
Der Nobelpreis für
Peter Handke vor anderthalb Jahren war auch Gelegenheit zu erkennen, dass es in den vornehmsten deutschen Feuiiletons Stimmen gibt, die Genozidleugner verteidigen, sofern es sich nur um verehrte Dichter handelt. Edin Hajdarpašić
analysiert nochmal die Handkesche
Rhetorik des Leugnens, die natürlich nicht einfach ein Leugnen ist, sondern ein Neu Arrangieren von Wirklichkeit, bekannt eher aus anderen politischen Ecken, wo es auch mit dem angemessenen Abscheu bedacht wird. Hajdarpašić erinnert an Handkes Freundschaft zu
Novislav Djajić, der zu einem serbischen Erschießungskommando gehörte: "In Djajić hatte der Österreicher nicht nur eine Freundschaft gefunden - Handke war Trauzeuge bei Djajićs Hochzeit und wohnte der Taufe seiner beiden Töchter bei -, sondern auch die Schlüsselelemente, um die
Fakten des Bosnienkrieges umzuschreiben. In Handkes Erzählung war Djajić ein idealistischer serbischer Dorfbewohner, der in die Kriegswirren hineingezogen wurde. In einer Zeit, in der das Töten überhand nahm, war er einfach zur falschen Zeit am falschen Ort und hielt bei einer Massenhinrichtung eine Waffe in der Hand. An einer Stelle in der 'Reise' lässt Handke Djajić über seine Verantwortung nachdenken und dann feststellen: '
Wissend,
dass ich schuldlos war, sagte ich Ja zu meiner Bestrafung. Vom fremden Staat bestraft und vom eigenen Volk verachtet, verlor ich das Gefühl für meine Schuld.' Wenn es in Handkes Geschichte eindeutige Bösewichte gibt, dann sind es die fremden Richter, die gedankenlos darauf bestehen, Männer wie Djajić zur Verantwortung zu ziehen."