Deutschland gegen Deutschland: ein historischer Moment. Selten gibt es Augenblicke in der Geschichte, die wie ein Brennglas wirken. Das einzige Fußballspiel zwischen der DDR und der Bundesrepublik ist ein solcher herausragender, brisanter und zugleich universaler Moment. Als sich am 22. Juni 1974 für neunzig Minuten die Bruderstaaten gegenüberstanden und die DDR durch das Tor von Jürgen Sparwasser den Sieg davontrug, brachte das Ereignis auch Menschen zusammen, die mit dem Fußballspiel an sich wenig zu tun hatten. Und sie würden das Leben in beiden deutschen Ländern auf unterschiedlichste Art beeinflussen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 27.03.2024
Mit großem Interesse liest Rezensent Holger Gertz Ronald Rengs Buch über die Weltmeisterschaft 1974, bei der die BRD und DDR in der Gruppenphase aufeinandertrafen. So bricht der Autor auch das Bild der siebziger Jahre als "prilblumenverzierte, pastellfarbene Sehnsuchtszeitzeit" und erinnert daran, dass die bundesdeutsche Regierung damals alles tat, um ein weiteres Attentat wie 1972 in München oder eine RAF-Anschlag zu verhindern, erfährt Gertz. Außerdem kommt der Autor mit vielen unterschiedlichen Menschen ins Gespräch: Mit der Reiseführerin der DDR-Fangruppe Doris Gercke etwa,mit dem Sohn des früheren Kanzlers Brandt, der als Journalist dabei war oder mit dem RAF-Terroristen Jünschke, der sich damals in Isolationshaft befand, lesen wir. Generell besticht das Buch durch unzählige, gut recherchierte Details, so Gertz: So wird er hier etwa an den geheimen Trikottausch der BRD- und DDR-Mannschaft erinnert. Ein wichtiges Stück gesamtdeutscher Geschichte, schließt Gertz.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 16.03.2024
Rezensent Peter Körte beamt sich mit Ronald Reng zurück ins Jahr 1974, als die BRD und die DDR in der Fußballweltmeisterschaft aufeinandertrafen. Gut dass Reng zu jung war, um eigene Erinnerungen zu haben, findet Körte. So kann der Autor Meinungen und Erinnerungen anderer Zeitgenossen nach Art der Parallelmontage zusammenstellen. Das ist spannend und aufschlussreich, meint Körte, zumal der Autor Rück- und Vorblenden und immer neue Akteure benutzt und um das Spiel herum gruppiert - die Schriftstellerin Doris Gercke oder den Spieler Gerd Kische. Lange Hemdkrägen, Matthias Brandt vor der Torwand des "Aktuellen Sportstudios" und andere Quer- und Längsverbindungen kommen auch vor, staunt Körte. Rengs "offenes Auge für den Osten" gefällt ihm besonders gut.
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