Alfred Brendel

Naivität und Ironie

Essays und Gespräche
Cover: Naivität und Ironie
Wallstein Verlag, Göttingen 2025
ISBN 9783835357846
Gebunden, 139 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Michael Krüger und Martin Meyer. Neue Essays Alfred Brendels - zu Musik, Literatur und über das Altern. Wenn Goethe behauptet: "Wer Musik nicht liebt, verdient nicht, ein Mensch genannt zu werden; wer sie liebt, ist ein halber, wer sie aber treibt, ein ganzer Mensch", dann spricht in diesen neuen Arbeiten der "ganze Mensch" Alfred Brendel. Ob er über Goethes "musikalische Bedürfnisse" oder über "Goethe und Beethoven, über Mozart oder den oft vernachlässigten Haydn schreibt, immer öffnet er uns die Augen für die besonderen Aspekte ihrer Musik. Über Haydn: "Neben der verwirrenden Vielfalt seines Schaffens ist es die weit verbreitete Humorlosigkeit, die ich als einen Hauptgrund dafür sehe, dass Haydn immer noch gerne unterschätzt wird."Neben den großen Essays stehen drei Gespräche, die nicht nur über sein Verhältnis zur Musik und zum Musikbetrieb, sondern auch zur Literatur, die er zeitlebens geliebt, und zum Alter, das nun auch diesen Menschen erreicht hat, Auskunft geben. Anlässlich eines Gesprächs über Busoni hat er ein kleines Selbstporträt gezeichnet: "Was mich an ihm sofort fesselte, war die Vielfalt seiner Persönlichkeit: Pianist, Komponist und Pädagoge, Schriftsteller und Büchernarr, Herausgeber und Bearbeiter, Liebhaber der bildenden Künste und der Architektur sowie des Theaters … das alles in einer Person. Kennen Sie einen anderen Musiker mit einem so weiten Horizont?"

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.06.2025

Schön unprätentzös findet Rezensent und Musikwissenschaftler Laurenz Lütteken Alfred Brendels letztes Buch mit Essays und Gesprächen. Denn es gehe dabei nicht etwa um einen stolzen Rückblick auf die Weltkarriere des mittlerweile verstorbenen österreichischen Pianisten, auch nicht um sentimentale Musik-Schwärmerei, sondern um kluge Reflexionen darüber, was "Musik für den Menschen" sein kann, meint Lütteken. Spannend findet er vor allem die im Essay-Teil vorgebrachten Überlegungen zur Verquickung von Naivität und Ironie in der Musik, die Goethe bei Haydn als besondere Qualität festgestellt und bei Beethoven wohl vermisst habe. Auch die Gespräche im zweiten Teil des Buchs gefallen dem Kritiker außerordentlich gut; vor allem das über das Altern, geführt mit den Herausgebern, aber auch um musikalische Vorurteile und um Busoni geht es. Für Lütteken erneut eine tolle Ausgabe, die nicht "Selbstzweck" ist, sondern stets an einer Wechselwirkung mit Brendels musikalischem Schaffen interessiert - ein "wahres Glück für den Leser", schließt er begeistert.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 05.06.2025

Rezensent Alexander Cammann hält große Stücke auf den mittlerweile 94-jährigen Pianisten Alfred Brendel, dessen neuer Essayband ihm schon deshalb gefällt, weil der Veröffentlichung Blätter aus dessen Notizbuch beiliegen, die die Termine der eigenen Konzerte in Listenform enthalten. Auf die Essays selbst geht Cammann nur ganz knapp ein, es geht natürlich um Musik, aber auch um Woody Allen und Flaubert, Thomas Mann kommt, zumindest wo er sich als Beethoven-Interpret versucht, schlecht weg. Cammans eigenen Versuch, Beethoven und Goethe zu vergleichen, scheint Cammann für nicht allzu gelungen zu halten, insgesamt jedoch gefällt dem Rezensent dieses Buch, in dem sich ein reichhaltiges Leben spiegelt.

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