Andrea Gnam

Sei meine Geliebte, Bild!

Die literarische Rezeption der Medien seit der Romantik
Cover: Sei meine Geliebte, Bild!
Iudicium Verlag, München 2004
ISBN 9783891297728
Kartoniert, 148 Seiten, 13,00 EUR

Klappentext

Die Frage nach dem Verhältnis von Lebenswirklichkeit und Medienrealität - angefangen mit der romantischen Statuenliebe bis hin zur Gegenwart - wird anhand ausgewählter literarischer Texte und Filme diskutiert. Dabei wird deutlich, dass der Zusammenhang zwischen Kunstreflexion und Literatur dichter ist, als bisher angenommen. Bahnbrechende Entwicklungen in der Malerei wurden in Romanen unbewusst vorweggenommen. Ein interessantes Beispiel ist die Beschreibung eines abstrakten Gemäldes und die Suche nach der Ausdrucksqualität von Kunst in der ersten Fassung von Gottfried Kellers Roman "Der grüne Heinrich". Ob mit Gewalt, Ekstase, Gelassenheit oder tiefer Verstörung - jede Zeit reagiert anders auf die Irritation, die die Macht der Bilder beim Betrachter auslösen kann. So entstehen en passant lebendige Psychogramme der jeweiligen Epochen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 02.12.2004

Thomas Weitins Reaktion auf diese Studie zur Rezeption von Medien in der Literatur seit der Romantik ist zwiespältig. Die Beobachtungen, die die Literaturwissenschaftlerin Andrea Gnam bei der Untersuchung romantischer und realistischer Literatur macht, lobt er als durchaus gelungen. Er findet es insbesondere "überzeugend", wie Gnam anhand von Gottfried Kellers Entwicklungsroman "Der grüne Heinrich" veranschaulicht, wie sich die literarische Rezeption von Medien im Realismus verändert und ist von der "eindrücklichen" Darstellung der zeitgenössischen Kritik, die Kellers "Kamerastil" noch als "Provokation" empfand, beeindruckt. Denn sind es in der Romantik noch die "Abgründe der Seele", in die die Betrachtung von Kunst die literarischen Protagonisten treibt, so verschiebt sich das Augenmerk im Realismus hin zu den "Lebensumständen des Künstlers und seinen Produktionsbedingungen", erläutert der Rezensent die Thesen der Autorin. Wenn Gnam dann in einem zweiten Teil allerdings versucht, ihrer Studie einen "aktuell klingenden, medientheoretischen Anstrich zu geben" und dabei von der Betrachtung der Werke von Baudelaire über Godard bis Peter Handke versucht, "gar nichts auszulassen", lässt die Zufriedenheit des Rezensenten schlagartig nach. Jetzt versinken die bis dahin pointierten Thesen Gnams im "Dunst medienwissenschaftlicher Gemeinplätze ", beklagt sich Weitin, der gut auf diesen Teil des Buches hätte verzichten können.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 24.04.2004

Recht aufschlussreich findet der "Jdl." zeichnende Rezensent diese "präzise Studie" der Germanistin und Medientheoretikerin Andrea Gnam. Wie er berichtet, untersucht die Autorin darin die Wechselwirkung zwischen künstlerischen Bildern und inneren Bildern - von Ludwig Tiecks "Franz Sternbalds Wanderungen" über Gottfried Kellers erste Fassung des "Grünen Heinrichs" zu Oscar Wilde, Thomas Mann und Christoph Geiser und Peter Handke. Damit ist der Autorin zur Freude des Rezensenten zugleich eine "Kulturgeschichte des ästhetischen Blicks" gelungen.

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