Eine fast schon altmodisch konstruierte Familie in einer Kleinstadt. Der Kinder wegen wohnen sie in einem Siedlerhäuschen aus den 30er Jahren mit Blick auf den Fluss und auf OBI, in der Nähe der Bundesstraße. Die Eltern haben die Rollen getauscht, der Vater mit offenbar unwichtiger künstlerischer Vorgeschichte kümmert sich um Kinder, Haus und Garten, die Mutter, Lehrerin, finanziert die Idylle. Die Liebe scheint groß zu sein, dennoch beginnen Alltagsthemen das Familienleben zu beherrschen, äußere Abläufe müssen bewältigt werden. Zurück bleibt "Sehnsucht" - ein vorherrschender Begriff in diesem durchaus autobiografischen Roman. "Der zweite Garten" ist ein Beitrag zur aktuellen Diskussion der Geschlechterrollen: Was passiert in einer Familie, wenn die traditionellen Rollen getauscht werden?
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 23.06.2016
Andreas Mand müsste eigentlich der "Kultautor" seiner Generation sein, die Stimme seiner Zeit, die gerade das Ende aller Utopien erlebt, denkt Rezensent Helmut Schödel. Mand schafft es, das spießige Leben einer mittelalten Generation, die mit ihren alternativen Lebensentwürfen gescheitert ist, in seiner ganzen Banalität zu beschreiben, lobt der Rezensent: genau und überraschend spannend. Hauptfiguren sind eine Familie im kleinbürgerlichen Minden - die Mutter, Grundschullehrerin Anfang 50, würde gern weg, ist aber schon viel zu festgefahren in ihrer Routine. Dito der Vater, Hausmann und erfolgloser Schriftsteller, den die Einsamkeit plagt. Selbsterkenntnis gibt es, aber keine Ironie mehr. Die ist diesem Paar in seinem ganzen "Banalismus" wohl gründlich vergangen. Der Rezensent kann's verstehen.
Rezensent Detlef Kuhlbrodt klärt vor allem über die Hintergründe des "tagebuchartigen" Buches auf: Als Stadtschreiber nach Minden gekommen, ist Mand kurzerhand dort geblieben. So handle auch der vorliegende "Roman", wie Kuhlbrodt in Anführungszeichen schreibt, von einem Autor und dessen Beschwerlichkeiten, im Alter von 51 Jahren in einer "doofen, kleinen Stadt" zu sein, so der Schriftsteller in seinen eigenen Worten. Man erfährt, so der Kritiker, dass der Autor sich in einem links angestrichenen Setting einem Leben als Hausmann an der Seite einer Lehrerin gefügt habe und selbst der Ansicht ist, dass sein jugendliches Selbst diesen Lebensentwurf wohl mit Befremden beobachten würde. Der Rezensent fand die Lektüre zunächst etwas fade, doch im weiteren Verlauf gefiel ihm die "unspektakuläre Gemächlichkeit."
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