Aus dem Amerikanischen von Ilse Lutz. Für den gegenwärtigen Kapitalismus sind bestimmte Gestalten paradigmatisch: der Besitzer mehrerer Pässe, der multikulturelle Manager mit flexiblem Kapital, der "Astronaut", der zwischen Ländern hin und her pendelt, "Fallschirmkinder", die von ihren Eltern wegen deren Geschäftsverpflichtungen in einem anderen als dem Geburtsland abgesetzt werden. Kurz: Es entstehen immer mehr nomadisierende Subjekte. Aihwa Ong untersucht, von einer kulturellen Perspektive aus, die transnationalen Praktiken und Vorstellungen solcher Menschen und gleichzeitig, aus ökonomischer Perspektive, die gesellschaftlichen Bedingungen, die eine solche Flexibilität ermöglichen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 10.05.2006
Durchaus beeindruckt zeigt sich Martin Hartmann von dieser Studie. Einmal mehr wird hier der Nachweis geführt, dass die Diskussion um Globalisierung schnell "eurozentrisch" und "unangemessen" wird, wenn sie sich nicht auf die regionalen Differenzen und auf das "translokale Dazwischen" einläßt. Gerade am Beispiel Chinas zeige dieses Buch vortrefflich, dass Modernisierung keineswegs dem westlichen Modell einer "McDonaldisierung" entsprechen muss. Die Öffnung der Märkte bedeutet deshalb nicht zwangläufig auch Demokratisierung. "Der Kapitalismus stärkt das Land, indem er den Lebenstandard hebt und gleichzeitig zu einer Entpolitisierung der Bürger beiträgt." Der Rede von einer Globalisierung, die den Nationalstaat untergrabe, mag man nach dieser Studie nicht mehr recht trauen, so der Rezensent.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 18.04.2006
Rezensent Manuel Gogos sieht die Studie über flexible Staatsbürgerschaften vor dem Hintergrund einer allgemeinen Konjunktur der "Diaspora Studies". Die Autorin untersuche insbesondere am Beispiel von Auslandschinesen in Kalifornien und Hongkong das "spätmoderne Subjekt" mit mehreren Pässen, wobei Küstengebiete wie schon in der Mittelmeerkultur "prädestinierte" Orte für Diasporagemeinden bildeten. Solche Migranten, referiert der Rezensent, unterliefen einerseits die nationalstaatlichen Grenzen, gehorchten andererseits aber der Logik eines globalisierten Kapitalismus. "Revolutionäre Subjekte" würden in den Diasporaregionen jedenfalls nicht entstehen, wie es manche Globalisierungskritiker erhofften, aber dennoch kreative "Potenziale". Als geistige Väter oder Bezugspunkte von Aihwa Ongs "engagierter" Soziologie macht der Rezensent zum einen Pierre Bourdieu, Giorgio Agamben und Michel Foucault aus und zum anderen die "postkolonial" orientierten Briten Stuart Hall und James Gilroy. Mit diesem Handwerkszeug leiste die Autorin eine "luzide" Analyse von Widersprüchen der modernen Migrationswirklichkeiten, allerdings mit einer "Tendenz", so der Rezensent, zum "poststrukturalistischen" Jargon.
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