolle Anteilnahme war es, die ihn in die Kinos trieb, hinter Fotowände und manchmal gar vor die Illustrierte. Die ihn freundlich auf seinen Enkel Frido blicken ließ, als dieser im Cowboy-Kostüm Spaziergänge mit ihm machte, 'unersättlich' über die Superman-Show redete und 'Sehnsucht nach dem Trikot-Kostüm' verlautbaren ließ."

Weiteres: Im Tagesspiegel schreibt Lars von Törne zum 80. Geburtstag des Comicautors Jacques Tardi. Besprochen werden unter anderem Kobai Halstenbergs "Wie Treibholz auf Asphalt" (taz), Sayan Kouhzads "Wenn ich nicht im Iran geboren worden wäre" (taz), Asma Mhallas Sachbuch "Cyberpunk. Das neue totalitäre System" (Standard), Samuel Becketts "German Diaries" (FAZ), Yael Inokais "Die Auster" (NZZ) und Özge İnans "Die Dichterin" (SZ). Mehr dazu in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 24.08.2026 - Literatur

Die Welt hat Richard Kämmerlings' Porträt der Schriftstellerin Samanta Schweblin online nachgereicht (unser Resümee). Besprochen werden unter anderem Antonio Scuratis "M. Das Ende und der Anfang" (Standard), Emma Clines "In die Schweiz" (online nachgereicht von der Zeit), Leh Wei Liaos "Glaszeit" (FR), Samuel Becketts "German Diaries" (FR), Franziska Gänslers "Orca" (Standard), Jean-Luc Fromentals und Yslaires Comicadaption "Der Schnee war schmutzig" nach Georges Simenon (taz), Claudia Durastantis "Missitalia" (Standard), neue Bücher über Italien (Standard), Isabel Allendes Memoiren "Unsere Geschichten" (SZ) und neue Kinderbücher, darunter Johanna Schaibles "Guten Morgen - gute Nacht" (FAZ). Mehr dazu in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 22.08.2026 - Literatur

Ingeborg Bachmanns "Drei Wege zum See", im 1972 veröffentlichten Erzählband "Simultan" erschienen, liest Sigrid Weigel in der FAZ als Bachmanns Selbstanalyse ihrer Beziehungen zu Max Frisch und Paul Celan. In der Geschichte blickt die erfolgreiche Fotografin Elisabeth auf zwei ihrer Beziehungen zurück. "Die Chiffre des trunkenen Schiffes in 'Drei Wege zum See' verweist deutlich auf Paul Celan, sodass die Erzählung Elisabeths Erinnerung an ihre 'einzige große Liebe' und ihre Trauer über den Tod Trottas mit Bachmanns Trauer um den Tod des früheren Geliebten engführt." Die an Max Frisch angelehnte Figur Manes lernt Elisabeth "ziemlich genau jenem Abend des 3. Juli 1958 in Paris" kennen, "an dem Ingeborg Bachmann Max Frisch kennengelernt hat - genau einen Tag nachdem das letzte Treffen mit Paul Celan stattgefunden hatte. Es war ein Abend, an dem sie aus dem Verlust des erst kürzlich wiedergewonnenen Geliebten einem anderen Mann buchstäblich in die Arme gelaufen war. Nur dass das damalige vernunftgeleitete Ende der Liebesbeziehung in der Erzählung als endgültiger Verlust des Geliebten erscheint, als ein dem Tod geschuldeter, unumkehrbarer Verlust, verfasst im Jahr nach Celans Freitod."

Im NZZ-Interview mit Birgit Schmid spricht die Jugendbuchautorin Jana Frey über ihre Leserschaft, die sich derzeit mit einer Vielzahl an Problemen gegenüber sieht. Jugendliche würden in frühen Jahren schon Dick-Pics bekommen, Pornos schauen oder wenden sich mit ihren Problemen Sprachmodellen dazu. Darüber hinaus lesen sie dann auch nicht mehr: "Ich frage die Jugendlichen immer, was für Bücher sie lesen, und nach ihren Lieblingsautoren. Einmal sagte mir ein Mädchen, sie hasse Bücher. Und als ich nachhakte, ob sie wenigstens Comics oder Mangas lese, antwortete sie: 'Ich lese mehr so Straßenschilder oder das, was über Geschäften steht.' Sie war im Gymnasium, neunte Klasse. Ich war sprachlos."

