9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Wissenschaft

372 Presseschau-Absätze - Seite 4 von 38

9punkt - Die Debattenrundschau vom 29.07.2025 - Wissenschaft

In der FAZ versucht Dietmar Dath zu erklären, warum KI nicht versteht, was "neu" ist, auch wenn die britische Initiative namens Metascience Novelty Indicators Challenge (MetaNIC) fest daran glaubt. Dath lässt sich das auf einer Autofahrt von einer "Expertin für ionische Flüssigkeiten" erläutern: "In Nature hat Benjamin Steyn vom UK Metascience Unit Mitte Juni erklärt, warum er MetaNIC unterstützt: Die dabei benutzten KI-Systeme, sagt er, könnten 'die Bedeutung von Wörtern und Sätzen' in MINT-Fachsprache erfassen, 'nicht nur deren Häufigkeiten'. 'Was er hier unter Bedeutung versteht', sagt die Frau am Steuer, 'ist aber gar nicht so weit weg von dem, was er Häufigkeiten nennt. Zeichenbedeutung wird in der KI als bedingte Wahrscheinlichkeit von Nachbarschaften zu anderen Zeichen in Erklärungen und anderen Trainingsdaten aufgefasst, korrelativ, vermittelt über Gewichtungen, zu Ausgabewahrscheinlichkeiten hochgerechnet. Wer nicht weiß, wie das funktioniert, muss dem Steyn einfach glauben, das ärgert mich.'"

Fast hundert Jahre, nachdem Werner Heisenberg 1925 die Quantenmechanik vorgestellt hatte, trafen sich rund dreihundert Quantenphysiker auf Helgoland, um zu besprechen, wieviel weiter sie damit gekommen sind. Es ist immer noch unmöglich, mit der Quantentheorie eine objektive Realität zu beschreiben, lernt Ulf von Rauchhaupt (FAZ): "Insbesondere in den Fragerunden und Kaffeepausen dominierte nicht selten eine Stimmung gespannter Ratlosigkeit. Gemma De les Coves, eine renommierte mathematische Physikerin von der Universität Barcelona, machte sie sogar zum sogar Hauptmotiv ihres Vortrags: 'Ich verstehe die Quantenmechanik nicht', erklärte die junge Professorin unverblümt, 'dabei arbeite ich seit Jahren darüber. Aber das ist ziemlich verbreitet, denke ich.'" Was die Anwesenden nicht daran hinderte, interessante Interpretationsvorschläge zu machen. 

In der FR erinnert Michael Hesse an das Helgoland-Erlebnis von Werner Heisenberg.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 25.07.2025 - Wissenschaft

In der Welt schreibt der Sprachwissenschaftler Wolfgang Krischke zum hundertsten Todestag von Gottlob Frege, dem in Wismar geborenen "Begründer der modernen Logik und Wegbereiter der analytischen Philosophie, die die Zusammenhänge zwischen Sprache, Mathematik und logischem Denken durchleuchtet". Frege war brillant, ist aber auch heute kaum bekannt, weil ihm außer Koryphäen wie Bertrand Russell, Ludwig Wittgenstein oder Rudolf Carnap kaum jemand folgen konnte. "Freges Ziel war die Entwicklung einer streng logisch aufgebauten Symbolsprache nach dem Vorbild der Algebra. Sie sollte das 'reine Denken' eins zu eins wiedergeben, ohne die Vagheiten und Täuschungen der 'Wortsprachen'. So nannte Frege die natürlichen Sprachen wie Deutsch, Französisch oder Latein", erklärt Krischke.
Stichwörter: Frege, Gottlob

9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.07.2025 - Wissenschaft

Donald Trump und sein Gesundheitsminister Robert F. Kennedy kämpfen an den Unis nicht einfach gegen woke Theorien, sondern auch gegen Wissenschaft, die ihre Erkenntnisse noch nach in der Aufklärung begründeten Prinzipien gewinnen - also auch Naturwissenschaften. Nun will Kennedy den Forschern vorschreiben, wo sie publizieren. Heike Schmoll zeigt sich im Leitartikel der FAZ alarmiert: Wissenschaft solle "sachfremde Kriterien und Ansprüche" vermeiden: "Universitäten dürfen deshalb keine Arenen des politischen Meinungskampfes sein, weil sie damit ihrer Kernaufgabe, dem Ringen um Erkenntnisfortschritt in Forschung und Lehre, nicht mehr nachkommen können."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.07.2025 - Wissenschaft

