Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Literatur

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 16.08.2022 - Literatur

Marie Schmidt ruft in der SZ in der Erinnerung, was für ein Beben es damals war, als Khomeini 1989 zum Mord an Salman Rushdie und allen, die die "Satanischen Verse" zugänglich machen, aufrief.  Für den Westen war dies "die erste prägende Erfahrung mit einem fanatisierten Islam, der Kunst und Kultur zum Ziel seiner Angriffe machte. Verlagshäuser, in denen Rushdies Bücher erschienen, und ihre Mitarbeiter auf der ganzen Welt wurden unter Polizeischutz gestellt, es gab Anschläge auf Buchhandlungen. Verleger fürchteten um die Sicherheit ihrer Mitarbeiter", weshalb in Deutschland etwa Reinhold Neven Dumont von einer Veröffentlichung absah. "Worauf ihn unter anderem Hans Magnus Enzensberger der Feigheit zieh. Schließlich gründeten an die 100 deutsche Verlage die GmbH 'Artikel 19' um zusammen die von anonym bleibenden Übersetzern hergestellte deutsche Version herauszubringen." Nach dem Mauerfall gefiel man sich darin "die westlichen Demokratien und ihre betont liberalen Kulturen als Sieger am Ende der Geschichte zu sehen. Dazu passte es allerdings nicht, dass genau diese Liberalität in ihrer edelsten Form, einer respektlos freien Kunst, den Hass und Zerstörungswut des politischen Islam auf sich zog."

Das deutsche PEN-Zentrum hat Rushdie nach dem Anschlag zum Ehrenmitglied ernannt. Er ist damit der 107. Autor, der diese Zuwendung erfährt. Dabei wäre ja wohl schon 1989 "eine Ehrenmitgliedschaft angebracht gewesen", kommentiert ein sichtlich irritierter Andreas Platthaus in der FAZ. "Aber der PEN beschreibt diese Zeit des verzweifelten Untertauchens in seiner Presseerklärung zur Ernennung von Rushdie als 'ein Leben im Luxus-Käfig', und damit hatte sich Rushdie offenbar für eine Ehrung disqualifiziert. Was hat sich aber nun geändert? Musste Rushdie erst tätlich angegriffen und fast umgebracht werden, damit das PEN-Zentrum Deutschland endlich 'in große Sorge' (noch ein Zitat aus der Presseerklärung) um ihn geraten konnte?"

Thomas Hummitzsch spricht für die taz mit der Schriftstellerin Miku Sophie Kühmel, die sich in ihrem zweiten Roman "Triskele" mit dem Suizid einer Frau auseinandersetzt - eine Leerstelle der Literatur: "Wenn man dann noch die abzieht, zu denen es vermeintlich wegen eines Mannes gekommen ist, wird es sehr schnell sehr dünn. ... Wenn ich ehrlich bin, gibt es nichts, was ich mache, das nicht mindestens feministisch motiviert ist. Das steht für mich außer Frage. Hier noch einmal besonders, wenn es um den weiblich gelesenen Körper geht. Denn wenn ich über diesen schreibe, dann jenseits von reiner Ästhetisierung. Dann möchte ich da hinschauen, wo wir als Mädchen nicht hinfassen durften. Dann schreibe ich über Scheidenpilz und Endometriose. Über das Lebendige, Klebrige, manchmal Eklige, über das Schmerzhafte und manchmal Schöne."
 
Weitere Artikel: Manfred Rebhandl spricht für den Standard mit dem Autor Kurt Palm. Im Interview mit der Berliner Zeitung gibt Romandebütant Domenico Müllensiefen unter anderem Einblick in seinen Brotjob als Monteur für Telefonangelegenheiten.

Besprochen werden unter anderem Nino Haratischwilis "Das mangelnde Licht" (NZZ), Frederick Douglass' "Mein Leben als amerikanischer Sklave" und Clint Smiths "Was wir uns erzählen" (Standard), Peter Handkes "Innere Dialoge an den Rändern" (FR) Ralph Waldo Emersons "Tagebücher 1819-1877" (Tsp) und J. M. G. Le Clézios Erzählband "Bretonisches Lied" (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 15.08.2022 - Literatur

Salman Rushdies Zustand hat sich nach dem Attentat in New York diversen Agenturmeldungen zufolge leicht gebessert - bleibende Schäden wird er aller Wahrscheinlichkeit dennoch davon tragen. Er spreche wieder und zeige Humor, twitterte sein Sohn (während die iranische Propaganda den Anschlag ekelhaft feiert):



Außerdem melden Geheimdienste, dass der mutmaßliche Täter offenbar Kontakte zum Iran hatte.

