Aus dem Spanischen von Birte Pedersen. Das kleine Königreich Bhutan hat mit seinem "Bruttosozialglück" eine eigene Formel für Glück entdeckt. In Lateinamerika schickt sich nun Ecuador an, jenseits materiell geprägter Gesellschaftsentwürfe einen eigenen Weg aufzuzeigen: "Sumak kawsay" lautet in der indigenen Sprache Quechua die Entsprechung für das viel beschworene Gute Leben - das Recht auf dieses friedvolle Zusammenleben mit der Natur ist sogar in der Verfassung des Landes verankert. "Sumak kawsay" - oder auf Spanisch "Buen vivir" - ist ein zentrales Prinzip in der Weltanschauung der Völker des Andenraums und kann als "Zusammenleben in Vielfalt und Harmonie mit der Natur" verstanden werden. Die Anknüpfungspunkte zu westlichen Vorstellungen über Nachhaltigkeit und Suffizienz sind unübersehbar - die Konfliktpunkte mit der im westlichen Kapitalismus herrschenden Wachstumsgesellschaft ebenfalls.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 08.12.2015
Sebastian Schoepp fühlt sich ganz gut aufgehoben bei Albert Acosta. Wenn der ehemalige Präsident der Verfassungsgebenden Versammlung in Ecuador eine Alternative zur westlichen kapitalistischen Moderne sucht und sie in den Lehmhütten der Anden findet, wo die Menschen zyklisch denken und auf eine Ethik der Suffizienz setzen, empfindet Schoepp zwar deutlich einen kategorialen Unterschied zwischen den beiden dargestellten Kulturen und Lebensweisen. Als Anregung zum Nachdenken über Wachstumsgrenzen und andere Perspektiven taugt ihm der Text aber allemal.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 12.03.2015
Kritiker des kapitalistischen Wachstumsparadigmas müssen nicht fortschritts- und technikfeindlich oder hochtrabend utopisch argumentieren, weiß Elisabeth von Thadden, die mehrere Bücher bespricht, die einen erfrischend unaufgeregten Weg der politischen Opposition beschreiten, wie die Rezensentin verspricht. Alberto Acostas "Buen vivir" ist das explizit politischste der Bücher, berichtet von Thadden. Der ehemalige ecuadorianische Energieminister war wesentlich an der Gestaltung der Verfassung von 2008 beteiligt, in der weltweit zum ersten Mal Rechte für die Natur verankert wurden, so die Rezensentin. In seinem Buch plädiert Acosta einerseits für eine Verbreitung des Gedanken, dass die Politik der Natur Gerechtigkeit widerfahren lassen muss, und für eine größere Berücksichtigung der Stimmen kleiner indigener Völker, die bislang aus dem internationalen Dialog weitestgehend ausgegrenzt werden, deren Ideen aber gerade für neue Perspektiven auf das gute Leben nicht zu vernachlässigen seien, fasst von Thadden zusammen.
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