Nicht erst im Holocaust, sondern schon bald nach Hitlers Machtantritt begann die Einordnung der Deutschen Reichsbahn in die Judenpolitik des Dritten Reiches: Entlassung ihrer jüdischen Eisenbahnbeamten, Boykott jüdischer Lieferanten, Arisierung von Grundstücken aus jüdischem Besitz und Diskriminierung jüdischer Fahrgäste kennzeichneten die Jahre vor dem Zweiten Weltkrieg bei der Staatsbahn unter ihrem Generaldirektor Julius Dorpmüller. Hinzu kamen schon zu Friedenszeiten zahlreiche Transporte in die frühen Konzentrationslager sowie erste Deportationen polnischer und deutscher Juden vor und nach dem 9. November 1938, nicht zu vergessen Sonderzüge in die Emigration.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.05.2012
Rezensentin Andrea Löw lobt die Detailgenauigkeit und den Kenntnisreichtum dieser Studie des Leiters der Abteilung Eisenbahnwesen im Deutschen Technikmuseum Berlin, Alfred Gottwaldt. Der Autor beschränkt sich in diesem Band zur Rolle der Reichsbahn im Dritten Reich zunächst auf die Zeit bis 1939, Löw weiß aber von einer geplanten Folgedarstellung. Laut Rezensentin kann Gottwaldt Hans Mommsens Rede von einer "kumulativen Radikalisierung" für die Eisenbahnverwaltung bestätigen. Verdrängung und Ausgrenzung der Juden durch Reichsbahnmitarbeiter seien streng nach Parteilinie pflichteifrig umgesetzt worden. Die vergleichsweise geringen Verbote und Drangsalierungen erkennt Löw als direkte Vorstufen zu den systematischen Deportationen ab 1938, denen sich der Autor mittels Augenzeugenberichten annähert.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 05.05.2011
Die eindeutige Mitschuld der Reichsbahn an der Judenverfolgung hält Rezensent Hans Mommsen nach der Lektüre dieser von Alfred Gottwaldt erstellten Dokumentation für erwiesen. Die von Gottwaldt zusammengetragenen Quellen zur Führungsstruktur und Personalpolitik der Reichsbahn in den 30er Jahren bis hin zu ihrer dem Regime entgegenkommenden Rolle bei Massendeportationen kurz vor Kriegsbeginn räumen für den Rezensenten jeden Zweifel aus. So habe die Bahn nach 1935 nicht nur rund 4000 jüdischen Mitarbeitern gekündigt, sondern sei der SS unmittelbar nach der Reichspogromnacht auch umstandslos bei der Verfrachtung von 20.000 verhafteten Juden in Konzentrationslager zur Hand gegangen. "Ungewöhnlich präzise, quellengesättigt und umfassend" ist Gottwaldts Darstellung, wie Mommsen anerkennt. Und "gerade im Hinblick auf die Details" verbietet es sich seiner Auffassung nach, von einer passiven Rolle des Logistikgiganten im Dritten Reich zu sprechen.
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