Der Schock sitzt tief. Rushdie selbst gab sich in den letzten Jahren betont gelassen, was seine Gefahrenlage betrifft. Doch "den einzelnen Kopfgeldjäger oder Verrückten mag man vergessen und verachten, aber das mörderische Rudel gibt nicht auf", schreibt in der SZ Bernhard-Henry Lévy, der außerdem an einige "Angsthasen" seit der vom Ajatollah Khomeini verhängten Fatwa 1989 erinnert: Der französische Außenminister Roland Dumas verweigerte Rushdie ein Visum für einen Besuch in Frankreich, Prinz Charles beschwerte sich einst über die Kosten für Rushdies Sicherheit. Was Lévy "in all diesen Jahren beeindruckte, war diese Stille, mit der Rushdie seine Heldenrolle spielte. Er sah ja, dass kaum ein Jahr verging, in dem nicht eine große Hauptstadt einen falschen iranischen Diplomaten auswies, der mit seiner Fatwa in Verbindung stand. Er wusste, dass es immer noch angebliche Freunde der muslimischen Völker gibt, die trotz der Attentate auf die Satirezeitschrift Charlie Hebdo und den Supermarkt Hyper Kasher und all den anderen Morden der Meinung sind, dass man den Glauben eines anderen niemals beleidigen dürfe und dass, wenn dem Beleidiger ein Unglück widerfahre, er es selbst verschuldet habe."

"Es gibt vielleicht keinen lebenden - wie freudig ich das jetzt hinschreibe - Schriftsteller, der so viel nachgedacht und geschrieben hat über den Umgang der Menschen und der Autoren mit der Lüge", schreibt Arno Widmann in der FR. "Sie ist das Mittel, das uns hinaus hilft aus der Wirklichkeit. Ohne sie würden wir uns selbst ins Gefängnis setzen einer Welt aus lauter Protokollsätzen."

Hamed Abdel-Samad ärgert sich in der NZZ beim Blick in die Social-Media-Accounts von Intellektuellen aus der arabischen Welt, die den Anschlag auf Rushdie zwar verurteilen, aber im gleichen Atemzug auch dessen "Satanische Verse" als Verbrechen darstellen: "Die absolute Mehrheit dachte nicht an den alten Mann, der zwischen Leben und Tod schwebt, sondern sah, dass ihre Religion das eigentliche Opfer des Anschlags ist. Sie hatten Angst, dass der Vorfall dem Image des Islam schaden und Wasser auf die Mühlen der Islamophobie im Westen giessen würde. Ihre Ansichten waren Ausdruck von Infantilität, Egoismus und mangelndem Verantwortungsbewusstsein, die ich für viel gefährlicher halte als den Islamismus selbst."

Manuel Müller (NZZ) und Andreas Fanizadeh (taz) erzählen nach, wie der greise Ajatollah Chomeini 1989 dazu aufrief, Salman Rushdie wegen seines Romans "Die satanischen Verse" zu ermorden. "Erstaunlich" findet es Gerrit Bartels in seiner Zusammenfassung der Fatwa-Geschichte für den Tagesspiegel, "dass gerade in den Jahren der Hochzeit des islamistischen Terrors Anfang und Mitte der Zehnerjahre Jahre die Sorge um Rushdie sich in Grenzen hielt." Gero van Randow hält auf ZeitOnline zur Fatwa fest: "'Die satanischen Verse' sind ein lustiges, anrührendes, fabulierendes, spottendes, spielerisches Buch, das nun gar nicht antiislamisch ist; wer sich durch diesen Roman beleidigt wähnt, muss schon von einer aufs Äußerste gespannten Bereitschaft dazu durchdrungen sein. ... Nein, Salman Rushdie ist kein Provokateur, er ist ein Symbol des Freiheitswillens. Und um es gleich zu sagen: eines universellen Freiheitswillens. Der ist mitnichten ein westliches Ding, irgendein geistiger Wurmfortsatz des Kolonialismus oder dergleichen, auch kein 'westlicher Wert'. Vergessliche muss man vielleicht daran erinnern, dass sich die antikolonialen Bewegungen noch stets als Freiheitsbewegungen verstanden."

Im Observer deutet Kenan Malik die Fatwa als Keimzelle des Identitätsdenkens: "Die Anti-Rushdie-Kampagne war vielleicht der erste große Wutausbruch über die Verunglimpfung von Identitätssymbolen in einer Zeit, in der diese Symbole neue Bedeutung erlangten. Briten mit muslimischem Hintergrund, die in den 1970er und frühen achtziger Jahren aufwuchsen, sahen 'muslimisch' selten als ihre Hauptidentität. Die Rushdie-Affäre kündigte einen Wandel in der Selbstwahrnehmung und die Anfänge einer ausgeprägten muslimischen Identität an." Taslima Nasreen erinnert sich in The Print daran, wie es war, als sie in Bangladesch zur Solidarität mit Rushdie aufrief, was ihr selbst ein Preisgeld auf ihren Kopf einbrachte: Der Islam sei nicht zu kritisieren, das steht so schließlich im Koran. "Der Islam wurde von der kritischen Prüfung, die für andere Religionen gilt, ausgenommen. Letztere konnten ihre Fehler und Irrtümer nur deshalb korrigieren, Barbarei und Diskriminierung beseitigen und der Unterdrückung und Gewalt gegen Frauen ein Ende setzen, weil sie von Regierungen und fortschrittlichen Denkern einer kritischen Prüfung unterzogen wurden. Doch im Islam gibt es nach wie vor alle Formen von Brutalität, Gräueltaten und Diskriminierung von Frauen."