Weiteres: In der NZZ reist der Schriftsteller Alex Capus tausendzweihundert Kilometer durch die Schweiz. Für die FAZ porträtiert Axel Weidemann die Schriftstellerin Anja Kampmann, die mit ihrem Buch "Die Wut ist ein heller Stern" auf sich aufmerksam machte. Luciana Ferrando ist Buchhändlerin und schreibt in der taz über die verschiedenen Arten von Buchkäufern: die Ernsten, die Stammkunden und die "Insta-Tiktok-Crew". In der FAS spricht Annabelle Hirsch mit der Dichterin Laura Vazquez. Thomas Comerink schreibt in der FAZ über den niederländischen Schriftsteller A. F. Th. van der Heijden, der aktuell ohne deutschen Verlag dasteht. 

Besprochen werden unter anderem "Der Krieg ist anderswo" von Asne Seierstad (Welt), Ruth-Maria Thomas' "Die zweitgrößte Liebe" (SZ), "Kanzlerkino" von Mirko Bonné (taz), Isabel Allendes autobiographischen Band "Unsere Geschichten" (FAS), "Der Unsichtbare" von Michael Steinberger (NZZ) und Catherine Guérards "Renata wasweißich" (taz). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.

In der Frankfurter Anthologie schreibt Zeno Bampi über August von Platens "Gedichte. Ausgabe von 1834.":

"Als einst Athen Antigonus belagerte,

Da saß der alte, neunundneunzigjährige

Poet Philemon, mächtiger Dichter Überrest,

In dürftiger Wohnung saß er da gedankenvoll"

Efeu - Die Kulturrundschau vom 21.08.2026 - Literatur

Besprochen werden unter anderem Tony Tulathimuttes "Fiasko" (Standard), Emma Clines "In die Schweiz" (Standard), Banu Mushtaqs Kurzgeschichtenband "Meistens bleibt ja die Frau zu Hause" (FR), Elspeth Barkers "O Caledonia" (FR), Mirko Bonnés "Kanzlerkino" (FAZ) und Lukas Bärfuss' "Königin der Nacht" (SZ). Mehr dazu in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 20.08.2026 - Literatur

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Perlentaucherin Marie Luise Knott ist in ihrer aktuellen Lyrik-Kolumne sehr begeistert von der Mundart-Poesie der Österreicherin Natascha Gangl: Was für "ein Mehr von Wörtern im Wörtermeer" ist hier zu erkunden! "Wie in jeder guten Lyrik - ob traditionell, ob experimentell - geht einem  beim genauen Hinhören dieses Gedichtes viel auf. Hier zuallererst die enormen Variationsmöglichkeiten der Vokale im Dialekt. Der Dialekt, der nicht nur bei Pasolini die lokale Einwurzelung des Einzelnen in Zeiten der Globalisierung verteidigt, widersetzt sich dem Reglement der Einheitssprache, den Gesetzen der Grammatik ebenso wie der 'korrekten' Lesart eines Wortes. ... Plötzlich spürt man den Anpassungszwang  der 'Hoch'sprachen: 'Es ist eine Schatzkiste, die wir da in Österreich haben, mit all diesen Grenzen und Verschiebungen, Dialekten, Wortschöpfungen und Sprachvermischungen', sagt die Autorin."

Weitere Artikel: Mara Delius, Philipp Tingler und Brigitte Schwens-Harrant haben ohne Angabe von konkreten Gründen auffällig zeitnah zueinander ihre Posten als Juroren des Bachmann-Wettbewerbs in Klagenfurt niedergelegt, meldet Michael Wurmitzer im Standard. In der Zeit porträtiert Adam Soboczynski die Bestseller-Autorin Caroline Wahl, deren neuer Roman "1999 Meter über dem Meer" Ende des Monats erscheint.

