Aus dem Englischen von Eike Schönfeld. Die bewegende Geschichte einer Familie starker Frauen, die ein besonderes Geheimnis birgt …Kerala, um 1900: Mariamma ist zwölf, als sie ihr Zuhause verlässt, um bei ihrem neuen Mann in Parambil zu leben, inmitten von Flüssen und Kanälen, Palmen und Jackfruchtbäumen. Sie vermisst ihre Mutter, und ihr Mann scheint sich kaum für sie zu interessieren. Doch bald findet sie in ihrem fünfjährigen Stiefsohn Jojo einen Gefährten, der nicht von ihrer Seite weicht. Als er, der stets das Wasser gescheut hat, bei einem Unfall ertrinkt, kommt sie einem Geheimnis ihrer neuen Familie auf die Spur: Seit Generationen gibt es immer wieder Familienmitglieder, die unerklärliche Angst vor dem Wasser haben; viele von ihnen sind ertrunken. Doch was dahintersteckt, bleibt ein Rätsel. In den folgenden Jahrzehnten wächst Mariammas Familie und sie wird zur glücklichen Mutter, Großmutter und Matriarchin "Big Ammacchi". Und auch der Fortschritt hält Einzug in Parambil. Während in der Welt Kriege toben und Indien der Befreiung zustrebt, werden in Parambil Straßen und Schulen gebaut, die Häuser mit Elektrizität versorgt und die Menschen endlich medizinisch betreut- und schließlich kann auch das Rätsel um den "Fluch des Wassers" aufgeklärt werden.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.08.2023
Rezensent Martin Kämpchen verortet Abraham Vergheses Roman in der Tradition großer indischer Epen wie dem Mahbharata. Der Autor, in Äthiopien geborener und in den USA aufgewachsener Mediziner, erzählt ihm auf knapp neunhundert Seiten die Geschichte einer Familie von Thomas-Christen aus Kerala, die über drei Generationen hinweg vom "Fluch" einer Krankheit heimgesucht wird: Sie haben Angst vor Wasser. Im Mittelpunkt steht Mariamma, die als Kind zwar zwangsverheiratet wird, sich ihrem Mann dennoch annähert und trotz des Todes ihres Stiefsohnes und der Geburt einer geistig behinderten Tochter bis ins hohe Alter der ruhende Pol der Dorfgemeinschaft bleibt, erfahren wir. Ein üppiges Figurenensemble tritt auf, zwischenzeitlich verlagert sich die Handlung nach Glasgow, der Kolonialismus und der Ausbruch von Lepra spielen ebenso eine Rolle wie der Kampf der Ärzte gegen die Krankheit, resümiert der Kritiker, den nicht mal Vergheses detailreiche medizinische Schilderungen von Operationen und Therapien abschrecken. Das brillante psychologische Einfühlungsvermögen und die große "Wucht", mit der der Autor erzählt, lassen Kämpchen sogar darüber hinwegsehen, dass ihm die Sprache leider weder subtil noch fragil, dafür mitunter nahezu "primitiv" erscheint. Und so ruft er überzeugt: "Nimm und lies!"
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