Bis heute hat Anna Maria Jokl mit "Die Perlmutterfarbe", 2008 für das Kino verfilmt, Generationen von jungen Lesern begeistert. Als die Autorin den "Kinderroman für fast alle Leute" schrieb, befand sie sich bereits im Prager Exil, auf der Flucht vor den Nazis. "Geografisch registriert waren es sechs Leben, immer an jeweiligen Brennpunkten unserer Epoche", schrieb sie später: "Wien Berlin Prag London Berlin-Berlin Jerusalem". Der vorliegende Band folgt diesen Stationen und präsentiert erstmals autobiographische Aufzeichnungen der Schriftstellerin aus dem Nachlaß, unter anderem zu Begegnungen mit Johannes R. Becher, Albert Ehrenstein und Samuel Beckett. Zusammen mit bislang unveröffentlichten Erzählungen und Briefen verdichtet sich hier ein in seiner Unmittelbarkeit und Authentizität faszinierender Lebensbericht der Schriftstellerin. Jokl schreibt von Bildern und Begegnungen, von Flucht und Exil, von neuen Anfängen in Prag und Berlin, in London und Jerusalem, aber auch von der Shoah als irreversibler Zeitenwende. Das vielschichtige Werk einer Einzelnen tritt in diesem Band hervor, gerichtet gegen das Verstummen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 16.03.2011
Von Anna Maria Jokl kannte sie alles, schreibt die Autorin Katharina Hacker in einer Kritik, die wie ein Hommage klingt, und dennoch hat sie dieser Band überrascht. Manche Texte waren ihr doch neu, andere erscheinen ihr in neuem Kontext. Hacker beschreibt Jokl als eine Frau mit unbändigem Freiheitswillen, die auch versucht, alle erzwungenen Schritte der Emigration im Nachhinein als für sie sinnvoll, ja als willensgesteuert zu sehen. Mehr als die kleinen Erzählungen gefallen Hacker in dem Band kleinere Skizzen und Fragmente, unter anderem ein Text über Prag zur Zeit des Münchner Abkommens, der einen ungeheuer "intensiven Eindruck der tschechischen Hauptstadt" und schließlich "das starke Bild der schwach brennenden Lampen am Wenzelsplatz" biete.
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