9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Wissenschaft

365 Presseschau-Absätze - Seite 4 von 37

9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.06.2025 - Wissenschaft

In der Zeit lässt sich Ulrich Schnabel von Anton Zeilinger erklären, warum die Quantenphysik so unverständlich ist. Man darf sie sich eben nicht vorstellen wollen, erklärt ihm der Physiker (der seinen Nobelpreis am Ende von Seite 4 seines Lebenslaufs nennt): "Das ist wie mit der biblischen Devise: 'Du sollst dir kein Bildnis machen.' Vorstellungen führen uns in die Irre. Die Quantenphysik lehrt uns, dass wir die Wirklichkeit nicht ganz erfassen können. Was wir erfassen können, sind nur Messergebnisse. Und das sind letztlich Aussagen über die Versuchsanordnung - nicht über die Wirklichkeit an sich."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.06.2025 - Wissenschaft

Donald Trump hat ja mit Robert F. Kennedy Jr. einen Impfgegner zum Gesundheitsminister gekürt. Dieser erklärte nun in einer Videoansprache, dass die USA die Mittel für die internationale Impfallianz Gavi streichen wird, berichtet Hansjürgen Mai in der taz. Erst solle die Organisation wieder das internationale Vertrauen zurückgewinnen: "Der 71-Jährige gab der Organisation auch einen Ratschlag, wie sie dies bewerkstelligen könnte. 'Berücksichtigen Sie die besten verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse, auch wenn diese etablierten Paradigmen widersprechen. Solange das nicht geschieht, werden die Vereinigten Staaten Gavi nicht weiter unterstützen.' Gavi bestritt die von RFK Jr. geäußerten Anschuldigungen und erklärte in einer Pressemitteilung, dass die Sicherheit und Gesundheit von Kindern oberste Priorität hätten."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.06.2025 - Wissenschaft

In der SZ macht sich Christina Berndt angesichts des politischen Drucks auf Universitäten in Amerika große Sorgen um die Wissenschaften - auch bei uns, denn auch in Deutschland versuchen Populisten "alternative Fakten" durchzusetzen: "Natürlich irren immer wieder auch die Fachleute. Wissenschaft sei sogar 'der Glaube an die Unwissenheit von Experten', sagte einmal der für seine Bonmots bekannte Physik-Nobelpreisträger Richard Feynman. Aber es ist die freie Wissenschaft, die letztlich den besten Weg dafür eröffnet, die Wahrheit herauszufinden. ... Somit bedeutet die Beschränkung der Wissenschaftsfreiheit nicht weniger als ein Zurückfallen vor die Zeit der Aufklärung, als die Kirche der Bevölkerung ihre Wahrheit aufzwingen konnte. 'Religion ist eine Kultur des Glaubens, Wissenschaft eine Kultur des Anzweifelns' - auch das hat Feynman gesagt. Gerade scheint die Menschheit wieder in diese Kultur des Glaubens katapultiert zu werden, da Verschwörungsmythen und die Faszination Bauchgefühl den Fakten den Rang ablaufen. Das betrifft längst nicht mehr nur die USA."
Stichwörter: Wissenschaftsfreiheit

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.06.2025 - Wissenschaft

Im Blick auf Donald Trumps und Robert F. Kennedy Jr.s verstärkten Kampf gegen die Universitäten, denken der Soziologe Armin Nassehi und der Neuroendokrinologe Matthias Tschöp in der SZ über Wissenschaftsfreiheit nach und stellen fest: Ohne Freiheit keine Wissenschaft. Die "Gängelungs- und Kontrollversuche gegenüber der Wissenschaft schaden gesellschaftlich relevantem Wissen, einem Wissen, das für die Lösung großer Herausforderungen dringend benötigt wird. Das gilt übrigens für alle möglichen Forschungsfelder - man denke bloß an die weltweite Vernetzung der Klimaforschung, die sozialwissenschaftliche Forschung oder die vielfältigen Fragestellungen rund um die KI. All das wäre ohne weltweite Kooperation kaum mehr kompatibel, wichtige Diskursräume würden zerstört. Dennoch wird ausgerechnet jetzt gewissermaßen eine Renationalisierung und Regierungskontrolle von Publikationsformen und bald sicher auch der Datenerhebung und der Datennutzung gefordert."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.06.2025 - Wissenschaft

