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1 Presseschau-Absatz

Magazinrundschau vom 11.09.2018 - Popula

Außer Lateinamerikanern werden in den USA zunehmend Immigranten aus den subsaharischen Ländern Afrikas ausgewiesen. Viele von ihnen kamen als Kinder ganz legal in die USA, haben es aber versäumt, rechtzeitig die Staatsbürgerschaft zu erwerben. Wegen geringer Vergehen (Ladendiebstahl, Marihuanabesitz) festgenommen, werden sie oft abgeschoben in Länder, an die sie sich nicht mal mehr erinnern, schreibt Ashoka Mukpo in ihrer sehr lesenswerten Reportage. Und sie werden in ihrem vermeintlichen "Heimatland" nicht unbedingt immer freundlich aufgenommen, wie Rückkehrer zum Beispiel in Liberia lernen müssen. Das Land, von der Amerikanischen Kolonialgesellschaft und den Nachfahren amerikanischer Sklaven gegründet, hat ein sehr zwiespältiges Verhältnis zu den Rückkehrern: "Die Unzulänglichkeit, die den Liberianern durch die Position ihres Landes in der globalen Ordnung vermittelt wird, kann Ressentiments gegenüber Menschen mit amerikanischen Akzenten hervorrufen. Verschlimmert wird das noch durch den Ekel über die Leichtfertigkeit und Arroganz, die - so wird vermutet - hinter der vertanen Chance der Deportierten auf ein besseres Leben steht. Für diejenigen, die nach einer strafrechtlichen Verurteilung oder Gefängnisstrafe in Liberia ankommen, ist der Empfang kalt - sogar feindlich. 'So schlimm es auch klingt, jemand sagte mir, dass ein Liberianer, sobald er erfährt, dass du deportiert wurdest, dich auf Lebenszeit hassen wird', sagt jemand, der dort lebt. Er wurde 2010 aus Minneapolis abgeschoben, weil er ein Motel mit einer Spielzeugpistole ausgeraubt hatte, als er Ende 20 war. 'Aber heimlich. Sie werden es dir nie sagen. Man findet es erst heraus, wenn man pleite ist, dann warten sie darauf und sagen: Du dreckiger Hund, sieh dich jetzt an.'"
Stichwörter: Lateinamerika, Minneapolis