Ingeborg Bachmanns "Drei Wege zum See", im 1972 veröffentlichten Erzählband "Simultan" erschienen, liest Sigrid Weigel in der
FAZ als Bachmanns Selbstanalyse ihrer Beziehungen zu
Max Frisch und
Paul Celan. In der Geschichte blickt die erfolgreiche Fotografin Elisabeth auf zwei ihrer Beziehungen zurück. "Die Chiffre des trunkenen Schiffes in 'Drei Wege zum See' verweist deutlich auf Paul Celan, sodass die Erzählung Elisabeths Erinnerung an ihre 'einzige große Liebe' und ihre Trauer über den Tod Trottas mit Bachmanns
Trauer um den Tod des früheren Geliebten engführt." Die an Max Frisch angelehnte Figur Manes lernt Elisabeth "ziemlich genau jenem Abend des 3. Juli 1958 in Paris" kennen, "an dem Ingeborg Bachmann Max Frisch kennengelernt hat - genau einen Tag nachdem das letzte Treffen mit Paul Celan stattgefunden hatte. Es war ein Abend, an dem sie
aus dem Verlust des erst kürzlich wiedergewonnenen Geliebten einem anderen Mann
buchstäblich in die Arme gelaufen war. Nur dass das damalige vernunftgeleitete Ende der Liebesbeziehung in der Erzählung als endgültiger Verlust des Geliebten erscheint, als ein dem Tod geschuldeter, unumkehrbarer Verlust, verfasst im Jahr nach Celans Freitod."
Im
NZZ-Interview mit Birgit Schmid spricht die
Jugendbuchautorin Jana Frey über ihre Leserschaft, die sich derzeit mit einer Vielzahl an Problemen gegenüber sieht. Jugendliche würden in frühen Jahren schon Dick-Pics bekommen, Pornos schauen oder wenden sich mit ihren Problemen Sprachmodellen dazu. Darüber hinaus lesen sie dann auch nicht mehr: "Ich frage die Jugendlichen immer,
was für Bücher sie lesen, und nach ihren Lieblingsautoren. Einmal sagte mir ein Mädchen, sie hasse Bücher. Und als ich nachhakte, ob sie wenigstens Comics oder Mangas lese, antwortete sie: '
Ich lese mehr so Straßenschilder oder das, was über Geschäften steht.' Sie war im Gymnasium, neunte Klasse. Ich war sprachlos."
Weiteres: In der
NZZ reist der
Schriftsteller Alex Capus tausendzweihundert Kilometer durch die Schweiz. Für die
FAZ porträtiert Axel Weidemann die
Schriftstellerin Anja Kampmann, die mit ihrem Buch "Die Wut ist ein heller Stern" auf sich aufmerksam machte. Luciana Ferrando ist Buchhändlerin und
schreibt in der
taz über die verschiedenen Arten von Buchkäufern: die Ernsten, die Stammkunden und die "Insta-Tiktok-Crew". In der
FAS spricht Annabelle Hirsch mit der Dichterin
Laura Vazquez. Thomas Comerink schreibt in der
FAZ über den niederländischen
Schriftsteller A. F. Th. van der Heijden, der aktuell ohne deutschen Verlag dasteht.
Besprochen werden unter anderem "Der Krieg ist anderswo" von
Asne Seierstad (
Welt),
Ruth-Maria Thomas' "Die zweitgrößte Liebe" (
SZ), "Kanzlerkino" von
Mirko Bonné (
taz),
Isabel Allendes autobiographischen Band "Unsere Geschichten" (
FAS), "Der Unsichtbare" von
Michael Steinberger (
NZZ) und
Catherine Guérards "Renata wasweißich" (
taz). Mehr in unserer Bücherschau ab 14 Uhr.
In der
Frankfurter Anthologie schreibt Zeno Bampi über
August von Platens "Gedichte. Ausgabe von 1834.":
"Als einst Athen Antigonus belagerte,
Da saß der alte, neunundneunzigjährige
Poet Philemon, mächtiger Dichter Überrest,
In dürftiger Wohnung saß er da gedankenvoll"