Größtenteils heldenhaft
Roman

Tropen Verlag, Stuttgart 2024
ISBN
9783608502626
Kartoniert, 128 Seiten, 20,00
EUR
Klappentext
Aus dem Englischen von Anna-Nina Kroll. Ist man nur stark und schön genug, dann klappt es auch mit der Liebe - oder nicht? Da sind Superheld und Femme Fatale - auf den ersten Blick ein perfektes Paar. Wären da nur nicht die fiesen Intrigen der Schurken. Sie setzen alles daran, das Glück der beiden zu zerstören. Wird es ihnen gelingen? Oder gewinnt am Ende doch die Liebe im Superheldenuniversum?
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (
Info)
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 02.01.2025
Ein famoses Buch hat Anna Burns geschrieben, freut sich Rezensentin Cornelia Geißler. Mit dem realistischen Tonfall ihres übrigen Werks bricht Burns diesmal denkbar radikal, erklärt sie, im Grunde hat Burns einen Comic ohne Bilder verfasst, in dem eine Figur namens Femme Fatale von Superschurken mit einem Fluch belegt wird, der sie dazu bringen soll, ihren Lover namens Superheld zu töten. Nicht nur Namen und Handlungselemente erinnern an Comics, meint Geißler, sondern auch die Sprache - bei dieser Gelegenheit lobt die Rezensentin die Übersetzerin Anna-Nina Kroll in den höchsten Tönen. Für die Rezensentin resultiert das in einem erstklassigen Lesevergnügen - zumal ihr in der schrillen Superhelden-Fantasie dann doch Parallelen zu unserer Wirklichkeit durchscheinen.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 31.10.2024
Als ein regelrecht berauschendes Buch bespricht Rezensentin Meike Feßmann Anna Burns' im Original bereits 2014 erschienenen Roman. Er erzählt die Liebesgeschichte zwischen Superheld und Femme, erfahren wir, um die herum sich ein komplizierter, mörderischer Plot voller Tragik und Gefühlschaos entfalte. Möglicherweise ist der Nordirland-Konflikt ein wichtiger Kontext für die Handlung, überlegt Feßmann, aber andererseits sei hier alles so überzeichnet, dass derartige Verweise bald keine Rolle mehr spielten. Auch Inzest und Zauberei sind mit im Spiel, die Motive mancher Figuren bleiben der Kritikerin zunächst unklar. Das ist hochkomisch, findet sie, und pendelt geschickt zwischen shakespearescher Grandezza, Comics und soziologischer Analyse im Stil von Eva Illouz und Andreas Reckwitz hin und her. Ein schlaues, lustiges Buch, frohlockt Feßmann abschließend.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.10.2024
Ein "Angriff auf alles Selbstverständliche" ist der neue Roman von Anna Burns, hält Rezensent Dietmar Dath fest, aber im besten Sinne: In einer Besprechung, die in ihrem Verwirrungspotential offenbar an das Buch angelehnt ist, lobt er insbesondere die Sprache Burns', die gleichzeitig knapp und grell von den beiden Figuren "Held" und "Femme" erzählt. Man muss mitdenken in dieser Geschichte zwischen Superheldentum und seiner Entlarvung, komplizierten Familien- und noch komplizierteren Geschlechterverhältnissen. Aber dahingehend, dass der Text nur vorgibt, einfach zu sein und eigentlich ganz schön verwinkelt ist, findet Dath ihn wahnsinnig klug und anregend.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 12.10.2024
Rezensentin Caroline O. Jebens rät dazu, die anfängliche Irritation beim Lesen dieses sehr kurzen Romans der nordirischen Autorin Anna Burns, zu überwinden. Außergewöhnlich ist das Buch nicht nur, weil Jebens es bereits vor Jahren, bevor sie durch den Booker Prize für "Milchmann" bekannt wurde, im Selbstverlag als E-book publizierte. Ausnahmeerscheinungen in der Welt der Literatur sind auch die Figuren, so die Rezensentin: Sie heißen hier "Femme Fatale" und "Superheld", die Handlung wirkt comichaft, es geht um "Superschurken" und Weltherrschaft. Die "überzeichneten" Charaktere vermitteln aber, das wird der Rezensentin im Lauf der Lektüre klar, Universelles über das Menschsein und auch über den Nordirland-Konflikt, den Burns in ihren späteren Büchern immer wieder verhandelt hat. Auch als "postmoderne Farce" auf eine immer die selben Motive reproduzierende Unterhaltungsindustrie könnte man ihr Buch interpretieren, so Jebens. Leider, bedauert die Rezensentin, geht der Witz des englischen Originals in der Übersetzung unter, die Pointen zünden nicht und wirken flapsig, in den anderen Romanen ist das viel besser gelungen, findet Jebens. Abschließend hofft sie aber trotzdem darauf, dass auch Burns' restliche Texte bald auf Deutsch verfügbar sind.