Der Autor untersucht umfassend den völkerrechtlichen Begriff des "zivilisierten Staates". Dieser Begriff hat bis zum 20. Jahrhundert eine ganze Epoche beherrscht. Mit ihm wurde im klassischen Völkerrecht die rücksichtslose Kolonialpolitik Europas legitimiert, indem nur "zivilisierte" Staaten zum Völkerrecht zugelassen wurden. "Barbaren" und "Halb-Zivilisierte" wurden ausgegrenzt, ihr Land als terra nullius betrachtet. Die Untersuchung geht folgenden Fragen nach: Sind die Wurzeln des Rechtsbegriffs des "zivilisierten Staates" bereits in der zweiten Scholastik zu finden? Wie ist der Begriff als völkerrechtlicher Rechtsbegriff entstanden? Gab es im klassischen Völkerrecht einen einheitlichen Begriff des "zivilisierten" Staates? Aus welchen Gründen hat der Begriff im heutigen Völkerrecht seine einstige Bedeutung verloren?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.08.2013
Ganz überzeugt scheint Rezensent Milos Vec nicht zu sein, wenn Marc Pauka in seinem Buch schwerpunktmäßig darangeht, den Begriff des Völkerrechts ideen- und begriffsgeschichtlich zu rekonstruieren. Die hinter dem Begriff steckende Idee des zivilisierten Staates erkennt der Autor laut Vec zwar als Rechtfertigunsnarrativ für eine diskriminierende Politik. Auch entlarvt er den Mangel an Definition, der zu einem schmiegsamen Zivilisations-Begriff führte. Weniger allerdings versteht Vec, dass der Autor weiterhin von den positivistischen Tendenzen in der Völkerrechtswissenschaft spricht, die im Europa es 19. Jahrhunderts vorherrschten.
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