9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Digitalisierung

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.08.2025 - Digitalisierung

Mit riesigem Tamtam hat Open AI die neue Version von ChatGPT angekündigt - mit der Nummer 5. Bei golem.de schreibt Tim Elsner eine Art ausführlichen (und für Laien nicht immer verständlichen) Testbericht. Aber eins ist klar: Er ist ein bisschen enttäuscht und glaubt nicht, dass ChatGPT-5 tatsächlich auf allen Feldern ein Expertenwissen auf Promoviertenniveau hat: "Mit dem Wechsel von GPT-3 zu GPT-3.5 konnten statt aufwendiger Konstruktionen erstmals bequem Prompts benutzt werden, um das Modell zum Lösen von Aufgaben zu benutzen. Der Sprung von GPT-3.5 beziehungsweise ChatGPT zu GPT-4 war dann noch einmal gigantisch: Plötzlich konnten Bilder eingegeben werden und das Modell konnte ein Vielfaches der Kontextlänge verarbeiten, etwa komplette Bücher in einem Prompt verarbeiten. Und GPT-5? - Das hat ein paar Prozente mehr in einigen Benchmarks. Ein inkrementeller, kein umwälzender Fortschritt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 06.08.2025 - Digitalisierung

KI wird immer besser, und sie wird uns auch nicht überrennen, wenn wir mit ihr verschmelzen, behauptet der amerikanische Wissenschaftler und Erfinder Ray Kurzweil im Interview mit der Zeit. Das könnte durch Implantate geschehen: "Das hört sich an wie Science-Fiction, aber man muss sich das so vorstellen, wie wir heute mit unseren Handys agieren: Wenn uns etwas nicht einfällt, schauen wir auf unserem Handy nach. Das Handy ist nicht in unserem Körper - wobei, wenn ich mir anschaue, wie die Menschen heute schon mit ihrem Handy gewissermaßen verschmolzen sind ... In wenigen Jahren wird das, was heute das Handy ist, ein Chip in uns drin sein. Wenn man nach einem Datum oder einem Namen sucht, wird man nicht mehr sagen können, ob die Antwort aus dem eigenen Gehirn oder dem KI-Assistenten auf dem Chip stammt. Das mag heute seltsam klingen, aber es wird so kommen. Mit den simulierten Neuronen können wir den Neokortex aufstocken, und so wird eine immer größere kognitive Leistung möglich. Die Größe des Gehirns wird nicht mehr dadurch begrenzt sein, was durch den Geburtskanal passt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.07.2025 - Digitalisierung

KI basiert auf menschlichen Werken. Und diese werden dadurch zu Rohmaterial. In den USA gibt es dazu erste Prozesse von Urheberverbänden. Die Praxis eines KI-Unternehmens wie Anthropic schildert eine Reportergruppe in einem ganzseitigen Hintergrundtext des FAZ-Wirtschaftsteils so: "Zum einen hat sich das Unternehmen einfach Millionen von urheberrechtlich geschützten Büchern in digitaler Form kostenlos von Raubkopierer-Websites heruntergeladen. Zum anderen hat es zusätzlich legal physische Bücher gekauft - darunter auch viele gebrauchte, hat die Einbände davon abgerissen und anschließend Seite für Seite eingescannt und digitalisiert. Ist das legal? Bis solche Fragen endgültig geklärt sind, wird es dauern..." Mehr zu KI und literarischen Übersetzungen hier in efeu.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.07.2025 - Digitalisierung

