9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Digitalisierung

82 Presseschau-Absätze - Seite 4 von 9

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.11.2025 - Digitalisierung

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Vollends lächerlich gemacht hat sich Europa mit seinem Gipfel zu "digitaler Souveränität" ungefähr dreißig Jahre, nachdem das Internet populär wurde, findet der Medienwissenschaftler Martin Andree, aktuelles Buch "Krieg der neuen Medien", in der FAZ: "Vielleicht hat Trump hinter den Kulissen längst durchscheinen lassen: 'Wenn ihr auch nur einen Finger gegen unsere digitalen Monopole rührt, seid ihr im Ukrainekrieg am nächsten Tag vollständig auf euch selbst gestellt.' Aber dann wäre es rücksichtsvoll, wenn man uns einen solchen Gipfel ersparte und uns die Unterwerfung nicht noch als 'Souveränität' verkaufte."
Stichwörter: Andree, Martin

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.11.2025 - Digitalisierung

Beim Digital-Gipfel beschworen der Bundeskanzler Friedrich Merz und der französische Präsident Emmanuel Macron die digitale Souveränität Europas - die vor allem in der Wirtschaft ausgebaut werden soll, konstatiert Svenja Bergt in der taz. Alles notwendig und viel zu spät, außerdem könnte Europa, so Bergt, bald in alte Muster zurückfallen. "Gut möglich also, dass folgendes passiert: In Behörden starten ein paar mehr Pilotprojekte mit Open-Source-Software. Ein paar Firmen probieren europäische Lösungen aus. Es fließen Milliarden in den Bau von Rechenzentren in Europa und in Künstliche Intelligenz. Alles Dinge übrigens, die man auch schon vor Jahren hätte auf den Weg bringen können. Aber in drei Jahren, wenn Trump (hoffentlich) das Weiße Haus verlässt, liegen die Prioritäten hierzulande ganz schnell wieder woanders. US-Behörden können dann immer nochauf Daten europäischer Nutzer zugreifen. Big-Tech-Konzerne können immer noch freihändig ihre Preispolitik gestalten und wer hierzulande Kunde ist, zieht halt notgedrungen mit. Es wird immer noch genauso intransparent sein, wie viel Geld die öffentliche Hand an Microsoft zahlt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.11.2025 - Digitalisierung

Die gemeinnützige Mozilla Foundation betreibt den Firefox-Browser. Ihr Geld verdient sie mit im Browser voreingestellten Suchmaschinen - eine Zeitlang war das meist Google. In der taz unterhält sich Barbara Junge mit Mark Surman, dem Chef der Foundation, der vor den großen KI-Konzernen warnt. Die Gefahr sei die von diesen betriebene "Vertikale Integration", so Surman, das heißt sie wollen alle Stufen der Arbeit mit KI beherrschen, bis hin zu eigenen Browsern, die sie veröffentlichen. Dagegen fordert Surman eine "Rebellenallianz": "Es geht wirklich darum, sicherzustellen, dass die KI dezentralisiert ist und es viele Akteure gibt. Dass sie Open Source ist, damit wir sie uns ansehen können. Und das bedeutet, dass sie nicht nur aus zwei Ländern kommt, was derzeit wirklich ein Risiko darstellt. Es bedeutet also, dass es sich um ein globales offenes System handelt, in dem die Menschen die Wahl haben. Und genau das war das Internet. Aber wir bewegen uns derzeit nicht in diese Richtung. Wir bewegen uns in Richtung sehr geschlossener Systeme, die überwiegend entweder von den größten bestehenden Unternehmen oder von Unternehmen kontrolliert werden, in die diese investiert haben. Daher ist Open Source als Grundlage wirklich entscheidend."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 06.11.2025 - Digitalisierung

KI hat hierzulande einen schlechten Ruf. Das sie auch zu etwas nütze sein kann, berichtet Piotr Heller in der FAZ aus der Gedenkstätte Yad Vashem: Dort benutzt man KI, um die etwa eine Million Holocaustopfer zu identifizieren, die noch keinen Namen haben: "Seit zwei Jahren wird das Programm entwickelt, um in einem Meer aus Erinnerungen - neben den Berichten von Überlebenden gibt es über 200 Millionen Seiten aus Gerichtsakten, Urkunden, Tagebücher, Briefe, Postkarten, Dokumente der Nazis - die Opfer des Holocausts zu finden." Für Menschen ist diese Arbeit nicht nur mühsam, sondern auch horrend. Aber "die KI kennt keine Emotionen. Sie basiert auf einem System des maschinellen Lernens, trainiert darauf, Entitäten in riesigen Datenmengen zu erkennen. Danach extrahiert sie Zusammenhänge: Welcher Vorname gehört zu welchem Nachnamen? In welchem Verhältnis stehen zwei Personen? Wie Puzzleteile setzt sie Datenpunkte zusammen, bis sich das Bild eines Menschen ergibt. ... 200 Identitäten habe die KI bereits erkannt, erklärt [Alexander] Avram", der die zentrale Datenbank der Holocaustopfer leitet.

