Barbi Markovic

Minihorror

Cover: Minihorror
Residenz Verlag, Salzburg 2023
ISBN 9783701717750
Gebunden, 192 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

In "Minihorror" erzählt Barbi Marković die Geschichten von Mini und Miki und ihren Abenteuern im städtischen Alltag. Mini und Miki sind nicht von hier, aber sie bemühen sich, dazuzugehören und alles richtig zu machen. Trotzdem - oder gerade deswegen - werden sie verfolgt von Gefahren und Monstern, von Katastrophen und Schwierigkeiten. Es geht um die großen und kleinen Albträume des Mittelstands, um den Horror des perfekten Familienfrühstücks, um Mobbing am Arbeitsplatz und gescheiterten Urlaub, um den Abgrund, der sich im Alltag öffnet und nicht mehr schließen will.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 26.03.2024

Sehr gern begibt sich Rezensent Ismael Berrazouane in die abgründigen Alltagsszenarien, die Barbi Markovićs Buch ausbreitet. Im Zentrum stehen, beschreibt Berrazouane die beiden sich sehr ähnlichen Titelfiguren, die in Wien leben und Dinge erleben, die weniger klassischem Grusel als dem Freud'schen Unheimlichen sowie dem ironischen Witz verpflichtet sind. Außerdem gibt es, stellt der Rezensent dar, eine Nähe zum Comic, die manchmal so weit geht, dass sich eine Figur Teile der Kopfhaut wegradiert, anderswo im Buch schmiedet eine Katze düstere Pläne. Toll ist die von Bildlichkeit bestimmte Sprache, findet Berrazouane, der hier und in der knappen Prägnanz der Erzählabschnitte einen möglichen Anschlusspunkt für die TikTok-Generation identifiziert. Bitte mehr davon, heißt es am Schluss.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 09.03.2024

"Punk", "krass", "böse" - auch auf das neue Buch von Barbi Marković treffen diese Beschreibungen zu, mit denen schon ihr letzter Roman bedacht wurde, meint Rezensentin Jolinde Hüchtker. In diesem Fall fügt sie noch ein "urkomisch" hinzu: Denn höchst erheiternd und dabei gleichzeitig erschreckend findet sie, wie die in Belgrad geborene Wiener Autorin in einer Mischung aus spätkapitalistischem Alltag, absurden Horror-Elementen, Romanerzählung und Comic-Form von der Beziehung zwischen Mini und Miki erzählt, zwei Micky-Maus-ähnliche Figuren, die unter mal mehr, mal weniger üblichen Alltagsproblemen leiden, zum Teil surrealen Ausmaßes: "Mini ist heute schlecht drauf, deshalb muss sie den ganzen Tag Serien schauen", zitiert Hüchtker etwa, dann wieder sorgt der gegenseitige Ekel beim Wegputzen vom Schmutz des anderen im Bad fast für eine "Beziehungstat", und nachdem Mini zu lange durch Instagram scrollt, laufen ihr die Augen aus. Wie die Autorin all dies schreibt, in "klaren Sätzen, die knallen", und dabei neben Zeichnungen auch "Gastgeschichten" anderer Autor*innen wild integriert, begeistert die Kritikerin. Ein innovatives, zynisches und höchst amüsantes Buch, findet sie.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 02.01.2024

Fritz Göttler kommt ganz gut klar mit dem Minihorror von Barbi Markovic. Dass hinter den beiden Protagonisten Miki und Mini im Buch Disney-Figuren stecken könnten, ahnt Göttler kurz, aber dann geht es schon weiter in diesem Horror-Kosmos zwischen Wien und Belgrad, in dem alles nach dem surrealistischen Prinzip der Deformation und des Schocks funktioniert. Und Göttler muss abgetrennte Giedmaßen, wilde Männer und absurde Klongesichter verdauen. All das fasst Markovic in traumwandlerische Sätze, die aber nichts auserzählen, und dem Rezensenten wird mal bange, mal fürchterlich komisch zumute.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 21.11.2023

Mit viel Freude liest sich Rezensentin Judith von Sternburg durch Barbi Markovics Buch über Miki und Mini. Es besteht, lernen wir, aus einer Reihe von Episoden, die sich ein bisschen wie Comics lesen, bei denen die Bilder fehlen. Es werden durchaus unterschiedliche Stimmungen, sowie auch Genres bis hin zu Horror und Fantasy aufgerufen, erläutert von Sternburg, aber dominierend ist ein knalliger Humor. Sehr gegenwärtig ist, wovon Markovic hier erzählt, findet die Rezensentin, es geht um Achtsamkeit und um das Problem, wie man sich in einer unübersichtlichen Welt orientieren und ein halbwegs anständiges Leben führen kann. Mini kommt mit all dem meist etwas besser zurecht als Miki, führt von Sternburg aus, letzterer versumpft schon mal in Youtube-Verschwörungsvideos. Den Fallen der Selbstironie entkommt dieses Buch durch den immer wieder aufscheinenden Willen zum Ernsten, schließt die Rezension.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 18.11.2023

Durchgeknallte Geschichten, die viel Lesespaß bereiten, liefert Barbi Markovićs Buch, so Rezensentin Insa Wilke, die sich vorstellen kann, dass die serbische Autorin beim Verfassen dieser Absurditäten Kaugummi kaut. Mini und Miki stehen im Zentrum der Geschichten, so die Rezensentin, es geht um Leichen im familiären Keller, ums lebendig-begraben-Werden und um diverse abstruse Einfälle. Comicartig überzeichnet ist das laut Wilke, und doch im ganz normalen Alltag geerdet.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 12.10.2023

Restlos begeistert ist Rezensent Clemens J. Setz von Barbi Markovićs neuem Buch, das episodisch unheimliche Erlebnisse eines Wiener Pärchens erzählt: Miki und Mini geraten immer wieder in abstruse Szenarien, die an Horrorfilme erinnern, oder auch an Bücher von Autorinnen wie Karen Russell. Ausführlicher geht Setz auf eine Episode ein, in der der Krampus, in Österreich Teil der ländlichen Folklore, eine Rolle spielt und in der Gewaltausübung und Weinerlichkeit erstaunlich eng beieinander liegen. Das Besondere an den Büchern seiner Kollegin, so der selbst als Schriftsteller bekannte Setz, ist die comichafte Verformung bekannter Erzählmuster. Jeder einzelne Satz kann da die unglaublichsten Wendungen nehmen, jubelt der Rezensent.