Magazinrundschau - Archiv

Baffler

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Magazinrundschau vom 22.03.2016 - The Baffler

In einer haarsträubenden Geschichte gibt Jacob Silverstein einen Einblick in die ganz und gar unglamouröse Gegenwart des Journalismus. Nach vergeblichen Versuchen als freier Autor festen Fuß zu fassen und von seiner Arbeit zu leben, verdingte er sich als Schreiber für gesponserten Inhalt: das heißt für Werbetexte, die in Aufmachung und Text anmuten wie Zeitungsartikel (in deutschen Zeitungen wird das als "Verlagsbeilage" annonciert). Diese Werbeform, stellt er am Ende fest, untergräbt nicht nur die Grenze zwischen Werbung und redaktionellem Inhalt, sie kannibalisiert den Journalismus: "Wer soll The Atlantic noch eine Story für hundert Dollar anbieten, wenn er als Werbetexter das zwanzigfache verdient? Und warum sollte der Manager eines großen Unternehmens die Fragen eines Journalisten beantworten, wenn er bei The Atlantic einfach ein glänzendes Advertorial in Auftrag geben und dann ein paar Tweets kaufen kann, die für Verbreitung sorgen? Die Vorstellung, ein Medium könne Zugang zu seiner Redaktion verkaufen, ohne gleichzeitig die Regeln dieses Zugangs zu ändern, ist lächerlich. Während die New York Times darauf besteht, dass es eine undurchdringliche Firewall zwischen ihrem T Brand Studio und ihrem heiligen Nachrichtenraum gebe, machen andere Herausgeber die Überlappung zu einem Verkaufsargument." So wie bei der FAZ zum Beispiel oder der SZ.
Stichwörter: Journalismus, Medienwandel

Magazinrundschau vom 17.03.2015 - The Baffler

Normcore, also die betont geschmacklose Art, sich als Hipster mainstreamig zu kleiden, bleibt ein vieldiskutiertes Reizthema. Als bloße Modetrend-Parodie lässt sich das Phänomen schon wegen seiner Langlebigkeit nicht mehr abtun, meint Eugenia Williamson in einer ausführlichen Auseinandersetzung mit dem Trend, dessen ironisch-arrogante Haltung gegenüber dem Kleidungsstil bildungsferner Bevölkerungsschichten sie durchaus kritisch betrachtet. Überhaupt kommt ihr der ironische Gestus eher wie ein Offenbarungseid einer orientierungslos gewordenen jungen Mittelschichtsgeneration vor: "Etwas sichtlich Mieses, ob nun Pizza oder ausgebeulte Flauschpullis, heranzuziehen und es als avantgardistischen Selbstausdruck zu verkaufen, ist eine unglaublich defätistische Geste, die sich ihrer Vergeblichkeit nicht nur bewusst, sondern damit auch glücklich ist. Ceci n"est pas intéressant. ... Dass Normcore an der Kultur so haften bleibt, könnte auch den verzweifelten, unzynischen Wunsch nach ein bisschen abgegrenzter Beschaulichkeit signalisieren. Es scheint so, als würde Normcore, vermittels zahlloser Ebenen geschickt theoretisierter Ironie, altmodische amerikanische Werte, die noch gänzlich unberührt sind von den Erfahrungen von Polizeibrutalität und sexueller Gewalt der letzten Jahre, bekräftigen wollen. Und schlussendlich will es eine soziale Ordnung stützen, in der die Wohlhabenden ihre Überlegenheit offen und ohne Angst, dafür gerügt zu werden, zur Schau stellen können."

Magazinrundschau vom 22.10.2013 - The Baffler

Susan Faludi betrachtet die Bewegung, die rund um Sheryl Sandbergs Buch "Lean In" entstanden ist. Sandberg, Geschäftsführerin von Facebook, ermuntert darin Frauen, die obersten Ränge in ihrem jeweiligen Arbeitsfeld zu erobern. Das ist okay, meint Faludi. Aber warum wird die Mehrheit der in miesen Jobs arbeitenden Frauen ignoriert, fragt sie sich nach einem Gespräch mit zwei Weberinnen, die in den 70er Jahren bessere Arbeitsbedingungen für sich und ihre Kolleginnen erkämpft haben. Verkörpert Lean In wirklich den neuen Feminismus? "Es scheint kaum eine die sozialen Klassen übergreifende Solidarität bei diesen Triumphalisten zu geben, trotz ihrer Behauptung, für alle Frauen zu sprechen. Lean Ins Scheinwerfer streift selten über die niederen Ränge. Man sucht auf ihren Webseiten, in ihrer Literatur und in den Erklärungen auf Konferenzen vergeblich nach einem Beleg für ihre Besorgnis daräber, wie die andere Hälfte lebt - oder eher die anderen 99 Prozent. Wie Linda Burnham in einem scharfsinnigen Essay bei Portside.org schrieb: Lean In "hat vor allem ein Manifest für korporatischen Feminismus produziert", einen "1 Prozent Feminismus", der "nur von der Glasdecke berichtet, nie vom Boden". Die Bewegung, die ursprünglich geschmiedet wurde, um die große Masse der Frauen zu bewegen, wurde gekapert um dem individuellen (und privilegierten) Mädchen zu dienen."