Der Autor fragt nach der Wahrnehmung deutscher Soldaten mit zwei unterschiedlichen Kriegen in Ost und West im Gesamtzusammenhang des Zweiten Weltkrieges und der NS-Herrschaft. Dabei ist die Analyse von Feindbildern von großer Bedeutung. Eine Erfahrung, die vom Krieg spricht, darf allerdings nicht nur nach der Konstruktion von Feindbildern fragen, sondern sie muss Erfahrungsräume auch als realgeschichtliche Lebenswelten verstehen, welche die Kriegserlebnisse von Soldaten an vorderster Front ganz anders geprägt haben als im Hinterland.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.04.2012
Quasi als Kommentar zu und differenzierende Vertiefung von Sönke Neitzels und Harald Welzers Buch über deutsche Soldaten im Zweiten Weltkrieg hat Johannes Hürter Andreas Jaspers Untersuchung der unterschiedlichen Kriegserfahrungen von Soldaten an der Ost- und der Westfront gelesen. Zunächst fällt ihm sehr positiv auf, dass der Autor sich stark auf Quellen wie Briefe und Tagebücher stützt und damit die Soldaten als "historische Subjekte" ernst nimmt. Jaspers kommt, nicht unbedingt überraschend aber sehr überzeugend, zu dem Schluss, dass die Kriegsführung im Osten "singulär" war, durch "Rassenideologie und die Konstruktion von Kulturräumen" den Verbrechen durch die Wehrmacht Vorschub geleistet wurde und sich damit von der Kriegsführung im Westen unterschied, erklärt der Rezensent. Er findet den "theoretischen Aufwand", den der Autor dafür betreibt, zwar etwas übertrieben und kritisiert Stil und Gliederung als der Lesbarkeit wenig förderlich. Dafür aber lobt er die Komplexität und Differenziertheit dieser Analyse in den höchsten Tönen.
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