Aus dem Französischen von Brigitte Große. "Französisch zu unterrichten schien mir der beste Weg, um Japanisch zu lernen. Ich hinterließ eine Kleinanzeige im Supermarkt: Französisch-Einzelunterricht, attraktiver Preis." Amelies erster Privatschüler heißt Rinri, kommt aus einer reichen Tokioter Familie und weiht die Belgierin wie erhofft in die Sitten und Gebräuche seines Landes ein. Japanisch spricht er dabei allerdings nicht, vielmehr ein Französisch, das Amelie wie schlechtes Chinesisch vorkommt. Er ist jedoch hoch motiviert, insbesondere, da ihm die Lehrerin gefällt. Zwei Jahre verbringt Amelie in Tokio. Zwei intensive und literarisch ergiebige Jahre. Einerseits war es die Hölle - in "Mit Staunen und Zittern" berichtete die Autorin von ihrer demütigenden Abwärtskarriere bei Yumimoto. Mit dem japanischen Verlobten jedoch erlebt Amelie Stunden von paradiesischer Heiterkeit - das ist die andere Seite des Lands der aufgehenden Sonne, das ist das Japan, das sie liebt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 06.07.2010
Liebe light, endlich weiß Leopold Federmair, was das ist. In ihrem zweiten Roman buchstabiert Amelie Nothomb dem Rezensenten das aus, verpackt als Gesellschaftsbild des heutigen Japans, genauer: als Blick auf die Freizeitgesellschaft junger Menschen. Allerdings lässt Federmair die Lektüre relativ unbefriedigt zurück. Zu sehr setzt die Autorin auf kurzlebige Effekte (wie eine Referenz an Marguerite Duras) und kurze Sätze. Erfährt Federmair auch manches Wissenswerte über kulturelle Unterschiede und merkwürdige japanische Bräuche, insgesamt erscheint ihm der Roman doch allzu light.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.04.2010
Vor gut zehn Jahren erregte Amelie Nothomb mit ihrem autobiografischen Roman "Mit Staunen und Zittern" Aufsehen: Sie schilderte darin, wie sie ihren Versuch, in Japan zu leben, aufgeben und nach Europa zurückkehren musste. Im neuen Buch schreibt sie nun wiederum sehr autobiografisch über die Geschichte ihrer Beziehung zu einem Mann namens Rinri. Sie will Sprachlehrerin werden, allerdings ist Rinri der einzige Schüler. Sie kommen sich im Unterricht näher, aber so nahe, dass aus Amelies Sicht eine leidenschaftliche Liebe wird, dennoch nicht. Eher als "freundschaftliche Liebe", wie sie der japanische Begriff "koi" beschreibt, erlebt sie das und lässt sich doch zur Verlobung überreden. Angenehm findet Zhe Weber den "leichten Stil", mit dem Nothomb vom Scheitern dieser Beziehung erzählt, zumal man dank ihrer "genauen Beobachtungsgabe" auch sehr interessante Einblicke in interkulturelle Problemlagen gewinne.
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