In der FAZ plädieren die Militärhistoriker Sönke Neitzel und Christian E. Rieck angesichts des russischen Angriffs auf die Ukraine dafür, die Zivilklauseln an deutschen Universitäten aufzuheben, die jede Verbindung zur Verteidigungsindustrie, den Streitkräften oder den Nachrichtendiensten untersagen. Sie seien nicht mehr zeitgemäß und der Grund dafür, dass es "an deutschen Universitäten bis heute kaum Forschung und Lehre im Bereich der Strategischen Studien, der Intelligence Studies oder der Militärgeschichte" gibt. "Eine Folge davon ist, dass es der Politik, den Parteien, den Stiftungen, den Denkfabriken und den Medien an Mitarbeitern mit einer soliden sicherheitspolitischen Expertise fehlt. Eine Zeitenwende für die Universitäten würde bedeuten, einschlägige Studiengänge aufzubauen, aber auch zu einem Drehtürmodell zu finden, in dem diese Expertise sich sehr viel stärker als bisher zwischen Wissenschaft, Verwaltung, Industrie, Streitkräften, Beratung und Medien frei bewegen kann."
Stichwörter: Neitzel, Sönke

9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.07.2025 - Wissenschaft

Die FAZ bringt auf ihrer "Gegenwart"-Seite einen wissenschaftspolitischen Rundumschlag von Bettina Rockenbach, der Präsidentin der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina. Sie äußert sich in dem Text, der auf einer Rede beruht, zu den wissenschaftpolitischen Umtrieben der Trump-Regierung, Cancel Culture und anderen Themen. Und sie tritt klar gegen die Idee eines Israel-Boykotts ein: "Die Akademie und ihre Mitglieder sind entschlossen, allen Boykottaufrufen entschieden entgegentreten, ebenso den Bestrebungen, die Assoziierung Israels mit dem EU-Forschungsrahmenprogramm infrage zu stellen. Angriffe dieser Art auf die Wissenschaftsfreiheit in der internationalen Zusammenarbeit sind nicht zuletzt angesichts der wichtigen Rolle, die israelische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für die Verteidigung des liberalen Rechtsstaats in Israel spielen, widersinnig und kontraproduktiv."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.07.2025 - Wissenschaft

Buch in der Debatte

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Der Artenschwund ist größtenteils nicht durch den Klimawandel zu erklären, sagt der Biologe Matthias Glaubrecht, Autor des Buchs "Das stille Sterben der Natur", im Gespräch mit dem Ellen Daniel und Michael Miersch auf miersch.media. Ursachen seien eher Rodungen und landwirtschaftliche Nutzung. Aber das Thema des Artenschwunds habe leider eine sehr viel schwächere Lobby als der Klimaschutz: "Viele glauben, dass der Klimawandel das alles bestimmende Umweltproblem ist. Sie nehmen an, dass der Artenschwund ein Effekt der Klimaerwärmung sei. Nach Vorträgen haben mir Zuhörer schon vorgeworfen, dass ich die Erderwärmung verharmlosen würde, wenn ich auf das Artensterben aufmerksam mache. Dabei sage ich jedes Mal, dass die menschengemachte Erwärmung zu gigantischen Veränderungen der Umwelt führen wird - aber nicht die Ursache des Artenschwundes ist."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 01.07.2025 - Wissenschaft

