"Es wird jetzt
ernst für Israel - und für die Bundesregierung", konstatiert Thomas Gutschker in der
FAZ mit Blick auf Drohungen der EU, die Teilnahme Israels am
Forschungsprogramm Horizon Europe zu stoppen. Es handelt sich dabei um eines der größten öffentlichen Förderprogramme weltweit, in dem Israel durch das Assoziierungsabkommen teilnimmt. Feierliche
Erklärungen gegen Israel-Boykott scheinen also vorerst vergessen. In der EU braucht es "eine qualifizierte Mehrheit, was in der Praxis nur möglich ist, wenn Berlin sich nicht länger schützend vor Tel Aviv stellt", erläutert Gutschker und findet den Vorstoß besonders deshalb "
bemerkenswert, weil das Assoziationsabkommen im Regelfall vorsieht, dass beide Seiten
einen Assoziationsrat halten, falls eine von ihnen Vertragsverstöße geltend macht. Eine Ausnahme davon ist nur bei '
besonderer Dringlichkeit' möglich. Die Kommission sieht diesen Fall nun wegen der 'sich rapide verschlechternden humanitären Lage im Gazastreifen' gegeben."
"Den Gegnern Israels - und von denen gibt es in den europäischen Institutionen reichlich - geht das Ganze natürlich nicht weit genug",
kommentiert Michael Thaidigsmann in der
Jüdischen Allgemeinen. "Sie werden weiter dafür trommeln, dass die EU Israel zu
einer Art Aussätzigen unter den Nachbarstaaten erklärt. Und egal, wie lange der Krieg in Gaza noch andauern wird: Die Beziehungen zwischen Israel und Europa werden auf lange Zeit hinaus schwer gestört sein. Ob sie
überhaupt reparabel sind, muss sich erst noch zeigen."
Auf den Geisteswissenschaftenseiten der
FAZ würdigt
Uwe Walter sechzig Jahre "
Fischer Weltgeschichte", die sich nicht nur durch ihr
Taschenbuchformat auszeichnete, sondern auch durch den Verzicht auf einen verantwortlichen starken Herausgeber, junge Autoren und eine große Aufmerksamkeit für die Welt außerhalb Europas. Das Ergebnis war alles in allem phantastisch, wenn es auch nicht von jedem goutiert wurde: "Qualität und formatbedingte Wahrnehmung konnten auch unerwünschte Effekte zeitigen.
Bahnbrechende Synthesen wurden in der Fachwelt kaum wahrgenommen und weitergedacht, weil sie 'nur' im billigen und ephemeren Taschenbuch daherkamen, dessen Lektüre durch Studenten eher hinzunehmen denn erwünscht war." Walter empfiehlt wärmstens eine Wiederentdeckung.
Außerdem in der
FAZ: Friedrich Weissbach berichtet über eine Konferenz zu
Frantz Fanon und die Dekolonialismusdebatte, die er offenbar recht ergiebig fand, wenn auch etwas sehr harmonisch: "Das war streckenweise irritierend, etwa wenn die Ansicht, dass das
Handeln der Hamas ein dekolonialer Befreiungskampf sei, unkommentiert blieb." Hans Hütt hörte einen Berliner Vortrag von
Philip Manow über
liberale Politik und Populismus. Und Thomas Thiel denkt über die Ironie nach, dass
autoritäre Parteien, die ihren Aufstieg ihrer
Kritik an Neoliberalismus und Globalisierung verdanken, jetzt selbst neoliberal handeln, wie zum Beispiel Donald Trump mit seiner "big beautiful bill". In der
Zeit schreibt Robert Gast zu 100 Jahren
Quantenphysik.