Marouane Bakhti

Wie man aus der Welt verschwindet

Roman
Cover: Wie man aus der Welt verschwindet
März Verlag, Berlin 2025
ISBN 9783755000501
Gebunden, 148 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Arabel Summent. Jeder fragt nach seiner Identität. Schwul? Muslim? Franzose? Marokkaner? Anstatt sich für eine Seite zu entscheiden, schreibt er ein Buch. Ein Buch über den Wald und die Stadt, Paris und Tanger, Scham und Vergebung, Dating-Apps und spirituelle Entdeckungen. Ein Buch über das Aufwachsen als Kind der Diaspora im ländlichen Frankreich, mit Wünschen, die sich nicht für immer unterdrücken lassen. Da ist sein strenger marokkanischer Vater, der von ihm verlangt, sich wie ein Junge zu verhalten. Also färbt er sich die Haare, um ihn zu provozieren. Der Streit eskaliert und er hat endlich einen Grund, von daheim zu verschwinden. Auf den Dating-Apps suchen Männer nach "frischem arabischen Fleisch", was ihn anwidert. Und dennoch verschwindet er begierig in ihrer Lust. Als der Vater seines Vaters stirbt, muss er sich seiner Familie erneut stellen.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 31.07.2025

"Schmerzhaft und berührend" ist die Entwicklung, die der Protagonist in Marouane Bakhtis Debütroman durchmacht, findet Rezensentin Sarah Linßen. Das Gefühl der Fremdheit herrscht im Leben des jungen namenlosen Helden, dessen Vater Marrokaner und dessen Mutter Französin ist. Im ländlichen Frankreich erfährt er Rassismus, beim marrokanischen Zweig seiner Familie verwehren im Sprachbarrieren und kulturelle Unterschiede die Identifikation. Vor allem seine Homosexualität, die er nach und nach entdeckt entfremdet ihn da wie dort, lesen wir. Zuweilen "kompromisslos" explizit ist die Sprache des Romans, der sich unter anderem aus kurzen Szenen, Erinnerungsschnipseln und Reflexionen des Erzählers zusammensetzt, erklärt die Kritikerin. Die Erzählung reicht von einer unglücklichen Jugend, zu einer befreiteren Zeit in Paris, in der der Erzähler sein Schwulsein ausleben kann, aber sich immer noch alleine fühlt, zu einer späten Annäherungsphase zwischen Vater und Sohn. Ein migrantisches Schicksal als "Zustand des Dazwischen-Seins" verhandelt Bakhti hier mit großer Sensibilität, lobt die Kritikerin, die auf jeden Fall überzeugt ist. 

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 02.07.2025

Rezensent Ingo Arend sieht den jungen Pariser Kunstjournalisten Marouane Bakthti mit seinem Debütroman über einen schwulen jungen Mann, der als Sohn eines Marokkaners und einer Französin in der französischen Peripherie aufwächst, durchaus in der Tradition von Annie Ernaux oder Edouard Louis. Dennoch scheint dem Kritiker der von Identitätssuche und Ausgrenzung fragmentierter, gestaltet Bakthi doch einen emotional überschäumenden Mix aus Erinnerungen, "Gedankenfetzen, Alltagsphilosophemen" und "surrealistischen Lyrismen", staunt Arend. Das ist funkelnd, noch nicht immer ganz reif, aber sehr lesenswert, schließt er.

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