Von Jörg Döring, Felix Römer und Rolf Seubert. Alfred Andersch ist Westdeutschlands berühmtester Deserteur. Sein autobiografischer Bericht "Die Kirschen der Freiheit" (1952) beschreibt die Umstände seiner Fahnenflucht aus Hitlers Wehrmacht am 6. Juni 1944 in Italien. Aber war er überhaupt ein Deserteur? Seit in seinem Nachlass ein Text auftauchte, den Andersch schon 1945 im Kriegsgefangenenlager geschrieben hatte und in dem die Gefangennahme gar nicht als Desertion geschildert wird ("Amerikaner - Erster Eindruck"), sind Zweifel daran laut geworden, ob Andersch zu Recht in der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin als Deserteur geehrt wird. Niemals bislang ist der Versuch unternommen worden, Anderschs Selbstbeschreibung anhand militärhistorischer Quellen zu überprüfen. Das vorliegende Buch versammelt diese Dokumente und erzählt eine in Teilen andere Geschichte: "Die Kirschen der Freiheit" im Lichte der Akten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.06.2015
Als großes Verdienst der interdisziplinären Arbeit von Jörg Döring, Felix Römer und Rolf Seubert über Alfred Andersch und seine Selbstkonstruktion als Autor und moralische Instanz nach dem Krieg nennt Jochen Schimmang neben der guten Lesbarkeit die Auswertung neuer militärhistorischer Quellen und die Einordnung von Anderschs "Desertationsnarrativ" in den Werkkontext. Der Rezensent folgt den untersuchten Werkstationen der "Autofiktion" ("Amerikaner - erster Eindruck", "Der Ruf" und "Flucht in Etrurien") und dem Bild des Deserteurs im Nachkrieg, das die Autoren nachzeichnen, um deren Fazit schließlich angenehm unpolemisch maßvoll zu finden. Andersch, ein Deserteur? Diese Entscheidung fällt das Buch nicht, meint Schimmang.
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