Weitere Artikel: Sergei Gerasimow setzt hier und dort den zweiten Teil seines Kriegstagebuchs aus Charkiw fort. Steffen Schroeder erzählt in der FAZ von seiner literarischen Annäherung an das Verhältnis zwischen dem von Nazis ermordeten Erwin Planck und dessen Vater, worüber er einen Roman geschrieben hat. Auch Samuel Beckett war mal Opfer eines Messerangriffs, erinnert Matthias Heine in der Literarischen Welt.

Besprochen werden unter anderem N.K. Jemisins "Die Wächterinnen von New York" (Freitag), Thomas Hürlimanns "Der Rote Diamant" (Tsp), Émile Bravos Comic "Spirou oder: die Hoffnung" (Tsp), Andi Watsons Comic "Die Lesereise" (taz), Sigrid Nunez' "Eine Feder auf dem Atem Gottes" (Tsp), Anna Kims "Geschichte eines Kindes" (Standard), Behzad Karim Khanis "Hund Wolf Schakal" (Zeit), Christine Koschmieders "Dry" (Freitag), eine Ausstellung im Deutschen Romantik-Museum Frankfurt zum Briefwechsel zwischen Friedrich Schlegel und Novalis (FAZ) und neue Hörbücher, darunter Rolf Beckers Lesung von Gottfried Benns Rönne-Novelle "Gehirn" (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 13.08.2022 - Literatur

Mehr als dreißig Jahre, nachdem Ajatollah Khomeini in einer "Fatwa" aufrief, Salman Rushdie zu ermorden, ist der Schriftsteller nun tatsächlich Opfer eines Attentats geworden: Bei einer Veranstaltung in New York wurde er mit einem Messer angegriffen - der Täter hat mehrfach zugestochen. Derzeit befindet Rushdie sich an einer Beatmungsmaschine im Krankenhaus, meldet der Guardian. Sein Sprecher Andrew Wylie sprach in einer Mitteilung von "signfikanten Verletzungen: 'Die Nachrichten sind nicht gut. Salman wird wahrscheinlich ein Auge verlieren; die Nerven in seinem Arm wurden verletzt und seine Leber wurde durchstoßen und verwundet." Als mutmaßlichen Täter konnte die Polizei den 24-jährigen Hadi Matar aus New Jersey identifizieren, meldet der Guardian außerdem. Die FAZ sammelt Stimmen und Reaktionen.

Wenige Kommentare in den Medien bisher, der Mordversuch geschah gestern Abend hiesiger Zeit. Kamel Daoud bekennt bei Twitter seine ohnmächtige Wut: "Auf Salman Rushdie wird mit dem Messer eingestochen. Und auf jeden von uns mit ihm. Aus vollem Herzen stehe ich zu dem immensen Schriftsteller unserer Zeit. Gegen jene, die die Welt auf eine einzige Geschichte reduzieren wollen, die Geschichte ihres verrückten Glaubens. Zorn über die tausend Hände, die einen solchen Dolch halten."


"Und all das, weil Salman Rushdie ein Buch geschrieben hat", schreibt Gal Beckerman von Atlantic. "Die vielleicht aufrüttelndste unmittelbare Reaktion kam von PEN America: 'Wir können uns an keinen vergleichbaren Vorfall eines öffentlichen gewaltsamen Angriffs auf einen literarischen Autor auf amerikanischem Boden erinnern'. Und das ist wahr: Welche anderen Gesellschaften haben uns ermordete Autoren beschert? Stalins Sowjetunion ist diejenige, die mir am schnellsten in den Sinn kommt. Osip Mandelstam, der in einem Gefangenenlager starb. Isaac Babel wurde hingerichtet."

Hannes Stein schreibt in der Welt: "Vor ein paar Jahren hat Rushdie gesagt, dass ein Roman wie 'Die satanischen Verse' heute nicht mehr veröffentlicht werden könnte. Zu groß sei heute der Konformitätsdruck, die Ideologie des kulturellen Relativismus habe gesiegt. Das Schreckliche ist, dass er Recht haben könnte."

