Die Tore von Gaza
Eine Geschichte von Terror, Tod, Überleben und Hoffnung

Jüdischer Verlag, Berlin 2024
ISBN
9783633543366
Gebunden, 432 Seiten, 26,00
EUR
Klappentext
Aus dem Englischen von Ursula Kömen. Dieses Buch ist Reportage und Geschichte des Massakers, dessen Datum für immer im Gedächtnis bleiben wird. Am Morgen des 7. Oktober 2023 wurden Amir Tibon und seine Frau von Mörsergranaten geweckt, die in der Nähe ihres Hauses im Kibbuz Nahal Oz, einer israelischen Siedlung an der Grenze zum Gazastreifen, einschlugen. Sie verbarrikadierten sich mit den beiden kleinen Töchtern im Schutzraum des Hauses und ermahnten sie, nicht zu weinen, während sie die Schüsse der Hamas-Angreifer vor ihren Fenstern hörten. "Die Tore von Gaza" erzählt die Geschichte des 7. Oktobers 2023 durch das Prisma der Ereignisse, die in Nahal Oz über die Familie hereinbrachen, die schließlich von Amir Tibons eigenem Vater mit unglaublichem Mut gerettet wurde. Das Buch schildert den jahrzehntelangen Kampf einer Gemeinschaft um Leben, Wohlstand und Wachstum an einer der gefährlichsten Grenzen der Welt. Es ist zugleich eine kurze Geschichte Israels, auch über das Versagen der israelischen Politik, für die Sicherheit der eigenen Bevölkerung zu sorgen. Auf der Grundlage israelischer und palästinensischer Quellen sowie Originalinterviews mit den Polizisten und Soldaten, die am 7. Oktober an der Seite seiner Eltern kämpften, zeichnet Amir Tibon einen schonungslosen, aber letztlich hoffnungsvollen Blick auf diesen scheinbar unlösbaren Konflikt und seine globalen Auswirkungen.
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Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 28.10.2024
Gleich drei Bücher zum Jahrestag des 07. Oktobers nimmt sich Rezensent René Wildangel vor, der sich als Historiker vorwiegend mit dem Nahen und Mittleren Osten befasst: Amir Tibon ist Redakteur der linksliberalen israelischen Zeitung Haaretz und hat den Horror der Hamas-Massaker im Kibbuz Nahal-Oz mit seiner Familie selbst erlebt. Er verbindet die Schilderung dieses Tages mit der Geschichte des Kibbuz, erklärt der Kritiker. Wildangel kann dadurch einen guten Überblick über die Vorgeschichte dieses Konflikts erlangen, aber auch über die Verbindungen, die es über lange Jahre zwischen dem Kibbuz und dessen palästinensischen Nachbarn gegeben hat, besonders nach dem Abkommen von Oslo, bis die zweite Intifada das unmöglich macht. Bisweilen wirken die Schilderungen fast wie ein grausamer Thriller, so etwa, wenn Tibon von seinem Vater erzählt, der sich in einer spektakulären Rettungsaktion von Tel Aviv aus durchschlägt und die Familie seines Sohnes befreit, hält der Kritiker fest.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 28.09.2024
Rezensent Bert Rebhandl staunt über Amir Tibons Buch über den Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023. Denn einerseits verfolgen die Schilderungen des israelischen Journalisten, der seit 2014 mit seiner Familie im Kibbuz Nahal Oz lebte und den Angriff dort direkt miterlebte, die "Dramaturgie eines Thrillers", wenn im Schutzraum die Luft immer dünner wird, die Handy-Akkus leerer und die beiden jungen Kinder nervös, während der Angriff kein Ende nimmt. Andererseits wird für den Kritiker aber auch in solchen Beschreibungen endlich wieder "konkret", was sich in den erhitzten Debatten um den Israel-Palästina-Konflikt zum Prinzipiellen abstrahiert habe, und das scheint Rebhandl für ein starkes Ergebnis des Buchs zu halten. Dreh- und Angelpunkt sind für ihn dabei Tibons Ausführungen zum Ort Nahal Oz, zur innigen Verbundenheit der Familie mit diesem Ort, die auch zur "Mystik" wird, aber bei Tibon eben doch an die realen Ereignisse, etwa die ersten organisierten Hilfsaktionen an diesem Tag, rückgebunden bleibt. Diese Konkretion, ergänzt um die Geschichte des modernen Staats Israel, die der auch Palästina-kundige Journalist parallel erzähle, macht für Rebhandl den Wert dieses Buchs aus.