Maylis de Kerangal

Weiter nach Osten

Roman
Cover: Weiter nach Osten
Suhrkamp Verlag, Berlin 2024
ISBN 9783518432129
Gebunden, 90 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Andrea Spingler. Eine transsibirische Fahrt ins Ungewisse und die Geschichte einer außergewöhnlichen Anziehung - Maylis de Kerangal erzählt von zwei Menschen, die nicht wissen, wohin; von der Weite der russischen Landschaft und einem Fluchtplan, der so undurchführbar wie verführerisch scheint. Aljoscha ist Zwangsrekrut. Zusammen mit zahlreichen anderen russischen jungen Männern befindet er sich in der transsibirischen Eisenbahn. Was ihn von den anderen unterscheidet: Seit er den Zug bestiegen hat, ist er entschlossen zu desertieren. Jede Haltestelle birgt die Versuchung der Flucht, doch wird er es allein nicht schaffen. Während er mitternachts auf den schmalen Gängen eine Zigarette raucht, trifft er auf Hélène, eine Französin, die älter ist als er. Sie sprechen keine gemeinsame Sprache, und doch scheint es eine geheimnisvolle Verbindung zwischen den beiden zu geben. Als Hélène ihn mit in ihren Wagen der ersten Klasse nimmt, wird sie unausgesprochen zu seiner Komplizin. Doch wie soll sie, die selber auf der Flucht ist, dem Jungen helfen?

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 28.12.2024

"Irritierend exakt" schildert Maylis de Kerangals im französischen  Original schon 2012 erschienener Roman die Erfahrungen des jungen  Rekruten Aljoscha, der gegen seinen Willen zur russischen Armee  eingezogen wird, staunt der begeisterte Rezensent Helmut Böttiger. Gerade in Zeiten des russischen Angriffskrieges berührt ihn die Reise, die Aljoscha mit der Transsibirischen Eisenbahn zu seinem Einsatzort unternimmt, in ihrer Aktualität: Gleichzeitig realistisch und  mythisch, mit vielen Bezügen zu Naturmetaphorik, schlägt das Buch die Zähne in die "Epidermis Russlands" und bleibt trotzdem ganz konkret. Dazu trägt Böttiger zufolge auch der Teil der Geschichte bei, der sich der Französin Hélène widmet, die Aljoscha in ihrem Zugabteil versteckt. Ob das Versteck erfolgreich bleibt und der Protagonist der Armee entkommt, verrät der Kritiker nicht, er empfiehlt, selbst nachzulesen.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 05.11.2024

Rezensent Helmut Böttiger staunt, wie die Französin Maylis de Kerangal in ihrem zuerst 2012 erschienenen Roman über die Reise eines russischen Rekruten in der Transsibirischen Eisenbahn zugleich ganz reale Verhältnisse mit einer mythischen Schreibweise ins Allegorische, Poetische transportiert. Aktuell mutet Böttiger der Text natürlich auch an. Der Rekrut versucht zu fliehen und wird von einer französischen Mitreisenden versteckt, und es entspinnt sich eine ebenso spannende wie anrührende Geschichte, die für Böttiger eine bemerkenswerte äthetische Leistung darstellt und zugleich auf unsere politische Gegenwart verweist.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 25.10.2024

Rezensent Dirk Fuhrig liest mit "Weiter nach Osten" ein "literarisches Duett" über Selbstbestimmung, das in den Jahren seit seiner Entstehung um die Jahrtausendwende nichts an Eindringlichkeit und an Aktualität eingebüßt hat. Das liegt zum einen natürlich an der Lage der Welt zum Zeitpunkt seines Erscheinens, dem Krieg Russlands gegen die Ukraine, so Fuhrig. Zum anderen aber auch an der großen Erzählkunst der französischen Autorin. In einer dichten, bilderreichen und hochpoetischen Sprache gelingt es Kerangal das Gefühlsleben ihrer zwei so unterschiedlichen Charaktere nachvollziehbar, ihre Ängste spürbar zu machen, ohne auf die Tränendrüse zu drücken. Kunstvoll lässt sie zwei sehr verschiedene Stimmen einander begegnen, die beide von einer Flucht erzählen - eine unabhängige, gebildete Französin flieht aus einer Beziehung; ein junger, russischer Deserteur flieht vor dem Militärdienst. Sie treffen sich in einem Zugabteil der transsibirischen Eisenbahn, auf dem Weg in die Freiheit, so der berührte Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.10.2024

Von "ungeheurer Wucht" sind die Bilder in Maylis de Kerangals Erzählung, staunt Rezensentin Barbara von Machui. Mehr eine Novelle als ein, wie vom Verlag untertitelt, Roman ist Kerangals Erzählung, die im französischen Original schon 2012 erschien, für sie. Die "unerhörte Begebenheit" ist das Zusammentreffen zweier völlig unterschiedlicher Charaktere während einer Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn. Die reiche Französin Hélène trifft auf den jungen russischen Soldaten Aljoscha, der desertieren will, erzählt die Rezensentin. Die beiden haben eigentlich nichts gemeinsam und können sich lediglich mit Handzeichen verständigen, doch entwickelt sich eine Komplizenschaft. Hélène versucht Aljoscha bei der Flucht zu helfen und ihn vor Entdeckung zu schützen, so Machui. Die sprachliche Palette reicht von "lyrisch-poetischen" Schilderungen bis zu unflätigem "Argot" und wurde von Übersetzerin Andrea Spingler "kongenial" ins Deutsche übertragen, schwärmt die Rezensentin. Eine eindeutige Leseempfehlung!

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