"Was für eine Schande! Was für eine Regression der liberalen Moderne", ruft Deniz Yücel auf Welt+ als er die Recherchen der Times liest, derzufolge an britischen Universitäten über tausend Bücher aus den Stundenplänen entfernt oder mit Warnungen versehen wurden. Die Auswahl erfolgt offenbar nach paternalistischer Willkür, auch moderne Klassiker der antirassistischen Literatur wie Colson Whiteheads "Underground Railroad" sind betroffen: Dieses "Meisterwerk wurde mit dem Pulitzer-Preis sowie dem National Book Award for Fiction' ausgezeichnet und von Amazon als Serie verfilmt. Doch an der Universität Essex gilt es wegen der 'anschaulichen Beschreibung von Gewalt' als bedenklich und wurde aus der Lektüreliste eines Einführungskurses gestrichen." Betroffen ist auch Thomas Thistlewoods Bericht der Gewalt, die im 18. Jahrhundert in den USA gegen Sklaven gerichtet wurde, "ein in der Tat erschütterndes, aber auch ein authentisches Zeugnis, das zwar nicht zum literarischen Kanon gehört, das aber angehende Historiker kennen sollten, zumindest, wenn sie sich mit dem transatlantischen Sklavenhandel beschäftigen. An der Universität Lancaster geht's auch ohne. ... Was für eine Bevormundung!" Auch Thomas Meineckes "Tomboy" ist allem Anschein nach betroffen.

Weitere Artikel: Der ukrainische Schriftsteller Sergei Gerassimow nimmt nach einer Pause sein Kriegstagebuch aus Charkiw wieder auf. Doris Akrap streift für die taz durch die Literaturszene von Riga. Sylvia Staude spricht für die FR mit dem Krimiautor Christoffer Carlsson. Karl Wagner erinnert in der NZZ an den Schriftsteller Karl Emil Franzos und dessen Roman "Der Pojaz". In der Langen Nacht des Dlf Kultur widmet sich Beate Ziegs den Literaturen der Sinti und Roma. Die NZZ präsentiert in einer Bilderstrecke Schriftsteller in Badehosen.

Besprochen werden unter anderem Kristina Gorcheva-Newberrys "Das Leben vor uns" (taz), Ralf Rothmanns "Die Nacht unterm Schnee" (NZZ), Bryan Washingtons "LOT" (SZ), Christine Langers Gedichtband "Ein Vogelruf trägt Fensterlicht" (FR), Émile Bravos Comic "Spirou oder: die Hoffnung" (taz), Amor Towles' "Lincoln Highway" (Dlf Kultur), und Kim de l'Horizons Debütroman "Blutbuch" (FAZ).
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Efeu - Die Kulturrundschau vom 12.08.2022 - Literatur

In der FAZ gestattet Andreas Platthaus einen Ausblick auf die in den kommenden Wochen erscheinenden Romane "Auf See", "Zur See" und "Über die See" von Theresia Enzensberger, Dörte Hansen und Mariette Navarro. "Was alle drei Romane gemein haben, ist die Messlatte des Meeres: Seiner Größe, Gewalt, auch Unbewegtheit (nicht im Byron'schen, sondern im moralischen Sinne) hat der Mensch nichts entgegenzusetzen. Aber anschaulich macht das nur Hansen. Navarro hat eine Parabel mit Ausflügen ins Fantastische geschrieben, Enzensberger einen hoch politisierten Thesenroman. Die elementare Wucht der See blitzt bei der Französin auf, bei der Deutschen ist sie nicht einmal Folie für die Allegorie ('Vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand'), die ihr Titel verheißt. Doch die Friesin Dörte Hansen versteht es, so zu schreiben, dass thematischer Anspruch und literarische Zugänglichkeit Hand in Hand gehen. Das ist ein Glücksfall für die deutsche Literatur. Für den Buchhandel sowieso."

Weitere Artikel: Judith Leister erinnert in der NZZ an die jüdischen Schriftsteller, die im Zweiten Weltkrieg für die Sowjetunion gegen die Nazis gekämpft haben und zum Dank dafür heute vor 70 Jahren von Stalin ermordet wurden (mehr dazu bereits hier). Die NZZ führt ein großes Gespräch mit dem Schweizer Germanisten und Schriftsteller Peter von Matt. In der FAZ gratuliert Sandra Kegel dem Schriftsteller Hans-Ulrich Treichel zum 70. Geburtstag.

Besprochen werden unter anderem Franziska Gänslers "Ewig Sommer" (FR), Thomas Hürlimanns "Der Rote Diamant" (Welt) und Andrej Kurkows Krimi "Samson und Nadjeschda" (Dlf Kultur).
Stichwörter: Deutsche Literatur

Efeu - Die Kulturrundschau vom 11.08.2022 - Literatur

Für "eine hervorragende Entscheidung" hält auch Adam Soboczynski in der Zeit, dass Emine Sevgi Özdamar in diesem Jahr den Büchner-Preis erhält (unser Resümee). In unserem Onlinebuchladen Eichendorff21 haben wir Ihnen aus diesem Anlass einige Bücher von Autorinnen und Autoren zusammengestellt, die auf Deutsch schreiben, deren Muttersprache Deutsch aber nicht ist. Die Schriftstellerin Asal Dardan verrät in der SZ, was sie derzeit auf den Nachttisch liegen hat. Andreas Platthaus schreibt in der FAZ einen Nachruf auf den Bilderbuchkünstler Raymond Briggs.

