Andreas Klärner (Hg.), Michael Kohlstruck (Hg.)

Moderner Rechtsextremismus in Deutschland

Cover: Moderner Rechtsextremismus in Deutschland
Hamburger Edition, Hamburg 2006
ISBN 9783936096620
Gebunden, 344 Seiten, 35,00 EUR

Klappentext

Mit Beiträgen von Uta Döring, Rainer Erb, Henning Flad, Oliver Geden, Andreas Klärner, Jana Klemm, Sonja Kock, Michaela Kötting, Michael Kohlstruck, Anna Münch, Rainer Strobl, Fabian Virchow, Christine Wiezorek, Stefanie Würtz. Die Autoren konzentrieren sich auf den Rechtsextremismus der vergangenen 15 Jahre. Charakteristisch für diesen Zeitraum ist die Gleichzeitigkeit von Modernisierung und Tradition: Die weltanschaulichen Fundamente der rechtsextremen Gruppen sind die alten geblieben, die Organisations- und Aktionsformen haben sich in weiten Teilen nicht verändert, und die hohe Affinität zum maskulinen Schlägermilieu ist ebenfalls noch aktuell. Gleichzeitig lassen sich Veränderungen beobachten, die in einem hohen Tempo erfolgt sind. Der Rechtsextremismus ist zu einer sozialen Bewegung geworden, die die Erfahrungen älterer Bewegungen, dass es keine Macht ohne öffentliche Aufmerksamkeit gibt, aufgenommen hat. Im Zuge einer taktischen Zivilisierung werden regelkonforme Strategien des öffentlichen Auftretens verfolgt. Bewegungsunternehmer setzen auf eine langfristige Demonstrationspolitik und die Wirkung einer kommunalpolitischen Einmischung, gezielt vertriebene Weltanschauungsmusik macht junge Leute neugierig, und Jugendarbeit bindet sie ein. Das weite Spektrum der thematischen und methodischen Zugänge zeichnet die Transformations- und Modernisierungsprozesse, die Organisations- und Aktionsformen sowie die Ideologien des modernen Rechtsextremismus nach.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.05.2006

Zwar trägt dieser von Andreas Klärner und Michael Kohlstruck herausgegebene Sammelband dazu bei, die Vielfalt rechtsextremer Gruppierungen, Strömungen und Parteien darzustellen, schreibt Harald Bergsdorf. Irritiert zeigt er sich allerdings von der Tatsache, dass bei diesem durchaus verdienstvollen Unterfangen gerade die wichtigste rechte Partei NPD kaum je in den Blick der Autoren rückt. Die verschiedenen Beiträge, in denen sowohl einzelne Personen der rechtsradikalen Szene als auch ganze Milieus untersucht werden, basieren vor allem auf Interviews. Besonders berührt hat Bergsdorf die Rekonstruktion des Mordes an Marinus Schöberl, die Michael Kohlstruck und Anna Verena Münch verfasst haben.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 17.05.2006

Viel lernen kann man aus den "unaufgeregt" gehaltenen Beiträgen dieses von Andreas Klärner und Michael Kohlstruck herausgegebenen Bandes, meint Rezensent Horst Meier. Die nach Thema und Methode sehr unterschiedlichen Aufsätze spiegeln den Stand der aktuellen empirischen Forschung wider. Der Fokus liegt laut Rezensent auf regionalen Strukturen, Gruppen oder Einzelbiografien. Als "Musterbeispiel politischer Aufklärung" verweist er auf Uta Dörings Beitrag zur Karriere des Begriffs "national befreite Zone". Anhand von Szenezeitschriften und Berichten in Tageszeitungen arbeite die Autorin heraus, welche Eigendynamik sich entfaltet, wenn solche Redewendungen aus reißerischen oder tagespolitischen Gründen multipliziert und instrumentalisiert werden. Aber auch insgesamt attestiert der Rezensent dem Band ein hohes "Aufklärungspotenzial".

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