Kaum waren die ersten Nachrichten vom Konflikt zwischen der Harvard University und der Trump Administration da, hofften europäische Universitäten schon bald vom brain drain aus den USA zu profitieren, konstatiert Thomas Steinfeld in der SZ. Dies könnte auch eine historisch gewachsene Ungerechtigkeit zwischen dem europäischen und US-amerikanischen System korrigieren. "Die besten US-Universitäten waren nie etwas anderes als Unternehmen, und wenn sie, wie Harvard, über ein Vermögen von mehr als fünfzig Milliarden Dollar verfügen (der jährliche Etat der Humboldt-Universität zu Berlin liegt bei knapp einer halben Milliarde), so muss sich ein potenzieller Konkurrent überlegen, was er hat und was er tut. (...) Die Entstehung bahnbrechender Gedanken hängt nicht nur vom Genie der Professoren ab, sondern auch von der Ausrüstung des wissenschaftlichen Apparats. Und weil das so ist, weil also Erfolg immer mehr Erfolg hervorbringt, muss sich der Abstand der Gewinner zu den Verlierern permanent vergrößern. Die politischen Schwierigkeiten, mit denen eine Universität wie Harvard nunmehr konfrontiert ist, geben den Unterlegenen Anlass zu der Hoffnung, es möge, aus gänzlich äußeren Gründen, zu einer in ihrem Sinn glücklichen Korrektur der Rangordnung kommen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.06.2025 - Wissenschaft

In der Zeit lässt sich Ulrich Schnabel von Anton Zeilinger erklären, warum die Quantenphysik so unverständlich ist. Man darf sie sich eben nicht vorstellen wollen, erklärt ihm der Physiker (der seinen Nobelpreis am Ende von Seite 4 seines Lebenslaufs nennt): "Das ist wie mit der biblischen Devise: 'Du sollst dir kein Bildnis machen.' Vorstellungen führen uns in die Irre. Die Quantenphysik lehrt uns, dass wir die Wirklichkeit nicht ganz erfassen können. Was wir erfassen können, sind nur Messergebnisse. Und das sind letztlich Aussagen über die Versuchsanordnung - nicht über die Wirklichkeit an sich."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.06.2025 - Wissenschaft

Donald Trump hat ja mit Robert F. Kennedy Jr. einen Impfgegner zum Gesundheitsminister gekürt. Dieser erklärte nun in einer Videoansprache, dass die USA die Mittel für die internationale Impfallianz Gavi streichen wird, berichtet Hansjürgen Mai in der taz. Erst solle die Organisation wieder das internationale Vertrauen zurückgewinnen: "Der 71-Jährige gab der Organisation auch einen Ratschlag, wie sie dies bewerkstelligen könnte. 'Berücksichtigen Sie die besten verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse, auch wenn diese etablierten Paradigmen widersprechen. Solange das nicht geschieht, werden die Vereinigten Staaten Gavi nicht weiter unterstützen.' Gavi bestritt die von RFK Jr. geäußerten Anschuldigungen und erklärte in einer Pressemitteilung, dass die Sicherheit und Gesundheit von Kindern oberste Priorität hätten."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.06.2025 - Wissenschaft

In der SZ macht sich Christina Berndt angesichts des politischen Drucks auf Universitäten in Amerika große Sorgen um die Wissenschaften - auch bei uns, denn auch in Deutschland versuchen Populisten "alternative Fakten" durchzusetzen: "Natürlich irren immer wieder auch die Fachleute. Wissenschaft sei sogar 'der Glaube an die Unwissenheit von Experten', sagte einmal der für seine Bonmots bekannte Physik-Nobelpreisträger Richard Feynman. Aber es ist die freie Wissenschaft, die letztlich den besten Weg dafür eröffnet, die Wahrheit herauszufinden. ... Somit bedeutet die Beschränkung der Wissenschaftsfreiheit nicht weniger als ein Zurückfallen vor die Zeit der Aufklärung, als die Kirche der Bevölkerung ihre Wahrheit aufzwingen konnte. 'Religion ist eine Kultur des Glaubens, Wissenschaft eine Kultur des Anzweifelns' - auch das hat Feynman gesagt. Gerade scheint die Menschheit wieder in diese Kultur des Glaubens katapultiert zu werden, da Verschwörungsmythen und die Faszination Bauchgefühl den Fakten den Rang ablaufen. Das betrifft längst nicht mehr nur die USA."
Stichwörter: Wissenschaftsfreiheit