Besprochen werden unter anderem James Ellroys "Allgemeine Panik" (Standard), Emily Segals "Rückläufiger Merkur" (online nachgereicht von der FAZ), Hernan Diaz' "Treue" (FR), Ahmet Altans "Hayat heißt Leben" (54books), die gesammelten "Ernie Pike"-Comics von Hugo Pratt und Héctor Oesterheld (Tsp), James Lee Burkes Krimi "Die Tote im Eisblock" (TA) und Ralf Rothmanns "Die Nacht unterm Schnee" (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 10.08.2022 - Literatur

Der Georg-Büchner-Preis geht in diesem November an die Schriftstellerin, Schauspielerin und Theaterregisseurin Emine Sevgi Özdamar, die erst 2021 nach vielen Jahren mit "Ein von Schatten begrenzter Raum" ein von der Kritik weitgehend gefeiertes literarisches Comeback hinlegte. Özdamar ist nach Elias Canetti erst die zweite nicht deutschsprachig aufgewachsene Person, die mit dem Preis ausgezeichnet wird, unterstreicht Deniz Yücel in der Welt: Die Entscheidung für eine Autorin, die 1965 als Fabrikarbeiterin nach Deutschland kam, ist "eine kluge, eine gute Wahl - und eine überaus passende." In ihrer Sprache verwebt sich ihr Muttersprachschatz mit dem Deutschen: "Das Dazwischen, aus dem heraus und über das Özdamar schreibt, ist nicht allein ein geografischer Ort, sondern, mehr als das, ein Raum der Erinnerung, der Reflexion - und damit ein Ort der Sprache, wie es in ihren Büchern ja immer wieder auch um die Sprache selber geht. Um eine Sprache, mit der man nicht nur die Welt um sich herum versteht."

Viel zu lange hat es gedauert, bis Özdamar in die Literatur zurückkehrte, meint Marie Schmidt in der SZ: Beim Erscheinen ihres Comeback-Romans hatte man "das Gefühl, keinen Tag hätte die deutsche Literatur ohne diese Erzählerin auskommen dürfen. Ohne ihre mit den Dingen, Menschen, Tieren, Städten, Zeitstimmungen atmende Sprache, die nicht nur eine Sprache ist. Sondern eher eine körperliche Erfahrung, die sich schlank macht und gleich darauf dröhnend, weit schwingend und kurz knatternd wie eine Drum Machine. Eine Sprache, die durch das Türkische, das Griechische, das Französische gewandert ist und sich ausgerechnet ins Deutsche eingelebt hat."

Auch und insbesondere wegen dieses Comebacks findet auch Andreas Platthaus von der FAZ diese Entscheidung ganz hervorragend: Zu machen "ist eine singuläre Leseerfahrung. Das 'Hochpoetische' darin ist gerade nicht nur 'Sound', sondern Elementarerfahrung dieser Autorin, die in der Welt eine Schönheit (der Menschen, Straßen, kleinen Dinge, aber auch des Widerstands) zu entdecken versteht, die nur in diesem individuellen Tonfall verständlich gemacht werden kann mittels Wiederholungen, Variationen, Übersetzungen. Sie erzeugen einen rhetorischen Echoraum, der nicht von unserer Sprache ist, sondern in dem das Sprechen des ganzen Europas vom Bosporus bis an den Ärmelkanal widerhallt."

Eine überraschende, aber zeitgemäße Entscheidung, findet auch Gerrit Bartels im Tagesspiegel: "Özdamars autobiografisch nicht nur grundierte, sondern fest ausgepinselte Romane (...) sind Sprachkunstwerke ganz eigener Art: naiv und genau, märchenhaft, frei und voller Pirouetten, voller farbiger, ungewöhnlicher Satz- und Wortspiele. Diesen Spielen mit der Sprache und nicht zuletzt der Form setzt Özdamar immer einen politischen Stoff entgegen." Und ihr aktueller Roman "mutet an wie ein riesiges Tableau mit seinen sprechenden Krähen und Mücken, mit seinen sprechenden Wänden und sprechenden Toten, mit seinen vielen surrealen und grotesken Szenen, die sich mit nüchternen, fast dokumentarischen Stationenbeschreibungen abwechseln." Özdamer ist "eine der magischsten, poetischsten und üppigst schreibenden Frauen der deutschen Literaturgegenwart", freut sich Ebru Taşdemir im Freitag. In der NZZ erinnert sich Roman Bucheli daran, wie er einst "staunend vor diesem Sprachkunstwerk" stand, als 1992 Özdamars Debütroman erschien. Dlf Kultur führte vergangenen Herbst ein großes Radiogespräch mit Özdamar. Ihre Bücher finden Sie natürlich in unserem Onlinebuchladen Eichendorff21 - mit einem Erwerb dort unterstützen Sie unsere Arbeit.

Außerdem: In Simbabwe geht ab heute der Schauprozess gegen die Schriftstellerin Tsitsi Dangarembga weiter, berichtet Simone Schlindwein in der taz. Gerhard Gnauck schreibt in der FAZ einen Nachruf auf die Schriftstellerin Zofia Posmysz.

