Es beginnt mit einem Kindergeburtstag im Kreis der Familie, doch nicht nur die Kirschbäume werfen ihren Schatten: Für die Eltern Teréz und Károly ist das Leben im sozialistischen Ungarn unerträglich geworden. Niemand darf von ihren Fluchtplänen erfahren - schon gar nicht die Kinder Misi und Borbála, die einem Urlaub am Plattensee entgegenfiebern und sich bald wundern müssen, als der geliebte See am Fenster vorbeifliegt. Mit viel Wagemut schaffen es die vier über die Grenze nach Italien - dort stellt sie der sich endlos dehnende Sommer im desolaten Auffanglager auf eine Probe, die keinen von ihnen unberührt lässt: Károly und Teréz werden sich fremd; der achtjährige Misi erfährt die volle Härte der Erwachsenenwelt; Borbála verliebt sich zum ersten Mal. Auch längst Vergangenes bricht auf: Teréz musste als junges Mädchen vor der heranrückenden Ostfront fliehen, Károly wurde mit seiner Mutter zwangsausgesiedelt. Die Familie droht zu zerbrechen, noch bevor sie ihr Ziel - Deutschland - erreicht ...
Akos Doma, der selbst als Jugendlicher mit seiner Familie Ungarn verließ, erzählt die Geschichte einer dramatischen Flucht. Hellsichtig und mit großer sprachlicher Kraft zeigt sein Roman, was Heimatlosigkeit und Ungewissheit im Menschen anrichten können - und wie sie ihn verändern.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.12.2016
Wiebke Porombka entdeckt weit zurückreichende Spuren von Vertreibung und Heimatlosigkeit in Akos Domas drittem Roman. Das Muster scheint ihr tragisch, das Schreiben des Autors über die Flucht der eigenen Familie aus Ungarn eine Art Erlösungsarbeit. Für die Rezensentin aber ist vor allem der aktuelle Bezug dieser Fluchtgeschichte aus dem "Wartesaal Europa" interessant, der Bericht vom Leben im Zwischenraum, in Anonymität und provisorischen Verhältissen, und von der verlorenen Zeit. Melancholisch und einfühlsam, erklärt sie, beschreibt Domas den Verlust, aber auch die Unerschütterlichkeit von Moral und Menschlichkeit bei seinen Eltern und als Kontrast, der der Rezensentin mitunter allzu pauschal erscheint, die Verkommenheit des Westens.
Dass Akos Domas "Weg der Wünsche" auf der Longlist stand, kann sich Rezensent Ronald Düker nur damit erklären, dass man unbedingt einen Flüchtlingsroman brauchte. Andere Kriterien entdeckt der Kritiker jedenfalls nicht: Die biografisch gefärbte, 1972 spielende Geschichte über eine Flucht von Budapest über Flüchtlingslager in Triest und Neapel bis Deutschland liest sich mühsam und ist voll gepackt mit Redundanzen, klagt der Rezensent. Die Figuren wirken zudem konstruiert und stecken voller Klischees, fügt der Kritiker hinzu, der auch mit der "bildungsromanhaften Pointe" nicht viel anfangen kann.
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