Ulrich Dirnagl und Daniel Strech, Mediziner an der Charité und Anhänger der "Open-Science"- Bewegung beobachten in der FAZ (eigentlich gestern schon) mit Sorge, wie sich die Trump-Regierung gewisse Versatzstücke wissenschaftlicher Transparenz aneignet, um zugleich die Entscheidungsmechanismen darüber, was Wissenschaft ist, der Regierung zu unterwerfen: "Die Sprache wissenschaftlicher Reformen wird übernommen, bis sie eine politisch gesteuerte Evidenzordnung legitimiert", so die beiden Autoren. "Wissenschafts- und Technikforscher sprechen hier von 'Epistemic Capture': Nicht einzelne Ergebnisse werden zensiert, sondern die Regeln der Gültigkeit umgeschrieben. Wer festlegt, welche Daten offen genug oder welche Modelle reproduzierbar sind, legt auch fest, was als Wissen zählt. Demokratische Verfahren brauchen dagegen eine klare Trennung: Politik entscheidet über Werte und Prioritäten, Wissenschaft über Evidenz und Methoden."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.06.2025 - Wissenschaft

Auch auf den Natur- und Wissenschaftsseiten der FAZ kritisierte gestern der Informatiker und Präsident der Israelischen Akademie der Wissenschaften David Harel die israelische Kriegsführung in Gaza und machte darauf aufmerksam, dass die deutsche Unterstützung der Regierung Netanjahu für Israel nach hinten loszugehen droht: "Die Europäische Union hat angekündigt, ihr Assoziierungsabkommen mit Israel zu überprüfen, einschließlich unserer Beteiligung am Forschungsrahmenprogramm 'Horizont Europa'. Dessen großzügige Grants des Europäischen Forschungsrates sind für uns in der israelischen Wissenschaft von unschätzbarem Wert. Brüssel überprüft derzeit, ob Israel gegen Artikel 2 des Menschenrechtsabkommens der Vereinten Nationen verstößt. Hier zeigt sich die Verbindung zwischen Gaza und Wissenschaft: eine Fortsetzung des Kriegs und weitere Gewalt sowie die Vertreibung und weitere Gebietseroberungen führen womöglich zur Reduzierung der Finanzierung der israelischen Forschung. Sie führen zu weniger Kooperation und damit zu weniger Innovation, weniger Hightech und schließlich zu einem deutlich geschwächten Staat Israel."
Stichwörter: Europäische Union

9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.05.2025 - Wissenschaft

Verschwendung von Steuergeldern, zweifelhafte "Diversity"-Klauseln - amerikanische Universitäten haben viele Fehler gemacht, weiß Yascha Mounk in der Welt: "Und ja, in manchen Ecken so gut wie jeder amerikanischen Hochschule - auch in Harvard - wimmelt es inzwischen von ideologischem Unsinn. Aber wie andere bedeutende Institutionen, die massiv unter Beschuss geraten sind, bleibt Harvard zugleich führend in zentralen Forschungsfeldern - von Halbleitern bis zur Künstlichen Intelligenz. Wenn Trump wirklich daran interessiert wäre, dass Amerika in den nächsten Jahrzehnten Konkurrenten wie China überflügelt, müsste er erkennen, dass es für das Land ein sehr schlechtes Geschäft ist, seine Zukunftsindustrien zum Kollateralschaden eines ideologischen Kriegs gegen woke Professoren im Fachbereich Amerikastudien zu machen."

In der SZ kommentiert Alexander Görlach: "Wer meint, dass Trump nur ein Exempel an einer von sich selbst zu sehr eingenommenen Elite-Institution statuieren will, der irrt. Im zeitlichen Umfeld von Trumps Attacke auf Harvard spielte der Sprecher des Repräsentantenhauses, der Republikaner Mike Johnson, mit dem Gedanken, die Bundesgerichte zu 'eliminieren', sollten sie weiter Urteile fällen, die Trump missfallen. Die Attacken auf die Gerichte, die Universitäten und die Medien ergeben das Bild eines gleichgeschalteten Trump-Amerikas, das dem der Oligarchie, mit der Wladimir Putin die Menschen in Russland geißelt, in nichts nachsteht. Trump schafft alle checks and balances ab, die ihm und seinen Kumpanen dabei im Weg stehen, sich weiter zu bereichern."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.05.2025 - Wissenschaft