Besprochen werden unter anderem Wole Soyinkas "Die glücklichsten Menschen der Welt" (NZZ), Marica Bodrožićs Essay "Die Arbeit der Vögel" (SZ), Krimis von Dorothy B. Hughes und Max Annas (online nachgereicht von der FAS) und Miriam Mandelkows Neuübersetzung von James Baldwins Essays "Von einem Sohn dieses Landes" (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 09.08.2022 - Literatur

Als russischsprachiger Ostukrainer zählt der Schriftsteller Wolodymyr Rafejenko gerade zu jenen, die Russland schon seit der Krim-Annexion zu schützen vorgibt - und die von derlei väterlicher Fürsorge so begeistert sind, dass sie schon 2014 vom Fleck weg in den Westen des Landes geflohen sind. Doch damit nicht genug: Schon am ersten Tag der aktuellen Aggression befand er sich mitten im Kriegsgeschehen, schreibt er in der FAZ. An diesem "24. Februar habe ich mich entschieden, nie wieder auf Russisch zu publizieren oder zu schreiben. Ich möchte nichts mehr mit der Kultur der Mörder und Vergewaltiger gemeinsam haben. Es tut mir schon weh, wenn ich mir nur vorstelle, dass jemand aufgrund meiner Russischsprachigkeit denken könnte, ich wäre ein russischer Schriftsteller. Ich möchte mich nie wieder mit dem Diskurs der russischsprachigen Literatur in der Welt beschäftigen. ... Die russische Sprache an sich wurde obszön. Diese Sprache steht jenseits eines menschenwürdigen Diskurses. Und wenn ich sie einmal in einem privaten Gespräch verwenden muss, spüre ich nun immer ein Gefühl des Ekels, vermischt mit Scham, Schuld und körperlichem Schmerz."

In einem auf Englisch verfassten Kommentar für die Berliner Zeitung richtet sich die aus Uganda stammende, sich derzeit in Deutschland im Exil befindende Autorin und Anthropologin Stella Nyanzi an die internationale Community und fordert eine Anerkennung und Unterstützung des frisch gegründeten PEN Berlin. "Surely Germany is big enough of a country to be the home of two autonomous PEN chapters whose mandates can co-exist in a healthy manner."

Weitere Artikel: Eine Passage aus Tolstois Erzählung "Chadschi Murat" beschreibt den russischen Horror in der Ukraine ziemlich akurat, findet Oxana Matiychuk in der SZ. Der Schriftsteller Moritz Rinke erinnert sich in der SZ an seine schlimmste Lesung, die darin bestand, dass er an Günter Grassens Stelle aus Kellers "Der grüne Heinrich" las, was das wegen Grass gekommene Publikum ihm nicht dankte. Schriftsteller sollten aus ihren Büchern nicht öffentlich lesen und Zeitungen sollten keine Verrisse bringen, findet die Schriftstellerin Kristen Roupenian in ihrer SZ-Kolumne. Der Standard meldet, dass die Schriftstellerin und Schoah-Überlebende Zofia Posmysz gestorben ist.

Besprochen werden unter anderem Joan Didions Essaysammlung "Was ich meine" (Jungle World), Laura Cwiertnias "Auf der Straße heißen wir anders" (taz), Jennifer Daniels Comic "Das Gutachten" (taz), Hernan Diazs "Treue" (online nachgereicht von der Literarischen Welt), Claire Keegans "Kleine Dinge wie diese" (Dlf Kultur), Andreas Schäfers "Die Schuhe meines Vaters" (ZeitOnline), J. M. M. Nuanez' "Birdie und ich" (Zeit), Michael Kempes "Die beste aller möglichen Welten - Gottfried Wilhelm Leibniz in seiner Zeit" (SZ), Thomas Hürlimanns "Der Rote Diamant" (NZZ) und Steven Uhlys Novelle "Die Summe des Ganzen" (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 08.08.2022 - Literatur

Der ungarische Lyriker Gábor Schein lässt auf ZeitOnline seine erschütternden Kriegseindrücke der letzten Monate Revue passieren und denkt über Lyrik im Krieg nach: "Das Gedicht ist das Sinnesorgan der Zukunft. Seit Langem sagt es, schreit es hinaus, es kommt ein Krieg. Hier wird er ausbrechen, in Osteuropa. Auf diesem Teil des Kontinents, der mit seinen wundervollen im Frühlingswind wogenden Rapsfeldern, den sich über die seichten Hügel erstreckenden Weizenfeldern die Sinne betört, doch der nie etwas anderes war alsein furchtbarer Fleischamboss, eine Blutmühle."

Im großen Standard-Gespräch spricht die Schriftstellerin Sharon Dodua Otoo vom Druck, der auf ihr laste, wenn sie auf die Rolle der schwarzen Aktivistin reduziert werde, wie sie es seit ihrer Auszeichnung 2016 mit dem Bachmannpreis erlebe: "Nun sehne ich mich danach, Momente genießen zu können, in denen es vorwiegend darum gehen wird, was ich mit meiner Literatur künstlerisch umsetzte, auch wenn das nie zu hundert Prozent von meinem Aktivismus zu trennen sein wird." Etwa was ihren Umgang mit der deutschen Sprache als gelernter Sprache betrifft: Ihr Lektor "versteht, dass es mir nicht darum geht, einen Text zu schreiben, der durchkorrigiert und ausgebügelt ist. Die Lesenden sollen ruhig merken, dass ich Deutsch später im Leben gelernt habe. Denn das ist Teil der Erzählung."

