Spätestens seit den 1980er Jahren erregt kaum etwas die Öffentlichkeit so sehr wie die Frage, wie viele und welche Menschen, "die wir nicht gerufen haben", Deutschland aufnehmen sollte. Klaus Neumann beschäftigt sich mit Antworten auf diese Frage: von Forderungen nach der Änderung von Artikel 16 des Grundgesetzes in den frühen 1990er Jahren über die sogenannte Willkommenskultur 2015 bis zur Neuauflage der Behauptung, das Boot sei voll, nach der Ankunft von Flüchtlingen aus der Ukraine 2022. Der Historiker untersucht die unterschiedlichen Motivationen, Schutz zu gewähren oder Schutzsuchende abzuweisen. Im Mittelpunkt seiner Betrachtung stehen dabei lokale und lokalpolitische Auseinandersetzungen: im Westen Hamburgs und im südöstlichen Sachsen. Er macht anschaulich, wie sehr Aushandlungsprozesse um die lokale Aufnahme von DDR-Übersiedlern und Asylsuchenden, Aussiedlerinnen und Kriegsflüchtlingen verquickt waren mit Debatten über Rassismus und Rechtsextremismus, demokratische Teilhabe sowie west- und ostdeutsche Identitäten.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 09.09.2024
Der Historiker Dietmar Süß lobt Klaus Neumanns Ansatz, über Deutschlands Umgang mit Migration zu schreiben: Der Historiker hat mit Hamburg-Altona und dem Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge zwei Beispielgemeinden zur näheren Betrachtung ausgewählt, die nur auf den ersten Blick gegensätzlich zu sein scheinen. Auch im vermeintlich linken Hamburg wollen die Kommunen beispielsweise keine Geflüchtetenunterkunft - Süß wird hier klar, dass die Gemeinden durchaus eigenmächtig handeln (können) und auch, dass sich Unterstützung häufig an konkreten Fragen wie Verpflegung und Hygiene festmacht. Der einzige Nachteil des Buches ist es dem Kritiker zufolge, dass der Autor sich zu sehr auf Einzelbeispiele konzentriert statt auf eine übergreifende, stringente Analyse.
Ziemlich erschreckend ist für den Rezensenten Otto Langels die Lektüre des vom Historiker Klaus Neumann herausgegebenen Berichts über den Umgang mit Geflüchteten in den recht zufällig ausgewählten Orten Hamburg-Altona und der Sächsischen Schweiz: Neumann konstatiert eine zunehmende Verschiebung des Diskursen nach rechts, Rassismen und Ressentiments werden ohne Hemmungen geäußert. Dabei stellt sich aber auch heraus, dass diese Überzeugungen nicht regional gebunden sind und dass besonnenes politisches Handeln durchaus dazu beitragen kann, Reibungen zu minimieren, wie wir erfahren.
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