Besprochen werden unter anderem Yael Inokais "Die Auster" (FR), Max Czolleks "Zweifelssohn" (Standard), Nadia Runggers Gedichtband "cësa da lat dijes tu / milchhaus sagst du" (FR), Maike Möller-Engemanns "Der gefährlichste Ort" (FR), Emma Clines "In die Schweiz" (Zeit), Samuel Becketts "German Diaries" (SZ) und neue Sachbücher, darunter Christine Webbs "Der arrogante Affe" (FAZ) und Ilko-Sascha Kowalczuks "Faschismus ist keine Meinung" (NZZ). Mehr dazu in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 19.08.2026 - Literatur

In europäischen Bibliotheken - darunter auch die Staatsbibliothek in Berlin - werden mit aufwändigen Täuschungsmanövern Erstausgaben russischer Klassiker gestohlen, berichtet Nikolas Ender in der FAZ: Die Diebe geben sich als Wissenschaftler aus, erstellen Faksimilies und tauschen diese dann aus - offenbar steckt ein größerer Täterkreis hinter den Beutezügen. Aber wozu? "Für mich sieht es nicht so aus, als wäre es ein staatlicher Auftrag gewesen, spezifische Werke für eine russische Bibliothek zusammenzutragen", zitiert Ender den in Münster lehrenden Slawisten Valentin Peschanskyi. Der Historiker Hieronim Grala von der Universität Warschau jedoch "verweist auf das russische Auktionshaus Litfond, wo Bücher mit Bibliotheksstempel der Warschauer Universität verkauft worden sein sollen, darunter ein Werk, das für 30.500 Euro veräußert wurde. Auch Europol bestätigte nach der Ergreifung von Tätern im Jahr 2024, dass einige der Bücher in russischen Auktionshäusern in St. Petersburg und Moskau versteigert wurden. Kriminalkommissar Allonge schließt eine Verwicklung Russlands bei solchen Fällen nicht grundsätzlich aus."

Außerdem: In der FAZ trauert Andreas Rossmann um die einst in Palermo angesiedelte Buchhandlung Flaccovio. Besprochen werden unter anderem Norbert Scheuers "Holunderholz" (FAZ), Emma Clines "In die Schweiz" (NZZ), eine Prachtausgabe der gesammelten "Star Wars"-Comics aus den späten Siebziger (Welt) und Clemens J. Setz' Erzählband "Mein Leben als Noiseband" (SZ). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
Stichwörter: Bücherdiebstahl

Efeu - Die Kulturrundschau vom 18.08.2026 - Literatur

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Valeria Luiselli beschäftigt sich seit geraumer Zeit mit Grenzen, verrät die in Mexiko geborene, heute aber in New York lebende Schriftstellerin im taz-Gespräch mit Eva-Christina Meier. Dieses Interesse grundiert auch ihren neuen, in Sizilien spielenden Roman "Anfang Mitte Ende", denn in der Geschichte der Insel mischten sich Einflüsse aus dem ganzen Mittelmeerraum: "Sizilien wurde zu einer Art Palimpsest der Kulturen des Westens und des Nahen Ostens." Zudem "verläuft unter dem Meer auch eine geologische Grenze. Hier stoßen die tektonischen Platten Afrikas und Europas aufeinander. Abgesehen von der Symbolik hat das ganz reale Konsequenzen. Denn es handelt sich um ein Gebiet mit extrem hoher vulkanischer Aktivität. So spürt man auf Sizilien den Ursprung des Planeten unmittelbar. Inmitten der brodelnden Lava scheint das Ende der Welt gleichzeitig zum Greifen nah."