Christoph Neuberger ist Wissenschaftlicher Geschäftsführer des Weizenbaum-Instituts in Berlin - das Institut wurde einst im Verbund mehrere Unis als eine Art "Deutsches Internet-Institut" gegründet - allzuviel hat man noch nicht davon gehört. Auf den Wirtschaftsseiten der FAZ legt Neuberger den Standpunkt dieses hoch offiziellen Instituts zu den "sozialen Folgen von KI und Plattformen" dar. Es komme nicht nur auf "Technikentwicklung, sondern auch eine Analyse der Technikfolgen" an, sagt er auf gut europäisch. Er schildert die bekannten gefahren der Plattformen und von KI, und dann kommt das Institut ins Spiel: "Wie lässt sich da die Integrität demokratischer Prozesse sichern? Wie kann der öffentliche Diskurs vor Angriffen geschützt werden? Zugleich können digitale Partizipation und Automation die Demokratie aber auch stärken. Wir befinden uns heute in einem großen Lernprozess." Wir brauchen "ein normatives Leitbild, das Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft einen Orientierungsrahmen gibt und hilft, gangbare Wege bei der Gestaltung der digitalen Welt zu finden", und da kann das Weizenbaum-Institut sicher helfen.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.07.2025 - Digitalisierung

De KI wird die Menschen demnächst übertreffen und abschaffen, falls sie sich nicht aufraffen, Maßnahmen dagegen zu treffen, warnt der 33-jährige ehemalige OpenAI-Mitarbeiter und Gründer des Thinktanks "AI Futures Project" Daniel Kokotajlo im Gespräch mit René Pfister vom Spiegel. Zum Beispiel wird sich Reichtum dort konzentrieren, wo die KI ist, prognostiziert er - aber Millionen von Menschen werden zugleich arbeitslos. "Ein staatlich garantiertes Grundeinkommen wäre vielleicht die Antwort auf dieses Problem. Wir können nur hoffen, dass zumindest in einigen Demokratien der Wille und die Kraft da sind, die KI zu kontrollieren und ihre Folgen zu managen. Aber auch hier werden wir vom 'Intelligenzfluch' verfolgt. Gibt es erst einmal eine künstliche Superintelligenz, leitet sich aus ihr alle Macht ab - und nicht mehr aus dem Volk." In dem vieldiskutierten Text "AI 2027" führt Kokotajlo seine Thesen ausführlicher aus.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.07.2025 - Digitalisierung

Schlechte Nachrichten für alle, die Bluetooth-Kopfhörer benutzen: Ein fehlerhafter Chip des taiwanesischen Unternehmens Airoha erlaubt es Angreifern von außen, Nutzer durch ihre eigenen Kopfhörer abzuhören - und KI-Assistenten wie Siri oder Gemini zu steuern. "Aktuell sind wohl Millionen Kopfhörer abhörbar", berichtet auf Zeit online Eva Wolfangel. "In einer Demonstration, von der der Zeit eine Aufzeichnung vorliegt, konnte einer der IT-Sicherheitsforscher gar das Smartphone seines Kollegen fernsteuern und über Siri eine Kündigung an dessen Chef schicken. ... Möglich ist das, weil Sprachassistenten wie Siri schon heute Zugriff auf recht viele Funktionen haben. Angreifer können durch die Schwachstelle - je nach Einstellung auf dem iPhone - unter anderem das Telefonbuch sowie Notizen aus der Notiz-App auslesen und Textnachrichten abfangen. Die zunehmende Präsenz von KI-Assistenten macht solche Angriffe noch effizienter, weil die Systeme auf immer mehr Programme zugreifen können. In vielen Fällen ist auch das Mikrofon des Kopfhörers zugänglich und kann zur Wanze umfunktioniert werden. Ein Angreifer könnte also direkt mithören, was in der Umgebung gesprochen wird - beispielsweise wenn eine Nutzerin einen Kopfhörer lediglich bei sich trägt, aber gerade nicht benutzt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 01.07.2025 - Digitalisierung