In weniger sinnvollen Angelegenheiten - dem automatischen Erstellen von Bildern, Videos und Podcasts - neigt sich der KI-Hype dem Ende zu, glaubt Michael Moorstedt in der SZ. "'Die anfängliche Begeisterung für KI-Tools', schreibt etwa die Unternehmensberatung Ernst & Young in einem Bericht, sei 'einer zunehmenden Ermüdung gewichen, da automatisierte Inhalte digitale Plattformen mit vorhersehbaren und uninspirierten Texten überschwemmen. Unternehmen und Privatpersonen automatisieren ihre Kommunikation in großem Umfang, aber das Publikum sucht nach Authentizität und menschlichen Nuancen.' Die gefühlte Ernüchterung lässt sich auch quantitativ belegen: Mehr als 50 Prozent der Befragten stehen laut einer Pew-Studie KI-Inhalten mittlerweile skeptisch bis ablehnend gegenüber."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.10.2025 - Digitalisierung

Was ist "Slop"? Sebastian Esser erklärt in seinem stets lesenswerten Neue-Medien-Newsletter "Blaupause" einen seit einiger Zeit kursierenden Begriff, der für die Zukunft nichts Gutes verheißt: "Dieser Begriff hat Karriere gemacht. Ich war Ende vergangener Woche auf den Münchner Medientagen, und dort war auf quasi jedem Konferenz-Panel von Slop die Rede. Alle schienen wissend mitzunicken. Nach dem Motto: 'Welcome to my world.' 'Slop' ist eine Wortschöpfung ähnlich wie 'Spam' aus der E-Mail-Ära, die ein nerviges neues Problem benennt. Seit Mitte letzten Jahres nutzten auch große Medien das Wort. Slop heißt wörtlich übersetzt etwa 'Schlamm' oder 'glitschiger Abfall' und bezeichnet die Flut an KI-generierten Inhalten, die gerade das Internet überschwemmt. Ich stelle mir dabei gern etwas Braun-Grünes vor, das aus einem Rohr quillt."
Stichwörter: Slop, Künstliche Intelligenz

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.10.2025 - Digitalisierung

Im Interview mit der SZ erzählt Taiwans pfiffige Ex-Digitalministerin Audrey Tang, die gerade mit dem "Alternativen Nobelpreis" ausgezeichnet wurde, wie man digitale Technologien auch benutzen kann, um die Demokratie zu stärken. "2014 sagten bei uns nur neun Prozent, dass sie den staatlichen Institutionen vertrauen, 2020 waren es dann über 70 Prozent. Um das Vertrauen der Bürger zurückzugewinnen, muss umgekehrt erst mal die Regierung den Menschen radikal vertrauen, so einfach ist das. Und mit Vertrauen in die Menschen meinen wir konkret, dass wir die Menschen selbst die nationale Agenda festlegen lassen. Also haben wir eine digitale Bürgerbeteiligungsplattform ins Leben gerufen, damit junge Menschen beispielsweise sagen können: 'Lasst uns eine Stunde später zur Schule gehen, denn wenn wir ausgeschlafen sind, schreiben wir bessere Noten.' Wichtig sei aber auch, Empörungswellen mit Hirn und Humor frühzeitig das Wasser abzugraben: "Der Schlüssel liegt darin, divergierende Gruppen nicht weiter gegeneinander aufzubringen, sondern im Gegenteil einen gemeinsamen Nenner zu finden. Sie können Aussagen eines Mitbürgers zustimmen oder widersprechen. Danach sehen Sie eine Visualisierung, in der sich Ihr Avatar auf eine Gruppe von Menschen zubewegt, die ähnlich abgestimmt hat wie Sie. Entscheidend ist, dass wir einen 'Brückenbonus' anbieten: Menschen, die Ideen entwickeln, die beide Seiten ansprechen, werden belohnt. Wir haben den Anreiz für virale Verbreitung also von Empörung zu Konsens umgelenkt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.10.2025 - Digitalisierung

Der Ökonom Terry Gregory erklärt im Interview mit dem Spiegel, warum es ein Mythos ist, dass KI vielen Menschen die Jobs wegnehmen wird: "Tatsächlich bestehen Berufe aus Bündeln von Tätigkeiten. Von denen können in der Regel einige automatisiert werden. Wenn dann bestimmte Tätigkeiten wegfallen, gewinnen andere Aufgaben an Gewicht. Wir sehen das immer wieder. Wenn man das berücksichtigt, fällt das Automatisierungspotenzial deutlich geringer aus. Meine Kollegen und ich sind in einer Studie für die Industrieländerorganisation OECD zum Beispiel auf Werte von um die zehn Prozent gekommen. Ganz wichtig: Auch das heißt noch lange nicht, dass zehn Prozent der Leute danach keinen Job mehr haben. Es bedeutet, dass jeder zehnte Job einem starken Wandel durch Technik ausgesetzt ist."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.10.2025 - Digitalisierung