Weitere Artikel: Der momentan selbst im Exil lebende, russische Schriftsteller Viktor Jerofejew erzählt in der Zeit von seinem Besuch im Heinrich-Böll-Haus und erinnert an die Solidarität des Schriftstellers mit den Dissidenten der Sowjetunion. Lena Karger liest für die Welt nach, was sich aus Hans Falladas "Kleiner Mann - was nun?" für Inflationszeiten lernen lässt. Hannes Hintermeier hat sich für die FAZ mit dem Psychiater Paulus Hochgatterer getroffen, der im Nebenberuf Schriftsteller ist und die Pandemie-Eindrücke aus dem ersten Beruf für den zweiten erst noch sortieren muss.

Besprochen werden unter anderem die Anthologie "Der papierene Freund" mit Tagebucheinträgen jüdischer Kinder und Jugendlicher aus der NS-Zeit (taz), Michael Krügers "Das Strandbad" (Tsp), Imre Kertészs "Heimweh nach dem Tod. Arbeitstagebuch zur Entstehung des 'Romans eines Schicksallosen'" (Standard), Hatice Acikgoez' Novelle "ein oktopus hat drei herzen" (Freitag), Tina Brenneisens Comic "True Stories - Marie Luis erzählt" (Tsp), Laure Gauthiers Gedichtband "kaspar aus stein" (NZZ), Hanna Bervoets "Dieser Beitrag wurde entfernt" (FR), Andrej Kurkows "Samson und Nadjeschda" (Tsp), Ralph Waldo Emersons "Tagebücher" (ZeitOnline) und Frida Nilssons Kinderbuch "Sem und Mo im Land der Lindwürmer" (online nachgereicht von der FAZ).

In der online nachgereichten Frankfurter Anthologie schreibt Uwe Wittstock über Mascha Kalékos "Wiedersehen mit Berlin":

"Berlin, im März. Die erste Deutschlandreise,
Seit man vor tausend Jahren mich verbannt.
Ich seh die Stadt auf eine neue Weise..."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 06.08.2022 - Literatur

Die Schriftstellerin Annett Gröschner berichtet in der "10 nach 8"-Reihe auf ZeitOnline von ihrer Reise nach Kaunas. Die litauische Stadt ist derzeit europäische Kulturhauptstadt, was "durch den Überfall Russlands auf die Ukraine mit Bedeutung aufgeladen worden ist. Das Land ist nicht nur symbolisch solidarisch, Litauen hat neben den oppositionellen Belarus*innen, die nach den niedergeschlagenen Protesten 2020 emigrieren mussten, viele ukrainische Geflüchtete aufgenommen. Es ist viel mehr Russisch zu hören als noch vor drei Jahren. Selbst auf den Displays der Linienbusse wechselt die Richtungsanzeige mit Solidaritätsbekundungen, überall hängen blau-gelbe Fahnen, Zusammengetuscht ergeben die beiden Farben der ukrainischen Flagge das Grün, das auf der Allee der Freiheit die vorherrschende Farbe, auch der Kleider, ist. Vielleicht Zufall, vielleicht auch nicht. Naiv ist hier niemand, die Umstände der Ereignisse im Januar 1991, nur ein paar Monate nach der Unabhängigkeitserklärung Litauens, als sowjetische Spezialeinheiten in Vilnius das Verteidigungsministerium, Pressehaus und Fernmeldeamt besetzten und am Fernsehturm vierzehn Menschen getötet und Hunderte verletzt wurden, haben sich ins kollektive Gedächtnis eingebrannt."

Paul Jandl erinnert in der NZZ an Joseph Roths dunkle Kriegsvorahnungen in den Zwanziger- und Dreißigerjahren: Der Schriftsteller "hat die Macht-Idee des Hegemonialen in ein heute noch bestürzend aktuelles Bild gebracht. Die Idyllen eines selbstvergessenen Kontinents, seine Sommer des Friedens sind tödlich bedroht. Bei allem, was der galizisch-österreichische Schriftsteller und Journalist Joseph Roth schrieb, ging es darum, die Gegenwart aus der Vergangenheit zu berechnen. Weil er mit den wesentlichen Fasern seines Herzens noch in der politischen Ökumene des großen Österreich lebte, hatte er die Gegenwart als Verlust vor Augen. Das Versinken der österreichischen Monarchie im Morast des Ersten Weltkriegs und völkischer Spannungen war sein großes Trauma, und so wird bei Roth aus der Geschichte eine Privatmythologie."

