"Wir gingen raus und spielten Fußball" ist ein Buch über eine Fußball-Kindheit im München der siebziger und achtziger Jahre. Es beschreibt die Siege und Niederlagen auf einem kleinen Tartanplatz mit Handballtoren, die jede spätere Erfahrung der Zugehörigkeit oder des Ausgeschlossen-Seins vorweggenommen haben. Es handelt von den Gesetzen, Ritualen und Freundschaften im Spiel. Der Fußball ist Gegenstand des Buches, der mit Liebe zum Detail verhandelt wird, von der idealen Beschaffenheit der Tornetze bis zur Kicker-Stecktabelle, von der Bedeutung der Rückennummern bis zur Sprache der Bolzplätze. Gleichzeitig wird der Sport aber auch zum Ausgangspunkt, um über die kindliche Wahrnehmung einer Großstadt nachzudenken, über den Zusammenhang von Erinnerung und Literatur und über die Prozesse des autobiografischen Schreibens selbst.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.10.2022
In den vollen Genuss von Andreas Bernards nostalgischem Fußballbuch kommt man laut Rezensent Matthias Alexander wahrscheinlich nur, wenn man den Sport wie der Autor in den siebziger Jahren der BRD kennenlernte - aber auch außerhalb dieser "Kernzielgruppe" biete das Buch Lesevergnügen und Erkenntnisgewinn, so Alexander. Der Kulturwissenschaftler und Publizist Bernard erinnert sich dort ausführlich und mit großem Gespür für "sprechende Kleinigkeiten", so Alexander, an seine Fußballjugend: an die aufregende Übernachtung beim Auswärtsspiel, an gehässige Kommentare von zuschauenden Vätern, an die elegante Musterung des neuen Adidas-Balls. Dabei fallen Bernards Ausführungen "sentimental", aber nicht "beschönigend" aus, lobt der Kritiker, und auch die essayistischen Ausweitungen des Buchs, in denen der Autor beispielsweise über unauthentisches, angelerntes Fantum nachdenkt, liest Alexander gerne.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 24.02.2022
Rezensent Holger Gertz geht zurück in seine eigene vom Fußball geprägte Kindheit beim Lesen von Andreas Bernards Erinnerungsbuch. Dem Beckenbauer-Zitat im Titel wird der Autor laut Gertz gerecht, indem er sich an Einzelheiten wie die Torpfosten bei der WM in Argentinien '78 und an die Tiefe der Tornetze dort entsinnt sowie an eigene Erfahrungen auf dem Platz als etwas langsamer Linksfuß, an die Sportschau und den Kicker. Für Gertz eine Einladung die Details mit eigenen Erinnerungen abzugleichen. Dafür dass der Band mehr ist als Privaterinnerung, sorgt darüber hinaus der kulturwissenschaftlich geweitete Blick des Autors, meint Gertz. Die Sache mit den "Trauerfloren" an den WM-Pfosten bekommt der Rezensent schließlich auch erklärt.
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