Aus dem Französischen von Tobias Haberkorn. Es ist nicht lange her, da waren die Verhältnisse zwischen den Generationen eindeutig festgelegt: Die Alten galten als die Hüter der Weisheit, die Jungen mussten durch Militärdienst, Beruf und Familie erst ins soziale Leben eingeübt werden. Der Kapitalismus hat diese Hierarchie durcheinandergebracht. Kaum etwas fürchtet die innovationsgetriebene Wirtschaft so sehr wie das Altern, die Jugend ist hingegen zum Symbol permanenten Fortschritts geworden. Doch der Preis für diese andauernde Erneuerung ist hoch. In den tristen Banlieues wachsen Männer heran, die für immer Jungen bleiben werden, während die Mädchen von klein auf Verantwortung übernehmen müssen. Alain Badious Versuch, die Jugend zu verderben, ist ein Manifest gegen die kapitalistische Geschichtslosigkeit, ein Plädoyer für ein Leben jenseits des ideenlosen Konsumzwangs und ein Kompass für all jene, die in unserer immerjungen Gesellschaft die Orientierung verloren haben.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 27.12.2016
Hochaktuell und zugleich sehr persönlich findet Rezensent Fritz Göttler das neue Werk des französischen Philosophen Alain Badiou, der den "Versuch, die Jugend zu verderben" seinen drei Söhnen gewidmet hat. In dem "leidenschaftlichen" Buch, in dem Badiou seine Erfahrungen seit den Unruhen der Sechziger, mit Menschen in Migrantenheimen und Fabrik-Arbeitern einfließen lässt, liest der Kritiker, dass an die Stelle der fehlenden Traditionen nicht Freiheit getreten sei, sondern die fehlende gesellschaftliche Initiation zu einer "Infantilisierung des Erwachsenseins" geführt habe. Ein Bund der Jugend mit den Alten scheint die Lösung, lernt Göttler, der diese provokative, mit "intellektuellem Pathos" vorgetragene Schrift gern empfiehlt.
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