Die Slawistin Sabine Koller erinnert im Literarischen Leben der FAZ an den antisemitischen Terror Josef Stalins dem 1952 nach einem Todesurteil auch die auf Jiddisch schreibenden Schriftsteller Lejb (Lev) Kvitko, Peretz Markisch, Itzik Fefer, Dovid Bergelson und Dovid Hofstein zum Opfer fielen. "Sie alle waren führende Stimmen der jiddischen Literatur (nicht nur) der UdSSR. Sie alle waren Mitglieder des Jüdischen Antifaschistischen Komitees, das von der sowjetischen Führung im Kampf gegen Nazi-Deutschland zehn Jahre zuvor eingesetzt wurde. ... Wider die Gewalt und das Vertuschen - den Zwilling des Verdrängens - berichtete man in der jiddischen Zeitung Einigkeit über die Kriegsverbrechen und - für die spätere UdSSR völlig undenkbar - die versuchte Judenvernichtung. ... Nach dem Krieg wurde das Jüdische Antifaschistische Komitee für Stalin unbequem. Im 'universellen', heißt: gesamtsowjetischen, von Siegespathos getragenem Gedenken an den 'Großen Vaterländischen Krieg' war fürs partikular Jüdische, für die Millionen jüdischen Opfer kein Platz. Eingebettet in Hetzkampagnen, Diffamierungen und Repressionen, machte Stalin in einem brutalen antisemitischen Akt der Einrichtung und ihren sichtbarsten Vertretern ein Ende."

Weitere Artikel: Für die WamS schlendert Marc Reichwein gemeinsam mit Ulrike Lorenz von der Klassik-Stiftung einen Tag lang durch Weimar. In der Literarischen Welt berichtet Gunnar Decker, der gerade den Briefwechsel Hermann Hesses mit seinem Sohn Martin ediert hat, von seinen Forschungen, ob der berühmte Schriftsteller ein schlechter Vater gewesen ist. Christian Thomas empfiehlt in seiner FR-Reihe zur ukrainischen Literatur Katja Petrowskajas "Vielleicht Esther" aus dem Jahr 2014.

Besprochen werden unter anderem Simoné Goldschmidt-Lechners "Messer, Zungen" (taz), Christian Barons "Schön ist die Nacht" (taz), Jonas Grethleins "Mein Jahr mit Achill" (SZ), Alexa Hennig von Langes "Die karierten Mädchen" (Zeit), Andreas Schäfers "Die Schuhe meines Vaters" (FR), Giulia Caminitos "Das Wasser des Sees ist niemals süß" (Literarische Welt) und Peter Camerons "Was geschieht in der Nacht" (FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 05.08.2022 - Literatur

Cornlia Zetzsche liefert in der FAZ Hintergründe zu dem sich schleppenden, wegen hanebüchener Gründe geführten Prozess, den Simbabwe gegen die Schriftstellerin Tsitsi Dangarembga führt, weil sie gewagt hatte, mit einem Schild auf einer Demonstration für demokratische Reformen zu werben: "Präsident Emmerson Mnangagwe, seit dem Militärputsch und der Absetzung Mugabes 2017 der starke Mann im Staat, regiert mit eiserner Hand. Seit Jahren werden Gesetze verschärft. Der 'Peace and Order Act' macht jetzt Organisatoren für jegliche Gewalt verantwortlich, die auf ihrer Demonstration geschehen könnte, schränkt also zunehmend die Versammlungsfreiheit ein. Die 'Private Voluntary Organisation Bill' verbietet NGOs, die aus dem Ausland unterstützt werden, jede politische Einmischung. Prominenz schützt nicht vor Verhaftung und garantiert weder Freilassung gegen Kaution noch menschenwürdige Behandlung. Die Justiz sei ein Instrument der Repression geworden, sagen Beobachter."

Außerdem: Elke Heidenreich erinnert sich in der SZ an ihre schlimmste Lesung, die ihr so sehr an die Nerven ging, dass sie sich "freie Waffen für jeden" wünschte: "Was hätte ich für ein herrliches Blutbad anrichten können!" Ebenfalls in der SZ verrät Eva Menasse, was sie gerade liest ("Der nichtjüdische Jude" von Isaac Deutscher) und welches Buch sie viel zu spät gelesen hat ("Deutschstunde" von Siegfried Lenz). Thomas Lippold wirft für den Tagesspiegel einen Blick auf Neil Gaimans Comicklassiker "Sandman", den Netflix ab heute als Serienadaption anbietet.

Besprochen werden unter anderem Gabriele Riedles "In Dschungeln. In Wüsten. Im Krieg." (taz), Linda Boström Knausgårds "Oktoberkind" (Standard), Kirsten Boies Vorbei ist eben nicht vorbei" (Tsp), Senthuran Varatharajahs "Rot (Hunger)" (online nachgereicht von der FAZ), Claudio Magris' Erzählungsband "Gekrümmte Zeit in Krems" (SZ) und Ann Petrys "Harriet Tubman" (Tsp).
Stichwörter: Simbabwe, Dangarembga, Tsitsi