Nachdem die Herrschaft Mussolinis in Italien zusammengebrochen war, besetzten deutsche Truppen im September 1943 die Hauptstadt Rom. Für die römischen Juden begann nun ein schrecklicher, bis zur Befreiung im Juni 1944 dauernder 'langer Winter', während dessen die Besatzer die Politik der 'Endlösung' auch in Rom durchzusetzen versuchten. Zwischen zwei- und dreitausend römische Juden, die in dieser Zeit verhaftet wurden, fielen der Vernichtungspolitik der Nazis zum Opfer. Die Besatzer stießen aber auch auf Widerstand. Mehr als 10.000 römische Juden überlebten - vor allem dank der Hilfe couragierter römischer Bürger und Kirchenleute. Mehr als viertausend Juden fanden Schutz in Klöstern, Pfarreien und Liegenschaften des Vatikanstaats. Riccardi erzählt die Geschichte der kurialen Politik unter der Besatzung, vor allem aber die bewegende Geschichte der verfolgten Juden, ihrer kirchlichen Helfer und einer heute fast vergessenen, mutigen Rettungsaktion.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.06.2018
Christiane Liermann erhält ein neues Bild Roms und der römischen Kirche unter Pius XII. mit dem Buch des Historikers Andrea Riccardi. Die im Original 2006 erschienene Untersuchung entlang zweier Erzählachsen (1. die Entscheidungen des Papstes betreffend und 2. Einzelschicksale jüdischer Italiener in den Blick nehmend) überzeugt Liermann mit ihrer Quellengrundlage von Zeitungsberichten davon, dass sich der überwiegende Teil der Römer während der deutschen Besetzung eben nicht passiv verhalten, sondern jüdischen Mitbürgern geholfen hat. Riccardis historische Analyse stellt ihr zugleich die Präsenz des Religiösen im sozialen Leben der Stadt vor Augen sowie eine historische Topografie Roms, der Gassen und Plätze von Folter und Razzien, aber eben auch von Mitmenschlichkeit.
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