Marin Trenk zeigt, wie sich in den vergangenen 500 Jahren bis heute nicht nur fremde Lebensmittel und einzelne Speisen, sondern komplette Küchen erfolgreich ausgebreitet haben. Dabei erfährt man, wie heute in anderen Kulturen gekocht wird. Das Buch öffnet uns die Augen für die mitunter sonderbar anmutenden Tabus, mit denen wir manche Speisen belegen. Und es macht Lust, die vielen kleinen kulinarischen Inseln zu entdecken, an denen der Geschmack der Welt bisher vorübergezogen ist. Nicht zuletzt wirft der Autor einen Blick in die Zukunft kulinarischer Entwicklungen.
Cosima Lutz bekommt fast Appetit auf diesen Döner Hawaii, derart gut gelingt dem Ethnologen Martin Trenk die Darstellung globaler kulinarischer Vorlieben und Entwicklungen. Dass der Autor Essen und Identität zusammendenkt und auf seiner anekdotenreichen und historisch bewanderten Weltreise zu Ethno- und Fusionfood, kalifonischem Chopsuey und mexikanischem Döner nicht seinen Optimismus verliert, macht für Lutz den Reiz des Buches aus. So schlimm also ist die Globalisierung auf dem Teller gar nicht, denn es hat sie schon immer gegeben, lernt die Rezensentin. Ein besseres Lektorat hätte sie dem Buch allerdings schon gewünscht.
Der Ethnologe Marin Trenk entzaubert in "Döner Hawaii" den Mythos einer ureigenen Esskultur, indem er auf den Import zahlreicher, scheinbar heimischer Gewächse aufmerksam macht und so manches archetypische Gericht - etwa Chicken Masala oder Chopsuey - als Erfindung weit entfernt der heimischen Gestade enttarnt, berichtet Jutta Hoffritz. Kartoffeln sind nicht deutscher als Tomaten italienisch sind, verrät die Rezensentin: beide seien aus Südamerika eingeführt worden. Die multikulturelle Esskultur gibt es, seit Menschen reisen, was die Idee der Reinheit einer Esskultur mit Verweis auf Ursprünge weitestgehend obsolet macht, so Hoffritz.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.04.2015
Die erste Etappe von Marin Trenks Reise durch die globalisierte Esskultur hat Rezensent Jakob Strobel y Serra durchaus zugesagt. Der Kritiker folgt dem Ethnologieprofessor zunächst interessiert bei seinen ebenso spannenden wie überzeugenden Ausführungen über die Verbreitung unverarbeiteter Lebensmittel nach der Entdeckung Amerikas, muss aber im zweiten und dritten Teil des Buches feststellen, dass sich der Autor lieber in zahlreichen Anekdoten verliert als wissenschaftlich Fundiertes über die Geschichte des Essens zur Zeit des Kolonialismus und schließlich der Massenimmigration zu liefern. Der Rezensent, der sich zudem an Trenks sprachlicher Nachlässigkeit stört, bleibt mit Erkenntnishunger zurück.
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