Der Messenger Signal funktioniert ähnlich wie Facebook, wird aber von Spenden finanziert, nicht durch Ausbeutung privater Daten und Werbung. In der taz unterhält sich Svenja Bergt mit Signal-Chefin Meredith Whittaker, die die Privatheit von zwei Seiten unter Druck sieht: von den Staaten, die die Verschlüsselungen weghaben wollen, und von den KI-Plattformen, die sich noch ins Privateste hineindrängen, weil ihre Qualität "mit der Menge der Daten, die sie auswerten können, steht und fällt". Sie warnt, dass wir in einer Welt der "chilling effects" landen könnten - in der die überwachten Individuen sich bestimmte Regungen oder Äußerungen gar nicht mehr gestatten: "Wir würden die Grenzen des Vorstellbaren und des Diskutierbaren nach und nach immer weiter verengen. Das ist eine schreckliche Vorstellung. Vor allem, weil wir in einer Welt leben, in der sich gerade so viel verändern müsste, denken wir etwa an den Klimawandel. Und in der es so wichtig ist, sich unterschiedliche Möglichkeiten vorzustellen, wie die Zukunft sein könnte oder sich ein Problem lösen ließe - ohne immer gleich in alten Strukturen oder Sachzwängen gefangen zu sein."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.10.2025 - Digitalisierung

Vor 55 Jahren trat das hessische Datenschutzgesetz in Kraft, erinnert in der SZ Heribert Prantl. "Dieses Gesetz war eine Großtat, es setzte eine zukunftsweisende Idee in die Welt." Und der droht jetzt "maximale Gefahr" mit dem Versuch der EU, zwecks Kriminalitätsbekämpfung eine anlasslose Massenüberwachung zu ermöglichen, die alle private Kommunikation einbezieht. "Diese Chatkontrolle-Verordnung, über die der EU-Ministerrat am kommenden Dienstag abstimmt, soll der Prävention und Bekämpfung sexueller Gewalt an Kindern dienen. Das ist ein berechtigtes Ziel, das aber nicht mit unberechtigten Mitteln verfolgt werden darf, wie sie die EU ins Auge fasst", so Prantl, der Kritiker des Datenschutzes auch daran erinnert, dass Datenschutz nicht Täterschutz ist, "sondern Schutz vor Tätern, die mit Daten Schindluder treiben; zu dieser Schindluderei zählt es auch, wenn die Gatekeeper von Big Tech ihre Marktmacht ausnutzen, um die Daten ihrer Kunden abzugreifen und deren Profile dann zu Geld machen."

"Bislang hatte Deutschland, vertreten durch die inzwischen abgelöste Ampelregierung, die brisanten Vorschläge auf EU-Ebene nicht abgenickt", berichtet Anna Biselli in Netzpolitik. "Nach langer Unklarheit verkündete die nunmehrige schwarz-schwarz-rote Bundesregierung am Mittwoch, sie werde einer 'anlasslosen' Chatkontrolle gemäß einem Vorschlag der dänischen Ratspräsidentschaft nicht zustimmen. Aber zu welchen Kompromissen sie im EU-Rat bereit wäre und ob es rote Linien bei der deutschen Position gibt, ist bislang nicht bekannt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.09.2025 - Digitalisierung

ChatGPT hat untersucht, wofür die KI-App tatsächlich benutzt wird. Das Ergebnis ist erstaunlich, berichtet Holger Schmidt im Wirtschaftsteil der FAZ: "Im beruflichen Kontext ist das Schreiben der wichtigste Anwendungsfall. Rund 40 Prozent aller arbeitsbezogenen Nachrichten betreffen das Erstellen, Kürzen, Redigieren oder Übersetzen von Texten; praktische Anleitung folgt mit gut 20 Prozent. Programmierhilfe und andere Formen technischer Unterstützung spielen eine deutlich kleinere Rolle als oft angenommen. Das könnte allerdings daran liegen, dass ChatGPT hier sicher nicht seine Kernkompetenz hat... Besonders relevant: Zwei Drittel der Schreibaufgaben beziehen sich nicht auf vollständig neue Texte, sondern auf die Verbesserung von vorhandenen Entwürfen, also Korrektur, Stil, Struktur, Zusammenfassung oder Übersetzung. Das spiegelt den Alltag vieler Wissensarbeiter, die Texte iterativ verfeinern, statt jedes Mal bei null zu beginnen."