Dass ein Staat souverän sein muss, ist eine Binse - dass das auch für die digitale Infrastruktur eines Staates gilt, scheint in Deutschland aber noch nicht angekommen zu sein, konstatiert der Wirtschaftsethiker Nils Ole Oermann in der FAZ. "Digitale Souveränität ist für die westlichen Demokratien kein nettes Extra, sondern lebenswichtig. Was digitale Souveränität bedeutet und erfordert, sollte darum gründlicher als bisher durchdacht werden." Deutschland hinke bei vielem hinterher und sei zu abhängig von anderen Ländern. Der Föderalismus stellt aber auch ein Problem dar: "Eine wesentliche Herausforderung bei der Ausübung digitaler Staatskunst ist in unserem föderalen Staatswesen allerdings das Durchsteuern auf digitale Infrastrukturen, die bisher in 16 Bundesministerien und 16 Ländern separat entwickelt werden. (...) Innerhalb der Bundesregierung werden klare Durchgriffsrechte des Digitalministeriums in die digitalen Infrastrukturen und Planungen der anderen Ressorts nötig sein." Ohne die Privatwirtschaft werde es auch nicht gehen, betont Oermann.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.06.2025 - Digitalisierung

Lange Zeit hieß es: Die USA schafft die Digitalindustrie, die EU reguliert. In dieser Regulation lag auch ein Machtfaktor der EU im Zollstreit mit Trump. Nun heißt es, dass die EU auf Regulierung verzichtet, damit Amerika auf Zölle verzichtet und dass Ursula von der Leyen einknickt, meldet das Handelsblatt. "Um eine Verschärfung des Handelskonflikts zu verhindern, sollen US-Tech-Konzerne künftig ein Mitspracherecht bei der Anwendung des Digital Markets Acts (DMA) erhalten. Das erfuhr das Handelsblatt aus EU-Verhandlungskreisen und aus der Tech-Industrie. Ein solcher Schritt würde eine deutliche Abschwächung der Regulierung der Tech-Konzerne aus den USA bedeuten. Manche Kritiker befürchten sogar, dass damit faktisch das Ende der Regulierung eingeläutet würde, was wiederum die deutlich kleinere EU-Digitalwirtschaft im Keim ersticken würde."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.06.2025 - Digitalisierung

Interessante Entwicklungen im Bericht der Cloud-Anwendungen beobachtet Andreas Donath bei golem.de. Die großen Plattformkonzerne der USA bereiten sich - wohl auch im Zeichen der europäischen Angst vor dem Trumpismus - auf eine stärkere Abkoopelung Europas von ihren System vor: Sie versuchen, sich anzupassen. Microsoft schafft eine "Private Cloud", in der die Server ausschließlich in Europa stehen und auch die Schlüssel zu den Daten nicht in der Hand des Konzerns liegen. Hier geht es vor allem darum Anwendungen wie Office vor Alternativen zu schützen. Sie werden oft von Behörden in Europa genutzt und bringen Microsoft einen stetigen Milliardenstrom. "Microsoft positioniert sich geschickt zwischen den Fronten. Einerseits verspricht man europäischen Kunden die gewünschte Datenkontrolle, andererseits bleibt das Unternehmen ein US-Konzern, der den dortigen Gesetzen unterliegt. Die Kooperationen mit deutschen und französischen Partnern wie der SAP-Tochter Delos Cloud sollen diese Bedenken zerstreuen. Die Erweiterung kommt nicht von ungefähr. Amazon und Google arbeiten ebenfalls an souveränen Cloudlösungen für Europa."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.06.2025 - Digitalisierung

Ziemlich unheimlich klingt, was die Ökonomin Monika Schnitzer und der KI-Experte Daniel Privitera auf den Wirtschaftsseiten der FAZ erzählen. Nach der KI kommt die "Artificial General Intelligence", "also eine Künstliche Intelligenz (KI), die dem Menschen kognitiv in praktisch jeder Hinsicht ebenbürtig oder überlegen ist". Die beiden betrachten das Thema vor allem unter dem Aspekt ökonomischer Potenziale: "Unter Entscheidern in Washington, London oder San Francisco ist auch das Thema AGI allgegenwärtig. Viele politische Strategien und Geschäftsmodelle dort basieren auf der Annahme, dass Intelligenz bald in einem kaum vorstellbaren Ausmaß verfügbar, kopierbar und skalierbar sein wird. Denn der Einfluss einer solchen Skalierung von Künstlicher Intelligenz auf die Wirtschaft, den wissenschaftlichen Fortschritt und die globalen Machtverhältnisse wird enorm sein."