Besprochen werden unter anderem Michael Köhlmeiers "Mein privates Glück" (FR, Standard), András Viskys "Die Aussiedlung" (Intellectures), Catherine Adufe Folawiyos Bilderbuch "Der Haarkunstshop - Einmal glatte Haare, bitte!" (taz), Annie Ernauxs und Marc Maries "Auf den Bildern" (NZZ) und neue Sachbücher, darunter Ilko-Sascha Kowalczuks "Faschismus ist keine Meinung" (SZ) und Andreas Mayers "Freud gegen den Strich. Eine andere Geschichte der Psychoanalyse" (FAZ).
Stichwörter: Sizilien, Luiselli, Valeria

Efeu - Die Kulturrundschau vom 17.08.2026 - Literatur

In der Jüdischen Allgemeinen kann Daniel Neumann es nicht fassen: Ausgerechnet die Literaturkritikerin Maha El Hissy wurde in die Jury des Deutschen Buchpreises berufen. Für Neumann ist sie schlicht eine Antisemitin, er empfiehlt einen Blick in ihre Essayreihe "Literature of Unsettlement" in der Berlin Review, in der sie Israel konsequent als koloniales, genozidales, apartheidartiges Unrechtsprojekt darstelle. So etwas hat Konsequenzen, erinnert Neumann: "Wer Israel nicht mehr als einen Staat betrachtet, der falsche oder sogar verwerfliche Entscheidungen treffen kann, sondern als Verbrechen an sich, verschiebt zwangsläufig auch die Frage nach seiner Existenzberechtigung. ... Was würde wohl passieren, wenn man einen intellektuell versierten Rechtsextremen in die Jury berufen hätte? Götz Kubitschek etwa. Der kollektive Aufschrei von Literatur- und Kulturbetrieb wäre ohrenbetäubend. Zu Recht! Warum aber bleibt es bei den bösartigen und geschichtsrevisionistischen Äußerungen von Maha El Hissy still? Warum müssen es wieder die Juden selbst sein, die das selbstverständliche aufschreiben und öffentlich machen?"

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Im Interview mit Zeit online spricht Steffen Kopetzky über seinen 2019 erschienenen Roman "Propaganda", der im derzeit brennenden Hürtgenwald spielt. "Ich habe sofort daran gedacht, dass der Wald in den Jahren 1947 bis 1949, also kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, schon einmal brannte. Das waren zwei sehr trockene Ausnahmejahre, die mit der Trockenheit heute vergleichbar wären, und es lag wegen des Krieges viel Bruchholz herum, das sich entzündet hatte. Durch das Feuer detonierten wiederum die herumliegenden Bomben und Minen. Es gibt apokalyptische Beschreibungen davon, wie man in der Nacht die Sprengsätze hochgehen hörte, wieder genau wie im Krieg. Die Situation heute ist also gewissermaßen die Wiederkehr dieses Brandes, der eine Wiederkehr des Krieges war. … hier kommen Weltkrieg und Klimawandel zusammen. Zwei Kriege im Grunde genommen, der eine ein Krieg, den die Menschheit gegen sich selbst führt durch ihre Art zu wirtschaften und die Natur auszubeuten. Das macht es umso bedrückender."

Weitere Artikel: Der Deutsche Buchpreis trägt dazu bei, dass die Bestsellerlisten "immer lokaler, um nicht zu sagen: nationaler" werden, klagt Peter Teuwsen in der NZZ. Linus Schöpfer streift für die NZZ mit dem Schriftsteller Urs Augstburger durch die völlig ausgetrocknete Schweiz

Besprochen werden u.a. Heinz Strunks "Memories of Heidelberg" (FR), zwei wiederaufgelegte Krimis von Mary Roberts Rinehart und Dorothy Bowers (FR), Hans-Jürgen Papiers "Unantastbar" (SZ), Christian Steckers Plädoyer "Ohne Koalitionskorsett und Brandmauern" (SZ), Monchis "Jenseits der Brandmauer" (FAZ), (zum Buch gibts im Tsp auch ein Interview mit dem Autor) und Daniel Damlers Roman "Masaya" als Hörbuch (FAZ).