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Felice Bauer

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Vorgeblättert

Vorgeblättert 11.08.2005 […] vorweggenommen; man könnte, anders akzentuiert, auch sagen: er hat im Leben die Literatur nachgeahmt. Dieser Befund gilt etwa für das Verlobungsmotiv der Erzählung Das Urteil, das die Beziehung zu Felice Bauer antizipiert, aber ebenso für die tödliche Wunde des Jungen im Landarzt, die das Ausbrechen der Tuberkulose zu präludieren scheint. Es gehört zu den Grundmustern von Kafkas Leben, daß es sich im […] Bewegungsabläufe sich unmittelbar in einzelne Szenen des Verschollenen übersetzen. Die Erzählung In der Strafkolonie zeigt eine Beschäftigung mit Techniken der Schrift, wie sie ähnlich die Briefe an Felice Bauer, freilich auf anderer Ebene, offenbaren. Der Begriff der Modernität ist bei Kafka doppelt belegt: Literatur und technisch hergestelltes Bild gehören hier zusammen. Walter Benjamin hat über die zweifache […]

Vorgeblättert

Vorgeblättert 11.08.2005 […] an sie schickt: die Geburt einer Felice Bauer, die mit ihm allein im Medium der Schrift kommunizieren darf.      Briefverkehr zwischen Prag und Berlin      Das über fünf Jahre sich erstreckende Drama der Korrespondenz wird eröffnet durch den Auftritt des Anstifters. Am 20. September 1912, fünfeinhalb Wochen nach der Begegnung bei Brods, schickt Kafka Felice Bauer den ersten Brief, den er am Nachmittag […] Wolken, zu denen man drei Wochen umsonst aufgeschaut hat." Felice Bauer kann sich dem Drängen aus Prag fortan nicht mehr entziehen. Sie erwidert Kafkas Briefe, die sie mit Fragen nach ihrem Alltagsleben überhäufen, zügig: zuerst pflichtbewußt, wie es ihre preußische Erziehung verlangt, dann gründlich, offen und bald freundschaftlich. Felice Bauers Schrift freilich ist für uns erloschen; Kafka hat ihre […] Achtes Kapitel Eine Schrift-Geliebte: Felice Bauer (1912-1913)      Wie ein Dienstmädchen      Mit einer vielfach beschriebenen Urszene beginnt die bedeutsamste und zugleich traurigste Liebesgeschichte in Kafkas Leben. Ihr Arrangement ist alltäglich, ihre Dramaturgie mutet zufällig an. Im Hintergrund steht, sogleich symptomatisch, die Literatur: sie bildet Panorama und Kulisse eines prägnanten […]

Vorgeblättert

Vorgeblättert 11.08.2005 […] bricht, bezeichnet Kafka als erstes wahres Gefühl, das er nach Jahren kühler Freundlichkeit inmitten seiner Familie geäußert habe.      Zwischen Ende Oktober und Ende Dezember 1912 schickt Kafka Felice Bauer knapp 90 Briefe. Nicht selten werden sie 'express' aufgegeben, zuweilen als Einschreiben ('rekommandiert'), gelegentlich von Telegrammen begleitet, die nach ausbleibender Post fragen. Der Briefverkehr […] entschieden untersagt. Wenn die Sphinx zeigt, daß sie kein Geheimnis birgt, sondern die Banalität des Konventionellen verkörpert, muß sie zum Schweigen verpflichtet werden.      Umgekehrt mag auch Felice Bauer bisweilen den Eindruck gewonnen haben, als paßten Wirklichkeit und Einbildung nicht mehr zusammen. Der charmante junge Mann, der mit ihr über den Zionismus stritt, schmiedete, Tatkraft und Ents […]