Wenn Alina Bronsky über Essen schreibt, geht es ans Eingemachte: Um Liebe, Hass, Verführung und Erpressung. Nur wenige Dinge sind so privat und so öffentlich, so zelebriert oder verheimlicht, so omnipräsent und zugleich verdrängt wie die Speisen, die wir zu uns nehmen. Jeder könnte ein Buch über Essen schreiben, das genauso einzigartig wäre wie sein Fingerabdruck, behauptet Alina Bronsky, und schreibt nun ihres: Eine höchst subjektive Erzählung über ihre persönliche Beziehung zu Porridge, Schokolade, Butterbrot, Borschtsch oder der Vogelmilchtorte. Denn für sie sind diese Speisen nicht einfach nur Nahrung, sondern ein Mittel der Fürsorge, Emanzipation, emotionalen Erpressung, das mal nach Heimat schmeckt, mal nach Liebe, Hemmungslosigkeit oder Askese. Ein bittersüßes kulinarisches Lesevergnügen: manchmal komisch und manchmal melancholisch.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.01.2026
Einerseits ist Nahrungsaufnahme lebensnotwendig, andererseits ist gerade dessen selbstoptimierende oder moralisierende Inszenierung in sozialen Medien ein echtes Problem geworden, hält Rezensent Daniel Damler fest: Da ist Alina Bronskys Buch eine willkommene Abwechslung. In zwölf Kapiteln schreibt sie eine Art "kulinarische Kurzautobiografie", in denen Identitäten eine wichtige Rolle spielen: Bronsky kommt ursprünglich aus Jekaterinburg, weiß Damler, und ist als Kind nach Deutschland gekommen. Pointenreich erzähle sie, wie sich deutsche und sowjetische Essgewohnheiten unterscheiden, wie zum Beispiel ihre Cousine Mira einen Mann verlassen hat, weil der sie in Sachen Essen zu sehr belehrte. "Gut gewürzt" findet der Kritiker das Buch.
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