Normcore, also die betont geschmacklose Art, sich als
Hipster mainstreamig zu kleiden, bleibt ein vieldiskutiertes Reizthema. Als bloße Modetrend-Parodie lässt sich das Phänomen schon wegen seiner Langlebigkeit nicht mehr abtun,
meint Eugenia Williamson in einer ausführlichen Auseinandersetzung mit dem Trend, dessen ironisch-arrogante Haltung gegenüber dem Kleidungsstil bildungsferner Bevölkerungsschichten sie durchaus kritisch betrachtet. Überhaupt kommt ihr der ironische Gestus eher wie ein Offenbarungseid einer orientierungslos gewordenen jungen Mittelschichtsgeneration vor: "Etwas
sichtlich Mieses, ob nun Pizza oder ausgebeulte Flauschpullis, heranzuziehen und es als
avantgardistischen Selbstausdruck zu verkaufen, ist eine unglaublich
defätistische Geste, die sich ihrer Vergeblichkeit nicht nur bewusst, sondern damit auch glücklich ist.
Ceci n"
est pas intéressant. ... Dass Normcore an der Kultur so haften bleibt, könnte auch den verzweifelten, unzynischen Wunsch nach ein bisschen
abgegrenzter Beschaulichkeit signalisieren. Es scheint so, als würde Normcore, vermittels zahlloser Ebenen geschickt theoretisierter Ironie,
altmodische amerikanische Werte, die noch gänzlich unberührt sind von den Erfahrungen von Polizeibrutalität und sexueller Gewalt der letzten Jahre, bekräftigen wollen. Und schlussendlich will es eine soziale Ordnung stützen, in der die Wohlhabenden ihre Überlegenheit offen und ohne Angst, dafür gerügt zu werden, zur Schau stellen können."