"Was wäre, wenn das erste menschliche Werkzeug keine Waffe - ein Schlagstock oder ein geschärfter Stein -, sondern eine Umhängetasche gewesen wäre, um eine Hand für das Baby und die andere für die Welt frei zu haben?" Audrey Wollen greift diese Theorie der feministischen Anthropologin Elizabeth Fisher auf, die damit in ihrem 1979 erschienenen Buch "Woman's Creation: Sexual Evolution and the Shaping of Society" einen Gegenentwurf zur "Jäger - und Sammlertheorie" aufstellt. Wollen jedenfalls hat sie völlig überzeugt: "Menschliche Babys wurden ungewöhnlich abhängig von ihren Eltern - ein Schritt in Richtung unserer heutigen biologischen Realität. Was würde unseren sich wandelnden Geist dazu bewegen, aus gefundenem Material ein neues Objekt zu erschaffen? Brauchten wir einen Speer, eine Klinge - wofür? Für den Wunschtraum, einen Elefanten zu töten? Nein. Was wir brauchten, war viel dringender. Wir brauchten einen flexiblen Behälter, der es uns ermöglichte, umherzustreifen, alles, was wir fanden, jeden kostbaren Bissen unserer Erkundungen, festzuhalten. Wir mussten uns mit unseren Babys bewegen und die Hände frei haben. Um zur politischen Arbeit ihrer Mitfeministinnen beizutragen, die heute mit anderen Verhältnissen leben, unternahm Fisher die fantasievolle, fast literarische Arbeit, einen anderen Anfang zu denken. Unser Gehirn lernte nicht durch die Strategie systematischen Tötens, sondern durch die 'Anhäufung botanischer Informationen' mittels der Kunst des Sammelns, des Umsehens, des Zusammenseins mit Kindern und des Teilens. Sprache entwickelt sich aus dieser gemeinschaftlichen Verantwortung und entfaltet mit der Zeit Klänge: 'Mach die mal, während ich noch welche hole' oder 'Warte kurz - die Beeren werden rot und köstlich, wenn die Tage länger werden.' Beobachtungen werden zu Absichten, Projektionen, Überlegungen, Fiktionen. Stellen Sie sich das erste hergestellte Ding vor: einen Netzsack, über den Ellenbogen gehängt, randvoll mit geschlossenen Austern, wie graue Wolken, die aneinander klirren, ein Synapsen-Hochzeitslied." Ursula K. Le Guin sollte Fischers Idee sieben Jahre später mit ihrem Roman "The Carrier Bag Theory of Fiction" ausleuchten, während Oscar Wilde schon früh die augenzwinkernde Ironie der Handtasche erkannte, so Wollen weiter.
Lady Bracknell, hier verkörpert von Dame Edith Evans, kann es kaum fassen:
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