"Architektur und Science Fiction stehen in gegenseitiger Beziehung", schreibt der Japanologe und Literaturwissenschaftler William O. Gardner in einer sehr ausführlichen Darstellung japanischer Architekturdiskurse des 20. Jahrhunderts, deren Wahrnehmung durch den Westen und des Verhältnisses zu Science-Fiction insbesondere seit den achtziger Jahren. "Ob Schöpfer einer architektonischen Planzeichnung oder Autor einer Geschichte - beide imaginieren eine Intervention im Raum und eine Veränderung im Leben seiner Bewohner, die sich durch narrative Konsequenzen offenbart: Eine sich horizontal ausdehnende Stadt, die sich auf riesigen, vertikalen Spiralstrukturen ausbreitet und dies mit recycelbaren, beweglichen Unterkunftszellen, die sich in den Spiralrahmen einfügen. Industrielle Städte, die sich von der japanischen Pazifikküste loslösen und ihren Ort an ökonomische Bedürfnissen koppeln, ihn erweitern, schrumpfen und wechseln. Die Familienwohnung, neu gedacht als wechselseitiges Docking autonomer Individuen auf Wanderschaft. Architektur, die sich verflüssigt, unsichtbar wird, von Bildern nicht zu unterscheiden. Eine zweite, virtuelle Stadt, die einer physischen aufsitzt. Bei einigem davon handelt es sich um tatsächliche Vorschläge aus der Architektur, der Rest ist Fiktion. Es ist hilfreich, beides zusammen zu legen, um Architekten als Autoren eines Narrativs zu erkennen, während man Science-Fiction-Schriftsteller dafür wertschätzt, die Interaktionen zwischen gebauten und natürlichen Umgebungen und die Konsequenzen daraus fürs menschliche Dasein zu imaginieren. Dies gilt in besonderem Maße für die metabolistischen Architekten - und die Schriftsteller, mit denen sie gesellschaftlich und professionell zu tun hatten - im Nachkriegsjapan. In der Dekade, an deren Ende 1970 die Expo in Osaka stand, flossen ihre Arbeiten in einer Erkundung der Zukunft und der Neuaneignung der Vergangenheit zusammen." Wir werfen gerne einen Blick zurück in die Zukunft dieser Vergangenheit:
Was, wenn das Sammeln von Daten über den Menschen und seinen urbanen Lebensraum konvergiert - wächst dann das Verständnis vom Menschen oder die Gefahr? Shannon Mattern widmet sich in einem Artikel des Magazins den Auswüchsen des Bioengineering am Beispiel des Human Project, einer Kollaboration zwischen der New York University und der Kavli Foundation, die sämtliche Daten von 10 000 New Yorkern über einen Zeitraum von zwanzig Jahren aufzeichnet. Die Daten können nämlich Einfluss auf die Behandlung Kranker haben: "Die Ethikerin Celia Fisher ist der Meinung, dass Studien wie das Human Project genau definieren sollten, was die Begriffe Klasse, Ethnie und Kultur eigentlich bedeuten, und sie verstehen müssen, dass solche Definitionen ständig von sozialen und politischen Kräften neu definiert werden. Außerdem, so Fisher, sollten sie im Auge behalten, dass bestimmte Gruppen durch die medizinische Theorie und Praxis marginalisiert und sogar pathologisiert wurden … Die Geschichte kennt viele Beispiele für ethische Probleme, die entstehen, wenn Gesundheitsdaten den Kontext ihrer ursprünglichen Erhebung verlassen."
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