Magazinrundschau - Archiv

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Magazinrundschau vom 22.02.2022 - New Lines Magazine

Sehr kenntnisreich schreibt Tom Rogan über die allzu innigen Beziehungen zwischen britischen Politikern und putinnahen Oligarchen. Viele dieser Politiker sind im Westminster Russia Forum engagiert, das seiner Satzung nach für bessere Beziehungen für Russland eintritt. Auch hier spielt wieder die stolze demokratische Tradition Britanniens hinein, deren mangelnde Regelwerke angenehme Nebeneinnahmen ermöglichen: Anders als etwa Abgeordnete anderer Länder können "britische Politiker auch während ihrer Amtszeit lukrative Finanzgeschäfte mit russischen Interessenten betreiben. Dies gilt insbesondere für das Oberhaus. Angeführt von George Galloway, der Fernsehsendungen für russische Staatsmedien moderiert, können die Mitglieder des Parlaments auch von Auftrittshonoraren in Medien wie RT profitieren. Amerikanische und britische Beamte sagen mir, dass das Westminster Russia Forum kaum mehr ist als ein korporativ-politischer Zugangsagent für die in London ansässigen Spione des SVR." George Galloway gilt wegen seiner Auftritte bei iranischen und russischen Staatsmedien laut Wikipedia als der britische Abgeordnete mit den höchsten Nebeneinnahmen.

Magazinrundschau vom 13.07.2021 - New Lines Magazine

Der Nobelpreis für Peter Handke vor anderthalb Jahren war auch Gelegenheit zu erkennen, dass es in den vornehmsten deutschen Feuiiletons Stimmen gibt, die Genozidleugner verteidigen, sofern es sich nur um verehrte Dichter handelt. Edin Hajdarpašić analysiert nochmal die Handkesche Rhetorik des Leugnens, die natürlich nicht einfach ein Leugnen ist, sondern ein Neu Arrangieren von Wirklichkeit, bekannt eher aus anderen politischen Ecken, wo es auch mit dem angemessenen Abscheu bedacht wird. Hajdarpašić erinnert an Handkes Freundschaft zu Novislav Djajić, der zu einem serbischen Erschießungskommando gehörte: "In Djajić hatte der Österreicher nicht nur eine Freundschaft gefunden - Handke war Trauzeuge bei Djajićs Hochzeit und wohnte der Taufe seiner beiden Töchter bei -, sondern auch die Schlüsselelemente, um die Fakten des Bosnienkrieges umzuschreiben. In Handkes Erzählung war Djajić ein idealistischer serbischer Dorfbewohner, der in die Kriegswirren hineingezogen wurde. In einer Zeit, in der das Töten überhand nahm, war er einfach zur falschen Zeit am falschen Ort und hielt bei einer Massenhinrichtung eine Waffe in der Hand. An einer Stelle in der 'Reise' lässt Handke Djajić über seine Verantwortung nachdenken und dann feststellen: 'Wissend, dass ich schuldlos war, sagte ich Ja zu meiner Bestrafung. Vom fremden Staat bestraft und vom eigenen Volk verachtet, verlor ich das Gefühl für meine Schuld.' Wenn es in Handkes Geschichte eindeutige Bösewichte gibt, dann sind es die fremden Richter, die gedankenlos darauf bestehen, Männer wie Djajić zur Verantwortung zu ziehen."
Stichwörter: Handke, Peter, Bosnienkrieg