Aus dem Italienischen von Maja Pflug. Wovon sprechen wir eigentlich, wenn wir "Ich" sagen? Sind wir ein Leben lang dieselben? Lassen wir nicht immer etwas zurück, wenn unser Leben eine Wendung nimmt? Und wo bleibt all das? In den Wohnungen, in denen wir gelebt haben? Bewahren sie die Erinnerung an uns und an die, die vor uns darin lebten, an gedachte Gedanken, ungedachte, nicht zu Ende gedachte? Andrea Bajani erzählt aus dem Leben eines Mannes - anhand der Wohnungen, in denen er lebte und der manchmal einfach die Tür einer leeren Wohnung hinter sich zuzieht.
Rezensent Christian Metz fragt sich, wo Andrea Bajani poetisch zu Hause ist. Wenn der italienische Autor seine Lebensstationen im "Buch der Wohnungen" auffächert, dann mutet es für den Rezensenten reichlich gewollt an: Er liest von einer "Wörterwohnung", einer Sex- und einer Schrankwohnung oder der "mobilen Wohnung", mit der dann das Auto gemeint ist. Erkenntnisgewinn vermisst der Rezensent ebenso wie poetischen Mehrwert. Bajani formuliere das Ich in der dritten Person (Ich geht rein) und lässt Fenster fenstern. Für Metz ist das Murks.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.12.2022
Von einem "Ich" wird in der dritten Person erzählt. Das ist das erste, was Rezensent Andreas Platthaus am Roman von Andrea Bajani auffällt. Denn das "Ich", das dem Autor verdammt ähnelt, hat über fast fünfzig Jahre einen einzigen Begleiter, aber viele Wohnungen. Sie seien nicht nur Titel gebend, sondern wirkliche Hauptfiguren, schreibt Platthaus, und träfen auf eine Schildkröte, Aldo Moro, Familie und einige Geliebte des "Ich". Immer neue Blickwinkel eröffnen sich. Doch trotz aller Zeitsprünge und Perspektivwechsel ist die Geschichte laut Kritiker ein Entwicklungsroman, der zeigt, wie verzerrend die subjekte Wahrnehmung eines Menschen anderen erscheint. Literarisch findet Platthaus das wunderbar gelungen. Mehr als ein "nice to have" sind für ihn außerdem acht Wohnungsgrundrisse aus italienischen Katasterblättern, die allerdings mit den beschriebenen Wohnungen nicht übereinstimmen. Auch damit, verneigt sich der Rezensent, habe Bajani "die Grenze zwischen Fiktion und Faktizität verwischen" wollen.
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