In der laufenden Debatte über den Islam arbeiten sich Kritiker wie Apologeten an der jeweils anderen Position ab und drohen dabei die Sache selbst aus dem Blick zu verlieren. Demgegenüber plädiert Alexander Flores für eine Ausweitung des Horizonts über den aktuellen Tellerrand hinaus. Er kann zeigen, daß über weite Strecken der islamischen Geschichte die Hegemonie der Religion über das Leben menschliche Freiheit, Kreativität und Produktivität kaum eingeengt hat. Erst bestimmte neuzeitliche Entwicklungen haben dazu beigetragen, daß sich das bis zu einem gewissen Grad geändert hat. Die Gründe dafür liegen aber nicht zwingend in der Logik islamischen Denkens und Handelns, so daß heutige Muslime die Möglichkeit haben, ihre Religion menschenfreundlich zu verstehen, wenn sie das wollen und wenn man ihnen die Gelegenheit dazu einräumt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.05.2012
Den unpolitischen Islam im historischen Kontext, die Weltreligion, nicht die Fuchtel eines Staates lernt Rezensent Stefan Weidner in diesem, wie er findet, höchst empfehlenswerten informativen Buch von Alexander Flores kennen. Frei von Talkshowton und Spezialistentum bietet ihm der Autor souveräne sachliche Information, kompakte Vollständigkeit und eine unpolemische nachvollziehbare Sicht der Dinge. Was der Salafismus einmal war (durchaus reformatorisch) oder die Scharia (ein modernes Recht für alle) und wie sich der Koran lesen lässt - all das erfährt Weidner bei Flores. Über politische Entwicklungen, etwa den Palästina-Konflikt dagegen liest er hier nichts, doch vermisst hat er das nicht.
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