Etienne Balibar

Sind wir Bürger Europas?

Politische Integration, soziale Ausgrenzung und die Zukunft des Nationalen
Cover: Sind wir Bürger Europas?
Hamburger Edition, Hamburg 2003
ISBN 9783930908868
Gebunden, 296 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Holger Fliessbach und Thomas Laugstien. Seit wir den Euro haben, ist es mit Händen zu greifen, dass wir Bürger Europas sind. Der europäische Einigungsprozess ist nicht aufzuhalten. Er folgt einem politischen Fahrplan, auf den sich die nationalen Regierungen verständigt haben. Wohin die Reise tatsächlich gehen soll, ist allerdings umstritten. Das gilt besonders für die Frage der notwendigen Demokratisierung. Sind die Grenzen der "Staatsbürgerschaft" zu überwinden? Anhand von politischen Zeitanalysen und historisch-kritischen Analysen unserer Begriffe (Nation, Staat, Volk ...) erkundet Balibar die Bedingungen einer europäischen Einigung, die nicht "von oben" dekretiert werden kann.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 23.10.2003

Steht das Projekt Europa für die Überwindung des Nationalismus? Etienne Balibar diskutiert in seinem neuen Buch, Aufsätze und Vorträge aus den vergangenen Jahren versammelt, den Bauplan für ein demokratisches Europa sowie Fragen des europäischen Selbstverständnisses. Rezensent Andreas Eckert hat den Band mit Gewinn gelesen, auch wenn er nicht immer mit Balibar einer Meinung ist - etwa wenn Balibar befürchtet, dass die europäische Identität zur politischen und sozialen Ausgrenzung nichteuropäischer Ausländern führen könnte. Doch folgt er Balibars Grundthese, dass nicht fromme Wünsche und schöne Reden entscheidend für die europäische Zukunft seien, sondern "selbständige Initiativen des Denkens und Handelns 'von unten'.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 30.05.2003

Während Michael Ignatieff Menschenrechte als Minimalkonsens begreift und sie auf negative Freiheiten beschränkt, will sie der französische Philosoph Etienne Balibar an konkrete Bürgerrechte binden, ohne die sie in der Praxis folgenlos blieben, berichtet Rezensent Stefan-Ludwig Hoffmann. Im Anschluss an Hanna Arendts Kritik an rein idealistisch verstandenen Menschenrechten nimmt Balibar laut Hoffmann den rechtliche Umgang mit den illegalen Einwanderern, in denen er die Staatenlosen von heute sieht, als Messlatte für den inneren Zustand der europäischen Demokratien. Nur wenn es gelinge, den "Ausländern" nicht bloß abstrakte Menschenrechte, sondern konkrete Bürgerrechte zuzusprechen, sei die innere Einigung Europas möglich, fasst Hoffmann den zentralen Punkt von Balibars Argumentation zusammen. Die zukünftige Debatte um die Menschenrechtspolitik wird sich nach Ansicht Hoffmanns zwischen den Positionen von Balibar und Ignatieff abspielen. Beiden wünscht er eine breite Leserschaft.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 20.03.2003

In Brüssel arbeitet der Europäische Konvent derzeit an einer Verfassung für die EU, ein politisches Gebilde, dem bisher die Bürger fehlen. Vor diesem Hintergrund hat der Rezensent Mark Terkessidis die Aufsätze von Etienne Balibar mit großem Gewinn gelesen. Balibars Schriften handelten laut Terkessidis schon immer von dem Konzept der "Citizenship". In den Aufsätzen dieses Bandes sucht der Autor nun nach einer "aktiven europäischen Bürgerschaft" und findet sie vor der Entscheidung, sich aus nationaler Zugehörigkeit oder auf der Grundlage der Menschen- und Bürgerrecht zu konstituieren, fasst der Rezensent zusammen. Auch Balibars Schlussfolgerung, dass es in Europa zu einer "Demokratisierung der Grenzen" kommen müsse, um zu verhindern, dass sich in der "Festung Europa" staatliche Willkür ausbreitet, findet Terkessidis schlüssig entwickelt. Allein die Tatsache, dass Balibar seine Texte vor der Veröffentlichung nicht nach Wiederholungen und Überschneidungen durchgesehen hat, hat den Rezensenten etwas geärgert. Trotzdem empfiehlt er "Sind wir Bürger Europas?" angesichts der Diskussion um den Verfassungskonvent als "durch und durch lesenswert".

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