Die Astronomin Aparna Venkatesan macht sich im Gespräch mit Sophie Tiedemann von der taz Sorgen über die Lichtverschmutzung, nicht nur auf der Erde. Die Tausenden Satelliten in der Umlaufbahn erzeugen Reflexionen, die die Teleskope behindern, erläutert sie. "Außerdem kommt es insgesamt zu einer Aufhellung des Himmels durch die schiere Menge leuchtender Punkte... Dass heute fast niemand mehr dunkle Sternenhimmel oder die Milchstraße sehen kann, bereitet mir Sorgen. Denn wir schützen und schätzen nur das, was wir kennen. Wenn wir den Himmel, den die Menschheit über Jahrtausende gekannt hat, nicht mehr erleben - wie sollen wir dann den Geschichtenerzähler*innen und Wissenschaftler*innen von morgen zeigen, was wir einst hatten? Das ist keine bloße Nostalgie nach einer vergangenen Zeit. Der Himmel war einst unser natürlicher Referenzrahmen, etwas, an das wir uns biologisch, kulturell und spirituell angepasst haben. Das will ich verteidigen. Ich halte es für ein zentrales menschliches und ökologisches Recht."
Stichwörter: Lichtverschmutzung

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.05.2025 - Wissenschaft

Christian Strowa, der Leiter des Deutsch Akademischen Austauschdienstes in New York, fasst im Welt-Gespräch die Lage für ausländische Wissenschaftler in den USA zusammen. Grund zur Panik besteht ihm zufolge nicht - alarmierend klingt aber eigentlich schon, was er berichtet: "Wenn ich als deutscher Studierender hier bin und ich möchte beispielsweise über Ostern meine Familie in Deutschland besuchen, kann ich das überhaupt noch machen oder riskiere ich, nicht wieder einreisen zu können? Es ist tatsächlich so, dass viele Universitäten ihren internationalen Studierenden vor dem 'Spring Break' im März eine E-Mail geschickt und ihnen geraten haben, ihre Vorlesungspause in den USA zu verbringen. Deutsche Studierende sind nicht unbedingt im Fokus, aber auch vor dem Hintergrund der angeführten Antisemitismusbekämpfung wird jetzt bei der Wiedereinreise sehr viel genauer als vorher geschaut, auch auf soziale Medien. Das kannte man in diesem Ausmaß hier noch nicht. Das Auswärtige Amt hat kürzlich auch seine Reisehinweise entsprechend aktualisiert."
Stichwörter: Daad

9punkt - Die Debattenrundschau vom 07.05.2025 - Wissenschaft

Das Motto des Deutschen Akademischen Austauschdienstes, "Wandel durch Austausch", sollte nie bedeuten, dass wir andere wandeln, sondern dass der Wandel uns alle betrifft, stellt Joybrato Mukherjee, Präsident des DAAD, im Interview mit der FAZ klar. Natürlich hat der Austausch Grenzen, wie jetzt bei Russland, aber bei der Türkei, Indien und sogar China gilt das nicht: Die Türkei habe "keinen Nachbarstaat überfallen, weshalb wir weiter Kontakte pflegen und etwa an der Türkisch-Deutschen Universität in Istanbul festhalten. Ein Rückzug aus Indien steht nicht zur Debatte, im Gegenteil: Wir wollen die Partnerschaft ausbauen. Ich selbst stehe der Hindutva-Ideologie sehr kritisch gegenüber, aber das Agieren der aktuellen indischen Regierung ist in ihren Konsequenzen für die Wissenschaft doch weit entfernt von dem, was wir etwa gerade in den USA erleben. Wir haben in Indien mit dem Supreme Court einen bemerkenswert stabilen Pfeiler eines funktionierenden Rechtsstaates. ... Auf die Kooperation mit China werden wir schon allein deshalb nicht verzichten können, weil wir uns ansonsten von wichtigen technologischen Entwicklungen ausschlössen. Wir müssen aber auf die Spielregeln achten."