Aus dem Englischen von Ulrike Bischoff. Die Fotos und Berichte von Guantanamo und Abu Ghraib zeigen kein Fehlverhalten einzelner Soldaten, keine Disziplinlosigkeit, sagt Alfred McCoy. Sie illustrieren Standardpraktiken moderner, wissenschaftlich entwickelter Folter: 50 Jahre Folterforschung und -Praxis der USA. Die Fotos aus dem Abu-Ghraib-Gefängnis im Irak, die Bilder und Berichte aus Guantanamo und Afghanistan demonstrieren der Öffentlichkeit: Die USA, angeblich Bollwerk der Demokratie, foltern systematisch. Denn, so zeigt der Autor, Folter ist seit vielen Jahrzehnten staatliche Politik und Praxis der USA, von CIA und US-Streitkräften. Die Methoden basieren auf Techniken, die seit 1950 von der CIA mit einem Aufwand von über 13 Milliarden Dollar wissenschaftlich erforscht, trainiert, praktiziert und perfektioniert wurden und werden. Nach Experimenten mit Drogen, Elektroschocks etc. wurde die moderne berührungslose, aber nicht weniger brutale Folter entwickelt. McCoy nennt diese Folter die erste wirkliche Revolution auf dem Feld der grausamen Wissenschaft seit dem 17. Jahrhundert. Sie fand ihren Niederschlag in mehreren Folterhandbüchern. Eine dieser Folteranleitungen ist 1.000 Seiten dick. Die jüngeren Enthüllungen lösten öffentliches Entsetzen und offizielle Gleichgültigkeit aus. Sie führten nicht zum Ende der Folter, sondern zum Outsourcing. Folter für die USA wird zunehmend von befreundeten Diensten im Ausland besorgt: im globalen Gulag der geheimen CIA-Gefängnisse, die seit Beginn des Krieges gegen den Terror auf Anordnung der Exekutive betrieben werden (McCoy).
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 30.11.2005
Der Rezensent Steffen Hebestreit ist beeindruckt von der Argumentationsleistung des US-Historikers Alfred M. McCoy, der ein "leidenschaftliches, überaus überzeugendes Plädoyer gegen den Einsatz von Foltermethoden" geschrieben hat - was für vor allem vor dem Hintergrund wichtig ist, dass derzeit kräftig an einer "die Relativierung des weltweiten Folterverbots" herumdiskutiert wird. Die Stärke seines Buches liegt nach Hebestreits Meinung darin, dass er sich nicht nur moralisch entrüstet, sondern auch schlüssig nachweist, dass Foltern einfach nicht mit der gewünschten Wirkung einhergeht. Auch das oft angebrachte Beispiel der tickenden Bombe, die tausende Menschenleben kosten könnte, wenn der Terrorist nicht zum Reden gebracht werden könne, entlarve McCoy als komplett unrealistisches Szenario. Besonders das "fulminante Schlusskapitel" gehört nach Meinung des Rezensenten zum Besten, was es derzeit zum Thema zu lesen gibt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.09.2005
Wilfried von Bredow geht in einer Doppelbesprechung zu Büchern über die Folter bei US-Militär und CIA nur kurz auf diesen Band von Alfred W. McCoy ein. Darin untersucht der amerikanische Autor sowohl die nach dem Zweiten Weltkrieg von der CIA in Auftrag gegebenen Forschungen zur "psychischen Manipulation" von Gefangenen als auch die Folterpraxis von CIA und Militär, erklärt der Rezensent. Auch wenn er findet, dass der Band "etwas erratisch komponiert" ist, kann er dem Autor nur zustimmen, wenn dieser Gründe, die Folter von Terroristen unter bestimmten Voraussetzungen zu erlauben, kategorisch ablehnt.
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…